Die Zutaten stimmen. Die Zutaten, auf welche die Münster-Tatort-Gemeinde mehr erpicht ist als auf eine schlüssige Story. Axel Prahl (Thiel) legt wie üblich einen beachtlichen Kugelbauch-Sprint hin, und weil's so schön war, muss er am Ende eine weitere olympiareife Beschleunigung auf die Pflastersteine klopfen. So fängt man Mörder. Jan Josef Liefers (Boerne) erscheint wie üblich picobello in Schale am Tatort und muss sich von Prahl sagen lassen, er sehe wie ein Oberkellner aus. So tragen wir, kontert Liefers, beide die Last unserer Ahnen: "Ich das Sakko meines Großvaters, Sie die Statur Ihres Großvaters." Mechthild Großmann (Staatsanwältin) rollt wie üblich die Augen und saugt merklich unbefriedigt an einer Elektrozigarette. Claus D. Clausnitzer (Vadder Thiel) geht mit einer wieder mal viel zu jungen Schickse zur Demo und anschließend in die Federn, und als ihn sein Sohn beim Kiffen erwischt, verschluckt er den Joint. Schon lustig, ja.

Vielleicht sind es diese zur Pflicht gewordenen Zutaten, die verhindern, dass Münster noch mal richtig packend wird. Dies ist die 25. Folge, und der Spannungsbogen neigt sich kontinuierlich abwärts. Lars Kraume (Buch und Regie) war sich dessen offensichtlich bewusst. Er eröffnet mit einer Busfahrt durch das um 21 Uhr (Kirchturmuhr!) schon nächtlich ausgestorbene Münster. Die Fahrt endet mit einer Vollbremsung vor einer Leiche. Mord atürlich, sogar Säuremord. Das hat Thriller-Atmosphäre und verspricht viel. Thiel und Boerne fetzen sich. Danach wird's schnell piefig. Als ob auch Kraume eine Vollbremsung eingelegt hätte. Ein maskierter Comic- Held verbreitet eher Karnevalstristesse als Angst, obwohl er doch munter mordet. Eine Schieberei um ein als Wellness-Oase getarntes Bordell dient als motivisches Feigenblatt. Der Versuch, einen Hauch von Undercover einzuführen, geht der Regie auch szenisch in die Hose. Der eigentliche Strippenzieher und Übeltäter taucht so gut wie nicht auf. Stattdessen plagen sich Thiel und Boerne mit einem armen Schlucker von Mörder, der einem am Ende richtig leidtut. dh

Foto: WDR/Martin Menke