Was bedeutet eigentlich "links" im heutigen politischen Italien, in dem vor allem eine große Konfusion herrscht und wo auch innerhalb des Mitte-Links Lagers die großen Ideale von einst, wenn nicht ganz verloren, so doch immer verborgener erscheinen. Ein Italien, das aber auch stellvertretend für die Situation in ganz Westeuropa steht. Was ist heute links, was ist rechts, wen soll man eigentlich wählen, wie soll man eigentlich handeln? Darf man als Linker eine Putzfrau haben? Oder eine Kredit-Karte?

Bereits in seinem mal heiteren, mal tragisch-modernen Dokumentarfilm "Italy: Love It, or Leave It" beschäftigte sich das Regie-Duo Gustav Hofer und Luca Ragazzi mit dem Sehnsuchtsland der Deutschen, das Land, in dem die Zitronen blühen. Nach dieser heiteren gesellschaftlich-wirtschaftlichen Analyse setzen sich die beiden Filmemacher dieses Mal mit der politischen Linken Italiens auseinander, nachdem die von den Mitte-Links-Wählern erhoffte progressive sozialdemokratische Regierung im Februar 2013 nicht zustande kam. Denn der Erfolg des Komikers Beppe Grillo und die Auferstehung des gefallenen Berlusconi haben diesen Wählern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hofer und Ragazzi machen bei ihrer Analyse gar nicht erst den Versuch, objektiv zu sein, sie zeigen deutlich, wie enttäuscht sie über die Koalition der Demokratischen Partei mit Berlusconi bis hin zur Wiederwahl des Staatspräsidenten Giorgio Napolitano sind. So ist "What is Left?" eine Reise in das politische Italien, in dem vor allem eine große Konfusion herrscht und wo auch innerhalb des mitte-links-Lagers die großen Ideale von einst, wenn nicht ganz verloren, so doch immer verborgener scheinen.

Foto: Déjà vu