Jürgen Hentsch

Jürgen Hentsch mit Katja Riemann in "Die Diebin & der General". Vergrößern
Jürgen Hentsch mit Katja Riemann in "Die Diebin & der General".
Fotoquelle: ARD
Jürgen Hentsch
Geboren: 17.03.1936 in Görlitz, Deutschland
Sternzeichen: Fische
Gestorben: 21.12.2011 in Berlin, Deutschland

Er war ein gern besetzter Charakterdarsteller, der sowohl im Theater als auch im Film mit der feinfühligen, aber auch knallharten Darstellung seiner Protagonisten überzeugte: Jürgen Hentsch. Der Görlitzer besuchte nach dem Abitur die staatliche Schauspielschule Ernst Busch in Berlin und stand bereits 1964 als Hamlet auf der Bühne des Theaters in Chemnitz (seinerzeit Karl-Marx-Stadt). Am Deutschen Theater in Berlin sah man ihn danach in Rolf Hochhuths "Der Stellvertreter" (1965) und in Shakespeares "Richard III" (1975). Weitere Engagements hatte er in Shakespeares "Sommernachtstraum", Tschechows "Die Möwe" (beide 1979), Schillers "Maria Stuart" (1981) sowie in Shakespeares "Hamlet" (1985) und "Macbeth" (1987). Neben seinem langjährigen Auftritten in Berlin sah man Hentsch aber auch auf den Bühnen in München und Wien.

Daneben startete Jürgen Hentsch schon in den Sechzigerjahren seine Karriere im damaligen DDR-Fernsehen: In "Karla" (1966), eine Sozialstudie von Herrmann Zschoche, gab er sein Filmdebüt an der Seite von Jutta Hoffmann, Rolf Hoppe und Fred Delmare. Weitere Rollen folgten schon bald in den Antikriegsfilm "Ich war neunzehn" (1968) und in dem Liebesfilm "Zeit der Störche" (1971). Doch vorerst galt Hentschs Interesse immer noch vermehrt dem Theater, erst nach der Wende nahm seine TV- und Kinokarriere Fahrt auf. Viel Anerkennung brachte ihm beispielsweise die Rolle des Physikers Werner Heisenberg in Frank Beyers "Ende der Unschuld" (1991) mit Udo Samel und erneut Rolf Hoppe. Doch erst sein Professor Ernst Schultze, der die Zurechnungsfähigkeit des Massenmörders Fritz Haarmann alias Götz Goerge in Romuald Karmakars gefeierten Dokudrama "Der Totmacher" ausloten soll, machte den Darsteller dem breiten Publikum bekannt.

Was folgte, war eine einzigartige Präsenz auf den deutschen Fernsehschirmen: In Nico Hoffmanns Psychothriller "Der Sandmann" (1995) war wieder Götz George einer seiner Filmpartner, und Dieter Wedel verpflichtete ihn für seinen Star besetzten Quotenknüller "Der Schattenmann" (1995). In kurzer Folge entstanden danach Filme wie Bodo Fürneisens Psychothriller "Terror im Namen der Liebe" (1996), Peter Wekwerths Thriller "Schlank bis in den Tod", Frank Beyers wunderbare Zuckmayer-Adaption "Der Hauptmann von Köpenick" (1997) mit Harald Juhnke, Thorsten C. Fischers Psychothriller "Ein tödliches Wochenende" (1998) und mit dem Drama "Abgehauen" (1998) erneut eine Regiearbeit von Frank Beyer. Mit Suzanne von Borsody stand er danach für Christian von Castelbergs Kriminalfilm "Die Mörderin" (1998) vor der Kamera, und Diethard Klantes Regiearbeit "Schwarzes Blut" (1998) war ebenfalls ein Kriminalfilm, dieses Mal allerdings mit Sebastian Koch und Jennifer Nitsch.

Im Jahr darauf entstanden Thorsten C. Fischers Thriller "Doppeltes Dreieck" und Thomas Roths Kriminalfilm "Kaliber Deluxe", bevor Roland Suso Richter den Mimen für sein Drama "Eine Hand voll Gras" vor die Kamera holte. Großes Aufsehen erregte Jürgen Hentsch schließlich mit seiner Rolle in Bernd Böhlichs zweiteiliger Filmbiographie "Der Verleger" (2000), eher durchschnittlicher Qualität war dagegen Johannes Fabricks Melodram "Und morgen geht die Sonne wieder auf" (2000). Großen Erfolg hatte Hentsch auch mit seiner Verkörperung des Heinrich Mann in Heinrich Breloers Mehrteiler "Die Manns - Ein Jahrhundertroman" (2001). Für seine nahezu perfekte Verkörperung des Literaten wurde Jürgen Hentsch 2002 sowohl mit dem Grimme-Preis als auch mit Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Klasse war auch seine Rolle als Ex-Stasi-Offizier, der mit perfekt gefälschter Identität als harmloser Biedermann an der Ostsee lebt, in Friedemann Fromms Politthriller "Zeit der Rache" (2002). Ganz hervorragend war übrigens auch sein Herbert Wehner in dem Politdrama "Im Schatten der Macht" (2002) von Oliver Stortz.

Weitere Filme mit Jürgen Hentsch: "Erziehung vor Verdun" (1973), "Stunde der Füchse" (1993), "Nur der Sieg zählt", "Der Mann mit der Maske", "Wenn alle Deutschen schlafen" (alle 1994), "Eine Frau will nach oben" (1995), "Hannah", "Im Namen der Unschuld", "Tatort - Perfect Mind - Im Labyrinth", "Beckmann und Markowski - Im Zwiespalt der Gefühle", "Fähre in den Tod" (alle 1996), "100 Jahre Brecht" (1997), "T.E.A.M. Berlin: Unternehmen Feuertaufe", "Mein Kind muss leben", "T.E.A.M. Berlin - Tödlicher Wind", "Operation Phoenix - Jäger zwischen den Welten", "Nicht ohne meine Eltern" (alle 1998), "Die Blendung - Verrat aus Liebe", "AEON - Countdown im All", "Urlaub im Orient - Und niemand hört dein Schreien", "Zwei Brüder - Herztod", "T.E.A.M. Berlin - Der Verrat", "Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei" (alle 1999), "Der gerechte Richter" (2000), "Eva - ganz mein Fall" (Serie, 2002), "Barbara Wood: Lockruf der Vergangenheit", "Der zweite Frühling", "Das Herz ist rot" (alle 2003), "Tatort - Eine Leiche zu viel", "Folgeschäden", "Das Bernstein-Amulett" (alle 2004), "Die Luftbrücke - Nur der Himmel war frei", "Sternzeichen", "Die Diebin & der General" (beide 2005), "Robin Pilcher: Jenseits des Ozeans", "Die Tote vom Deich", "Die Flucht" (alle 2006), "Der Butler und die Prinzessin", "Die Frau, die im Wald verschwand", "Angsthasen" (alle 2007), "Küss mich, wenn es Liebe ist" (2008), "Der Mann aus der Pfalz", "Bella Block - Reise nach China" (2009).


Alle Filme mit Jürgen Hentsch
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