Konditor Thomas (Tim Kalkhof) verliebt sich in einen Israeli - und muss ihn schon bald betrauern.
Ofir Raul Graizers Langfilmdebüt "The Cakemaker" handelt von einer Liebe, die nicht viel Zeit hat, sich zu entwickeln.

The Cakemaker

KINOSTART: 01.11.2018 • Drama • D / IL (2017) • 105 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Cakemaker
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D / IL
Laufzeit
105 Minuten
Kamera

Filmkritik

Liebesgeschichte mit Schwarzwälder Kirsch
Von Sven Hauberg

In seinem Debütfilm erzählt Ofir Raul Graizer von einer Liebe, die nur kurz währt – und nebenbei noch von deutsch-israelischen Befindlichkeiten.

Liebe geht nicht nur im Sprichwort, sondern auch im Film oft durch den Magen. In "Chocolat" etwa sind es die süßen Kreationen von Juliette Binoche, die den Bewohnern eines französischen Provinzstädtchens den Kopf verdrehen. Der israelische Filmemacher Ofir Raul Graizer lässt seine Liebesgeschichte "The Cakemaker" in einer Berliner Konditorei beginnen. Auch hier ist das süße Gebäck Ausgangspunkt für eine betörende Liebesgeschichte: Immer, wenn er in Berlin ist, kauft der Israeli Oren (Roy Miller) beim titelgebenden Kuchenmacher Thomas (Tim Kalkhof, spielt im Berlin-"Tatort" den Kriminalassistenten Mark Steinke) ein paar Kekse und ein Stück Schwarzwälder Torte – und verliebt sich in den Mann hinter dem Tresen.

Oren aber ist mit einer Frau verheiratet, daheim, in Israel. Lieben kann er Thomas immer nur ein paar Tage lang, wenn er geschäftlich in Deutschland ist. Über Monate geht das so – bis Oren stirbt. Bei einem Verkehrsunfall in Jerusalem kommt er ums Leben, hinterlässt seine Frau und eine kleine Tochter. Wie schon der Literaturprofessor George in "A Single Man", bleibt Thomas mit seiner Trauer allein zurück.

Um Orens Geheimnis mit ihm im Grab zu belassen, nimmt er zunächst keinen Kontakt auf zur Familie seines toten Liebhabers. Dann aber reist er doch nach Jerusalem. Ohne zu sagen, wer er ist, heuert er als Aushilfe im Café von Orens Witwe Anat (stark: Sarah Adler) an. Immer mehr dringt Thomas in Anats Leben ein, und auch sie interessiert sich zunehmend für diesen schweigsamen Deutschen, der plötzlich in ihrem Café steht.

Für Filmemacher Graizer ist "The Cakemaker" ein ganz persönliches Werk: "Die Wendungen der Geschichte, der Ort und die Charaktere entspringen alle meinen eigenen Erinnerungen und Erfahrungen, die ich gemacht habe, während der sechseinhalb Jahre, die ich an dem Film gearbeitet habe", sagt er. "Es ist eine Geschichte über den Versuch, Definitionen für Nationalität, Sexualität und Religion beiseite zu schieben. Es ist meine Geschichte."

Graizer erzählt diese Geschichte in seinem Langfilmdebüt, das sich als israelischer Beitrag um den Auslands-Oscar bewirbt, mit einer spröden Distanziertheit. Vieles wird hier nur angedeutet und bleibt so unausgesprochen wie die Liebe der beiden Männer. In ihrer Trauer sind Thomas und Witwe Anat vereint; er kann seine Gefühle nicht zeigen, sie ist zu vereinnahmt vom Alltäglichen, um wirklich Zeit zu finden, richtig Abschied zu nehmen.

"The Cakemaker" ist vor allem ein Film über die Liebe, erzählt aber ganz nebenbei noch viel über das heutige Israel, über religiösen Fundamentalismus und die noch immer nicht ganz einfachen Beziehung zu Deutschland. Ganz am Schluss wartet dieser kleine, kühle und gleichzeitig leidenschaftliche Film noch mit einer Überraschung auf. Dann wird auch klar, was Regisseur Graizer sagen will: Man sollte, vor allem in der Liebe, nie zögern. Denn manchmal ist es sonst für immer zu spät.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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