Schlaf, Kindlein schlaf! Der Vater hüt' die Schaf; die Mutter schüttelt's Bäumelein, da fällt herab ein Träumelein. Schlaf, Kindlein schlaf! So die erste Strophe des berühmten Wiegenlieds, das der deutsche Komponist Johann Friedrich Reichardt 1781 komponierte. Wiegenlieder gelten als die erste Verbindung zur Welt - fast jeder hat sie gehört, bewusst oder unbewusst. Doch was verbinden die Menschen heute mit dieser Erfahrung? So wurden etwa dem Komponisten Helmut Oehring keine Wiegenlieder gesungen, seine Muttersprache ist die Gebärdensprache der Eltern.

Das wollte das Dokumentarfilmer-Duo Tamara Trampe und Johann Feindt wissen, als es in der Hauptstadt Berlin Menschen befragte, an welches Lied sie sich erinnern, das ihnen einst zum Schlafen gehen gesungen wurde. Eigentlich eine einfache Frage, auf die die Menschen aber mitunter vollkommen unterschiedlich reagierten. Manche begannen zu singen, andere lächelten, einer weinte. Denn jeder verbindet seine eigenen Erfahrungen mit diesen Liedern, Erinnerung an die Eltern, die eigene Kindheit, Geschichten von Geborgenheit und Wärme, Einsamkeit und Ausgrenzung.

Foto: Jule Cramer/zero one film