Karoline Herfurth setzt auch in ihrer zweiten Regiearbeit aufs Komödienfach. Im vor Stars strotzenden Film "Sweethearts" erfindet sie ein Genre, das es so bisher im deutschen Kino nicht gab.

Eine Feder darf sich Karoline Herfurth mit ihrer zweiten Regiearbeit nach "SMS für dich" schon mal an den Hut stecken: Sie überlässt die deutsche Mainstreamkomödie inklusive Buddy-Thematik nicht vollends Männern wie Til Schweiger und Matthias Schweighöfer. In "Sweethearts" erzählt die 34-Jährige die Geschichte zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Franny (Herfurth) ist ein vom Leben überfordertes Nervenbündel. Ständig wird sie von Panikattacken überfallen, die nur durch das Einloggen in ein kindlich-dümmliches Handyspiel samt Nerv-Soundtrack gelindert werden können. Als Franny von ihrer Chefin in den Zwangs-Erholungsurlaub geschickt wird, gerät sie vom Regen in die Traufe: Die toughe Juwelendiebin und alleinerziehende Mutter Mel (Hannah Herzsprung) nimmt sie als Geisel.

Zunächst steigert die ruppige Flucht Frannys Angststörung in den Bereich jenseits bisher bekannter Panikmaße. Doch dann kehrt – angesichts realer Gefahren – plötzlich Ruhe ein. Franny und Mel nähern sich an. Die labile Geisel entdeckt ihre innere Lässigkeit und findet Gefallen am Outlaw-Leben. Dann aber gerät Polizist Harry (Frederick Lau) in die Fänge der Girlgang – zwischen ihm und Franny entwickelt eine starke Anziehungskraft. Währenddessen ist die gnadenlose SEK-Leiterin Ingrid von Kaiten (Anneke Kim Sarnau) dem chaotischen Trio und seinem "Lebensmodell" jedoch immer dichter auf den Fersen.

Wer von Kinogeschichten erwartet, dass sie ihren Plot logisch oder gar realistisch erzählen, ist in dieser quietschbunten Riot-Girl-Comedy falsch im Multiplex-Sessel. Ein Problem von "Sweethearts" ist, dass man dem durchaus ordentlich bis stark aufspielenden Star-Ensemble – in weiteren Rollen sieht man Ronald Zehrfeld und Katrin Sass – diese krude Story erst mal abkaufen muss. Dabei hilft die Zeit, denn irgendwann bekommt die immer holpriger verlaufende Flucht der beiden Mädel-Buddys etwas Groteskes. Vor allem dann, wenn auch noch Liebe und Romantik ins Drehbuch (Monika Fäßler, "Scarlet und Hadschi") grätschen. Trotzdem steigert sich das weibliche Buddy-Movie in seiner zweiten Hälfte erheblich. Dann, wenn man die absurden Wendungen als gegeben akzeptiert und sich voll auf die durchaus unterhaltsamen Dialoge, spielfreudigen Stars sowie die flotte Inszenierung konzentrieren kann.

"SMS für dich", Karoline Herfuths erste Regiearbeit, war durchaus ein Kassenerfolg im Jahr 2016. Mit etwa 800.000 Besuchern schaffte es die romantische Komödie – mit Herfurth, Nora Tschirner und Friedrich Mücke in den Hauptrollen – auf Platz neun der Kino-Jahrescharts deutscher Produktionen. Im Vergleich zur sanft modernisierten Version des "Schlaflos in Seattle"-Plots ist "Sweethearts" nun deutlich abgedrehter und klamaukiger. Trotzdem retten die starken Auftritte des Quartetts Herfurth, Herzsprung, Sarnau und Lau die etwas sprunghafte Geschichte vorm Umkippen ins Ärgerliche.

Spätestens, wenn Nervenbündel Franny ihrer "Entführerin" den Foreigner-Oldie "I Wanna Know What Love Is" als Karaoke-Ständchen darbietet, entgleiten nicht nur dem toughen Widerpart die harten Gesichtszüge zum Lächeln. Auch der Zuschauer denkt sich: Ach, eigentlich doch ganz süß, diese Mädchen-Befreiungsgeschichte auf Mainstream-Speedtabletten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst