Ein schöner Polizistentraum. Das Unheil an der Wurzel packen und den Drogensumpf mit Stumpf und Stiel und allen trüben Wassern ­trockenlegen. Tod den Herstellern von ­Designer­drogen! Tod den Dealern! Im Berliner Tatort stoßen wir auf diese ­Vision, und sie ­gefällt ungemein. Sie gefällt, weil sich auch der Zuschauer wünscht, dass so etwas möglich werde. Sie gefällt, weil Märchen, die im Verlaufe der Erzählung von Gallenbitter auf Bittersüß wechseln, eine Spur von Versöhnung hinterlassen. Die Story (Regie Claudia Garde) gibt sich nicht die geringste Mühe, den Gesetzen polizeilicher Logik zu folgen. Umso besser funktioniert sie.

Der Hexenmeister einer chemischen Droge ­namens "Heaven", die unter Berliner ­Jugend­lichen einige Begehrlichkeit weckt, wird tot aufgefunden. Noch in letzter, für ihn zu später Sekunde konnte er einen Notruf absetzen, welcher den Fall einer von niemandem gewünschten Lösung zuführt. Doch im Märchen, das ist das Schöne, lassen sich die Dinge auf wunderbare Weise fügen. Am Ende liegen sich die schuldig Unschuldigen in den Armen, und Dominic Raacke wirft sein ­Furchen-­Face in den glücklichen Kummer der Entsagung. Er entsagt als Strafverfolger wie auch als Liebender. Was für ein Auftritt! Seine alte Liebe Natja Brunckhorst ("Christiane F. - Wir Kinder vom Bahnhof Zoo") lieferte die Idee zu diesem Tatort. Die Faszination dieser Folge geht aber von Ina Weisse und Leonard Carow aus. Letzterer spielt wie der nächste Schweighöfer. Ina Weisse bewältigt eine Vierfachrolle als Ermittlerin, als Mutter, als unheilbar Krebskranke sowie als – aber schauen Sie selbst. Detlef Hartlap

Foto: RBB/Volker Roloff