Barbara Rudnik als Psychologin in "Tödliche Blicke"
Fotoquelle: ZDF/Stephan Persch

Barbara Rudnik

Lesermeinung
Geboren
27.07.1958 in Welbach, Sieg, Deutschland
Gestorben
23.05.2009 in München, Deutschland
Sternzeichen
Biografie

Im kleinen Wehbach an der Sieg lebte Barbara Rudnik bis zu ihrem 10. Lebensjahr, ihre Mutter war Näherin, 1968 zog sie nach Kassel. Als Barbara dort am Theater in einer Statistenrolle auftrat, packte sie der Ehrgeiz, Schauspielerin zu werden. Mit 19 Jahren ging sie nach München, besuchte eine Schauspielschule, brach sie aber nach eineinhalb Jahren ab. "Das war zu klassisch, nur Technik, eher eine Verbildung als eine Ausbildung." Als sie in einem Münchner Café jobbte, sprach sie ein Student der Hochschule für Film und Fernsehen an und gab ihr eine Rolle. Es war Jochen Richter, der eine Weile zu den vielversprechenden Regisseuren der deutschen Filmszene zählt. Von da an wurde sie herumgereicht und spielte in einer Reihe von Hochschulfilmen.

Meist war sie die kühle Blonde, nur bei Ute Wieland durfte in dem Film "Talente" ein hässliches, strenges, steifes Mädchen spielen, die noch nie etwas mit Männern zu tun hatte. "Das hat mir richtig Spaß gemacht. Als Filmschauspielerin wird man ja meistens nach Typ besetzt, selten probiert jemand mal etwas aus. Das ist beim Theater ganz anders." 1980/81 sah man sie in München an den verschiedensten Theatern, sie spielte in "Fluchtkampf", in "Woyzeck" und in Shakespeares "Antonio und Cleopatra" Dann besetzte sie Beate Klöckner in "Kopfschuss", das war für Barbara ein Erfolg. 1982 besetzte sie Jochen Richter in "Am Ufer der Dämmerung", 1984 folgen "Treffer" von Dominik Graf und "Tausend Augen" von Hans C. Blumenberg.

Für Blumenberg stand nach "Kopfschuss" fest: "Die Gabriele Lang muss Barbara Rudnik spielen, sie ist die Idealbesetzung, kein anderes Mädchen in Deutschland hat eine solche Kinowirksamkeit." 1985 folgt "Müllers Büro" von Niki List, Jahre später besetzte sie Sönke Wortmann 1997 in "Der Campus". Von vielen Kritikern wurde sie als Entdeckung der letzen Jahre bezeichnet und auch wenn das zu hoch gegriffen ist: Sie ist ein Typ, ihr distanziertes Spiel gab ihr vielseitige Ausdrucksmöglichkeiten - gerade weil sie sich nicht hingebungsvoll, anschmiegsam, voyeueristisch präsentieret. Sie hatte in Blick und Gestus etwas von Lauren Bacall.

Foto: ZDF/Stephan Persch Seit sie zu den Stars des deutschen Films gehörte, sah man sie natürlich häufig im Fernsehen, in Serien wie "Fahnder", "Eurocops", "SOKO", "A.S.", "Faust", verschiedenen Tatort-Folgen und als "Kommissarin". In "Rotlicht" spielte sie 1992 an der Seite von Hanns Zischler und Helmut Zierl eine Lehrerin aus Ost-Berlin, kurz nach der Wende. Für den Kommissar Zierl soll sie einen verdächtigen Russen übersetzen. Der Beginn einer komplizierten Liebesgeschichte. 1993 entstand "Schöne Feindin", bei Nico Hofmann spielte sie 1995 in dem vielfach preisgekrönten Thriller "Der Sandmann" und ein Jahr später in dem eindrucksvollen Dürrenmatt-Remake "Es geschah am helllichten Tag" mit Joachim Król in der Rühmann-Rolle. Und in Dennis Satins "In alter Freundschaft" (1997) sah man sie als undurchsichtige Jugendliebe des Privatdetektivs Georg Wilsberg, der ständig im Stress ist und alle Hände voll zu tun hat, schwierige Fälle zu lösen.

1998 verkörperte die kühle Blonde in dem TV-Krimi "Gefährliche Wahrheit", unter der Regie von Benno Fürneisen die misstrauische Gerichtsmedizinerin Ruth Jacoby. Zeitlebens war der Krimi ihr Metier. Doch auch im Genre des Dramas brillierte die talentierte Schauspielerin: In dem Beziehungsdrama "Mein Leben gehört mir" (1999) spielte sie eine zukunftsweisende Rolle: Erst kriselt es in der Ehe von Hans-Peter Schmidt und seiner Frau Anna, doch dann erkrankt Anna an Krebs. Zu diesem Zeitpunkt unvorstellbar, dass Barbara Rudniks Zukunft ähnlich aussehen sollte.

Im Jahr 2000 ist sie in Wolfgang Murnbergers gelungener Kino-Komödie "Komm, süßer Tod" neben Josef Hader zu sehen und 2002 stellt sie ihr Talent als Brandts Ehefrau Ruth im ARD-Politthriller "Im Schatten der Macht" unter Beweis. Im darauf folgenden Jahr beeindruckt sie die Fernsehzuschauer wieder als Ermittlerin. Wie so oft. In dem Psycho-Krimi "Tod im Park" hinterfragte Regisseur Martin Eigler die polizeiliche Arbeit in der ehemaligen DDR kritisch, Barbara Rudnik überzeugt als Kriminalpsychologin Hannah Schwarz, eine Rolle, die sie in drei weiteren TV-Thrillern ("Solo für Schwarz - Tod im See", "Solo für Schwarz - Der Tod kommt zurück", "Solo für Schwarz - Tödliche Blicke") verkörpern sollte.

