Wer Opfer und wer Täter ist, kann in der Regel leicht festgestellt werden. Jonathan Littell legt in seinem Regiedebüt sein Augenmerk allerdings auf vier Protagonisten, bei denen klare Zuordnungen nur schwer zu treffen sind.

Geofrey, Nighty, Mike und Lapisa wurden als Kinder mit 12 oder 13 Jahren in Uganda von den Rebellen der "Lord's Resistance Army" (LRA) entführt und zu Kindersoldaten ausgebildet. Der Schriftsteller traf in seinem Dokumentarfilm die ehemaligen Kämpfer, die mittlerweile erwachsen sind.

Tiefes Trauma

Geofrey, Nighty, Mike und Lapisa wurden von ihren Entführern zu Gräueltaten und der Teilnahme am Krieg im Norden Ugandas gezwungen. Nur durch Glück konnten sie entkommen und wurden aufgrund einer Amnestie-Regelung nicht für ihre kriegerischen Handlungen zur Verantwortung gezogen und stattdessen wieder in die Gesellschaft integriert.

Obwohl sie auf den ersten Blick mittlerweile ein normales, geordnetes Leben führen, wurden sie von den traumatischen Erlebnissen ihrer Kindheit geprägt. Diese lassen sie bis heute nicht los.

Bewegend und schockierend

Jonathan Littell zeigt eindrucksvoll die Ambivalenz der Charaktere. So gibt es Szenen, die erschrecken, etwa wenn die jungen Menschen starke Sympathien für ihre Kidnapper hegen, die aber auch gleichzeitig human wirken, schließlich waren die Männer für die entführten Kinder ein Elternersatz. Der Zuschauer erhält durch die dokumentarische Abhandlung einen unmittelbaren Einblick in die innere Zerrissenheit der ehemaligen Kindersoldaten.