Schon der klug gewählte Titel lässt erahnen, dass der Projektionsraum Kino in Laura Lackmanns zweitem Spielfilm eine wichtige Rolle spielen wird. Nicht von ungefähr beginnt die Regisseurin ihre 2017 beim Filmfest München uraufgeführte Tragikomödie über die Liebe und die Schwierigkeiten einer Partnerschaft in einem Lichtspielhaus, in dem die Protagonisten einer kitschigen Romanze beiwohnen und anschließend über das Gesehene diskutieren. "Zwei im falschen Film" nimmt typische Hollywood-Klischees aufs Korn und zieht gleich in den ersten Szenen eine Metaebene ein, die im weiteren Verlauf immer wieder hervorlugt.

Auf Handlungsebene beginnt Lackmann ihre doppelbödige Paaranalyse dort, wo viele Leinwand-Liebesgeschichten gar nicht erst ankommen: im Alltag. Seit acht Jahren leben Laura (Laura Tonke) und Hans (Marc Hosemann), der seine Freundin konsequent "Heinz" nennt, in einer Beziehung und scheinen nach außen relativ glücklich zu sein, auch wenn die Synchronsprecherin und der Copyshop-Teilhaber ein nicht gerade spannendes Dasein führen. Statt in einer gemütlichen Wohnung hausen sie in den Büroräumlichkeiten des von Hans mitgeleiteten Geschäfts. Und ihre Abende verbringen sie meistens mit Chips und Videospielen auf dem heimischen Sofa.

Dass ihre Partnerschaft eingerostet ist, merken die beiden erst, als sie auf Drängen ihrer Familie am gemeinsamen Jahrestag essen gehen. Lauras plötzlich auftauchender Ex-Freund Max (Hans Longo) baggert die junge Frau recht unverhohlen an, was Hans jedoch erstaunlich entspannt zur Kenntnis nimmt. Verärgert über seine fehlende Eifersucht schlägt Laura ihm daraufhin vor, wieder etwas Leidenschaft in ihr Miteinander zu bringen. Ein kompliziertes Unterfangen, da sich Romantik nur schwer auf Knopfdruck erzeugen lässt und zunehmend unterschiedliche Wünsche und Erwartungen an die Oberfläche drängen.

"Zwei im falschen Film" kreist mit spielerischer Leichtigkeit um große Beziehungsfragen, die vielen Zuschauern nicht fremd sein dürften: Was tun, wenn die Schmetterlinge im Bauch verflogen sind? Wenn die aufregende Zweisamkeit mehr und mehr in Routine übergeht? Und sich womöglich herauskristallisiert, dass man grundverschiedene Vorstellungen vom Zusammenleben hat? Mit einem Händchen für absurde Momente – beispielsweise das Nachstellen des ersten Kennenlernens – schickt Lackmann ihre etwas verplant wirkenden Hauptfiguren durch ein Wechselbad der Gefühle, das romantische Filmkonventionen aufgreift, bricht und ironisch kommentiert.

Der Weg zum reichlich turbulenten, etwas überkonstruierten Finale hebt sich wohltuend ab vom konfektionierten Handlungsgang vieler Hollywood-Schmonzetten und ist fortlaufend gespickt mit kleinen amüsanten Begebenheiten. Verwicklungen und Streitpunkte, wie sie jeder Kinogänger kennt, die hier meistens gekonnt auf die Spitze getrieben werden. Dass es kein Patentrezept für eine glückliche Beziehung gibt, verdeutlichen die entlarvenden Seitenblicke auf andere Figuren – etwa Lauras dogmatische Schwester Sarah (Katrin Wichmann) oder aber den gezwungen herzlichen Martin (Arnd Klawitter), einen früheren Fußballkollegen von Hans, der einige der lustigsten Akzente setzen darf ("Kinderhaben macht so nen Spaß!").

Die Erkenntnis, die am Ende steht, mag nicht sonderlich originell sein. Und manche Pointen hätte man durchaus verfeinern können. Alles in allem ist "Mängelexemplar"-Regisseurin Laura Lackmann aber eine gewitzte und kurzweilige Bestandsaufnahme in Sachen "Liebe" gelungen, die herrlich komische Situationen mit ehrlich berührenden Szenen verbindet. Vielleicht sieht man nach dem Film seine eigene Partnerschaft sogar mit anderen Augen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst