Der Wachmann David Dunn überlebt als einziger ein blutiges Zugunglück, das 131 Todesopfer forderte. Das Seltsame: Dunn hat noch nicht mal einen Kratzer davongetragen. Ohnehin von (Ehe-)Problemen geplagt, sucht Dunne nach Erklärungen für das Unglaubliche. Just in dem Moment tritt Comic-Galerist Elijah Price auf den Plan. Der Farbige wurde mit Glasknochen geboren und behauptet nun, David sei sozusagen sein schicksalhaftes Pendant. Derweil Elijahs Knochen splittern, sind Davids offenbar unzerbrechlich. Elijah hält David nun dazu an, im Dienste der Menschheit Übles zu bekämpfen. Und tatsächlich: David kann durch eine Art sechsten Sinn bei der bloßen Berührung von Fremden deren Missetaten flash-artig erkennen. Auf dem Bahnhof macht er so eine ganz miese Type ausfindig ...

Das erfolgreiche Duo Shyamalan und Willis schlug 2000 erneut zu und setzte nach "The Sixth Sense" wieder auf Unerklärliches. Dies hätte die definitive Antwort auf allen Superhelden-Blödsinn sein können. Denn einige Ansätze und viele Szenen sind schlichtweg grandios. Doch Shyamalan erzählt die ganze Story über Comics, Football, Freundschaft, Familie und Gesellschaft derart langatmig, dass man mitunter im Kinosessel einzuschlafen droht. Der ganze Inszenierungsstil verkommt zur reinen Staffage. Machte die Langsamkeit bei "Sixth Sense" noch Sinn, so artet sie hier in manirierte Stilübung aus: lange bedeutungsschwangere Einstellungen, die dann doch keinen Sinn ergeben, religiöse Motive, gesellschaftliche Fragen und - wer hätte das gedacht - wieder ein überraschendes Ende. Zu offensichtlich verwechselt der Regisseur Kunst mit Manierismus. Wären nicht einige wirklich originelle Ideen, die guten Darsteller und einige gelungene Kamera-Einstellungen, man könnte fast von einem Fehlschlag sprechen. So wird nur offensichtlich, dass man hier selbstgefällig den Erfolg von "Sixth Sense" wiederholen möchte.

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