Die Weihnachtshexe (Paola Cortellesi) bereitet sich auf ihren nächtlichen Einsatz vor.
"Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe" ist ein düsterer Kinderfilm.

Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe

KINOSTART: 07.11.2019 • Komödie • I (2018) • 98 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
La Befana vien di notte
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
I
Laufzeit
98 Minuten

Filmkritik

Alles andere als besinnlich
Von Diemuth Schmidt

"Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe" erzählt eine alte italienische Legende neu. Doch die Formel "Action statt Besinnlichkeit" funktioniert hier nur bedingt.

Vergesst den Weihnachtsmann! Wenn die Befana, die traditionelle italienische Weihnachtshexe, mit ihrem Besen durch die Lüfte saust und den schlafenden Kindern die Geschenke in die aufgehängten Strümpfe steckt, sehen die Rentiere des Rauschebarts sie nur noch von hinten. Mit ihrer langen Nase, den spitzen Fingernägeln und den dunklen, langen Gewändern sieht die Befana zwar aus wie eine Märchenhexe. Doch das gruselige Erscheinungsbild täuscht. Spätestens, wenn man sie beim nächtlichen Geschenkeverteilen sieht, zeigt sich ihr gutes und auch menschliches Wesen, dann schimpft sie über ihre anstrengende Arbeit und fühlt sich gegenüber dem Hohoho-Weihnachtsmann mit seinem Schlitten für den bequemen Pakettransport benachteiligt. Schnell wird klar: Mit "Unsere Lehrerin, die Weihnachtshexe" will der italienische Regisseur Michele Soavi frischen Wind in das Genre des Weihnachtsfilms bringen. Leider aber gelingt ihm das nur bedingt.

Tagsüber arbeitet die Weihnachtshexe als Lehrerin. Paola (gespielt von Paola Cortellesi) heißt sie und ist eine Lehrkraft, wie sie sich Kinder nur wünschen können. Allerdings bringt die Tatsache, dass sie nie altert, Probleme im Privatleben mit sich. Mit allen möglichen Tricks versucht sie zu verhindern, dass ihr Verehrer Giacomo (Fausto Maria Sciarappa) ihr einen Antrag macht. Witzig und unterhaltsam erzählt Regisseur Soavi von den Tücken im Leben einer Weihnachtshexe – doch dann will er mehr.

In den Bergen über dem kleinen Dorf, in dem Paola lebt, braut sich Unheil zusammen. Mr. Johnny (Stefano Fresi), der einst als kleiner Junge das falsche Geschenk bekam, beginnt einen Rachefeldzug. Der erfolgreiche Hersteller von billigem Plastik- und Elektronikspielzeug lässt die Befana entführen und will sie dazu zwingen, die ihr heiligen Wunschzettel der Kinder herauszurücken. Doch die Weihnachtshexe wehrt sich standhaft. Inzwischen macht sich eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern auf eigene Faust auf die Suche nach ihrer verschwundenen Lehrerin. Dabei erkennen sie, wer Paolo wirklich ist, und dass bei ihrer Mission das ganze Weihnachtsfest auf dem Spiel steht.

Dementsprechend lässt es Regisseur Soavi krachen. Das vom Verleiher als "unterhaltsamer Familienspaß" angepriesene Werk überschreitet mit fiesen Einfällen und zum Teil sadistischer Gewalt rund um einen verwitterten Friedhof, eine Schrottpresse und eine einsame Waldhütte die Grenzen des Kinderfilms. Gesucht wird jetzt nicht mehr nur die Weihnachtshexe, sondern auch die Zielgruppe, für die dieser Film geeignet sein soll. Hier schießt Soavi, der lange im Horrorbereich an der Seite von Dario Argento ("Suspiria") arbeitete, über das Ziel hinaus.

Auch die kaum der Grundschule entwachsenen sechs Kinder zeigen ein seltsames Sozialverhalten. Das wechselt zwischen heftigem Mobbing untereinander, Zungenkussübungen aus dem Nichts und einer zu forcierten, eng zusammenhaltenden Gruppendynamik. Die an sich viel interessantere Weihnachtshexe wurde derweil in Mr. Johnnys Festung mundtot gemacht und darf erst wieder im skurrilen Finale mitmischen.

Trotz des Wortes "Weihnachten" im Titel kann sich in diesem Film keinerlei Zauber entfalten, auch wenn die Hauptfigur, gelungen gesprochen von Judith Rakers in ihrem ersten Einsatz als Synchronsprecherin, durchaus märchenhaftes Potenzial hätte. Stattdessen sollen "normale" Kinder, ähnlich wie in Abenteuerfilmen wie "TKKG", die großen Retter spielen und werden einer überdimensionierten Gewalt ausgesetzt – wenig stimmig, wenig zufriedenstellend.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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