Michael Hutchence war einer der berühmtesten Musiker, den Australien hervorgebracht hat.
"Mystify: Michael Hutchence" erzählt vom Leben und Tod des legendären INXS-Frontmanns.

Mystify: Michael Hutchence

KINOSTART: 30.01.2020 • Dokumentarfilm • AUS (2019) • 102 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Mystify: Michael Hutchence
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
AUS
Laufzeit
102 Minuten

Filmkritik

Charismatiker auf Talfahrt
Von Mathis Raabe

Die Filmbiografie "Mystify" ergründet Herz und Seele von Michael Hutchence, dem Sänger der Rockband INXS. Dabei ist der Film immer ganz nah dran an dem Musiker, der sich 1997 das Leben nahm.

Michael Hutchence, 1960 in Sydney geboren, war einer der größten Rockstars, die Australien hervorgebracht hat. Mit seiner Band INXS hatte er ab Mitte der 80-er Hits wie "Need You Tonight", "Beautiful Girl" und natürlich "Mystify". Nach dem Song aus dem Jahr 1987 hat Regisseur Richard Lowenstein nun auch seine Dokumentation über den viel zu früh verstorbenen Sänger benannt: "Mystify: Michael Hutchence".

Regisseur Lowenstein ist nicht unvoreingenommen, er hat bei 16 INXS-Musikvideos Regie geführt. Mit dem Mann, den er porträtiert, war er befreundet. Kein Wunder, dass er Zugang zu all dem Bildmaterial bekam, das in "Mystify" verarbeitet wird: Hutchence war offensichtlich passionierter Hobbyfilmer, und so besteht die Dokumentation zu großen Teilen aus privaten Camcorder-Videos, die den Sänger in intimen Situationen zeigen. Aus dem Off zu hören sind dazu Bandkollegen, Familienmitglieder, U2-Sänger Bono und Hutchence' prominente Partnerinnen wie Popstar Kylie Minogue und Supermodel Helena Christensen. Hinzu kommen Ausschnitte aus alten Interviews mit Hutchence selbst.

Lowenstein will nicht etwa dessen Karriere als Rockstar nacherzählen, sondern ein Porträt der Person Michael Hutchence zeichnen. Es ist oft die Rede vom Charisma des Sängers, seiner Aura, einem schwer beschreibbaren, besonderen Etwas. Als Kind soll Hutchence schüchtern gewesen sein, ein Träumer. Wovon er träumte, so impliziert der Film, das waren die Bühne und die Berühmtheit. Leider hat "Mystify" aber auch einige wenig aussagekräftige Momente, die nicht unbedingt dazu beitragen, dass man Hutchence besser versteht: Dass der Musiker seine Gesangsmelodien teilweise selbst schrieb, macht ihn noch nicht zu einem großen Songwriter. Und dass er auch hinter der Bühne ein lieber Mensch war und seinen Freundinnen treu, zeichnet ihn nur bedingt aus – es sei denn, man legt bei Rockstars andere Maßstäbe an als bei anderen Menschen.

Am interessantesten ist das tragische letzte Kapitel des Films: 1992 wird Hutchence in Kopenhagen von einem Taxifahrer angegriffen und fällt unglücklich auf den Boden. Er trägt Gehirnschäden davon, die seine Sinneswahrnehmungen einschränken. Dieser Moment wird im Film als große Zäsur dargestellt. Der liebe und schüchterne Mann mit dem besonderen Charisma ist nicht mehr wiedererkennbar. Hutchence wird depressiv, verhält sich aber auch aggressiv und beginnt, Drogen zu nehmen.

Bei seiner letzten Partnerin Paula Yates soll er Geborgenheit gesucht haben. Die Liaison führt aber auch zur Scheidung Yates' von Bob Geldof – die Hutchence zu verantworten hat, obwohl er doch selbst Scheidungskind ist. An Stelle von Geborgenheit treten Sorgerechtskriege und die Boulevardpresse ins Leben des Sängers. Seine letzten Jahre stellt der Film als ein Hundeleben zwischen Drogen, Paparazzi und Gerichtssälen dar. 1997 nimmt sich Hutchence in einem Hotelzimmer das Leben. Lowensteins Porträt stellt einen eindeutigen Zusammenhang mit den Folgeschäden des Unfalls her.

"Mystify" ist eine emotionale Talfahrt, die von Berühmtheit und psychischer Gesundheit handelt und deshalb nicht nur für INXS-Anhänger interessant ist. Fans werden sich aber besonders an all dem privaten Bildmaterial erfreuen, an der umfassenden Auswahl an Erzählerinnen und Erzählern und der detaillierten Auseinandersetzung mit dem Unfall, den Hutchence zu Lebzeiten vor der Öffentlichkeit geheim hielt. Allerdings kommt die Musik etwas kurz, die doch dieses schwer beschreibbare Charisma des Sängers eigentlich am besten verdeutlicht. Erst ganz zum Schluss hören wir den titelgebenden Song.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH

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