Foto: ZDF/Stephan Persch Selbst nach der schockierenden Brust-Krebsdiagnose im Jahr 2005, die ihr Leben von Grund auf veränderte, stand Barbara Rudnik weiter vor der Kamera. In dem 2005 abgedrehten Nachkriegsdrama "Drei Schwestern Made in Germany" gibt sie eine der drei Töchter des Frauenburger Bürgermeisters, die auf eine Hochzeit mit dem amerikanischen Standortkommandanten hofft. "Die Mandantin" (2005) ist der Name des Psychothrillers, in dem die verstorbene Schauspielerin eine an Multiple Sklerose erkrankte Anwältin verkörpert. Auch persönlich eine Herausforderung. Rudnik, die ihre Krebserkrankung bis zum April 2008 vor der Öffentlichkeit geheim hielt, musste sich nun auch beruflich mit dem möglichen Tod auseinander setzen.

Dennoch drehte sie weiter. Der Thriller "Der fremde Gast" (2006), einmal mehr unter der Regie von Marcus O. Rosenmüller, zeigte sie an der Seite von Dominic Raacke, und fünf Folgen lang gab sie in der Thriller-Reihe "Commissario Laurenti" die Ehefrau des Ermittlers alias Henry Hübchen. 2007 schließen sahen die Kinozuschauer sie neben Til Schweiger in "Keinohrhasen" - ihre letzte Kinorolle. Eine Folge der ARD-Krimireihe "Commissario Laurenti - Totentanz" folgte 2009 und ist zugleich einer von Barbara Rudniks letzten Fernsehauftritten. Bei den Dreharbeiten trug sie eine blonde Perücke, um die Zeichen der tödlichen Krankheit zu verbergen.

Seit ihrer Brustkrebs-Diagnose kämpfte die Schauspielerin bis zu ihrem viel zu frühen Tod gegen die Krankheit, zu der sie sich im April 2008 in einem Interview der Zeitschrift "Bunte" öffentlich bekannt hatte. Sie wolle sich nicht länger verstecken und mit ihrem Bekenntnis anderen Menschen Mut machen, erklärte sie einmal. Leider hat sie diesen letzten großen Kampf verloren.

Weitere Filme mit Barbara Rudnik: "Kein Alibi für eine Leiche" (1986), "Camillo Castiglioni oder Die Moral der Haifische", "Original oder Fälschung" (1989), "Für immer jung", "Rotwang muss weg!" (1994), "Das stille Haus", "Der Räuber mit der sanften Hand", "Tatort - Eine todsichere Falle", "Flammen der Liebe" (alle 1995), "Crashkids" (1996), "Der Parkhausmörder" (1996), "8cht" (1997), "Der Schutzengel", "Tatort - Die Kommissarin - Gefährliche Übertragung", "Ferkel Fritz", "Im Atem der Berge - Ein Jahr zwischen Himmel und Hölle", "Tatort - Liebe, Sex, Tod" (alle 1997), "Das Biest im Bodensee", "Sturmzeit", "Solo für Klarinette" (beide 1998), "Doppeltes Dreieck" (1999), "Mädchenhandel - Das schmutzige Geschäft mit der Lust", "Schnee in der Neujahrsnacht" (alle 1999), "Das Geheimnis - Auf der Spur des Mörders", "Nicht heulen, Husky", "Küss mich, Tiger!" (alle 2000), "Ghettokids", "Polizeiruf 110 - Grauzone", "Tatort - Und dahinter liegt New York", "Verdammte Gefühle" (alle 2001), "Tödliches Vertrauen", "Polizeiruf 110 - Abseitsfalle", "Liebling, bring die Hühner ins Bett" (alle 2002), "Der Bulle von Tölz - Der Tölzi", "Tatort - Odins Rache", "Sehnsucht nach Liebe", "Oktoberfest" (alle 2004), "Die Leibwächterin", "Zwei Wochen für uns" (beide 2005), "Commissario Laurenti - Die Toten vom Karst", "Commissario Laurenti - Gib jedem seinen eigenen Tod", "Der fremde Gast" (alle 2006), "Commissario Laurenti - Tod auf der Warteliste", "Keinohrhasen" (beide 2007), "Commissario Laurenti - Der Tod wirft lange Schatten" (2008), "Der Stinkstiefel" (2009), "Lüg weiter, Liebling", "Mörder auf Amrum" (beide 2010).

Filme mit Barbara Rudnik
1984
Treffer
Milieustudie
1986
Kein Alibi für eine Leiche
Kriminalfilm
1988
Camillo Castiglioni oder Die Moral der Haifische
Gesellschaftsporträt
1991
Die Liebe zwischen Susanne (Renan Demirkan) und
Tomy (August Zirner) scheint nicht erloschen zu sein
Für immer jung
Gesellschaftsdrama
1992
Rotlicht
Kriminalfilm
1994
Rotwang muss weg!
Politsatire
1995
Der Räuber mit der sanften Hand
Kriminalfilm
1995
Der Sandmann
Psychothriller
1995
Tatort
Krimi
1996
Hoffentlich ist Nik nicht gegen einen Baum 
gecrasht! Isabell Gerschke als Laura 
Crashkids
Roadmovie
1996
Der Parkhausmörder
Thriller
1997
Ich bin doch nur ein armer Professor! Heiner 
Lauterbach
Der Campus
Komödie
1997
Ferkel Fritz
Komödie
1997
Der Detektiv und sein "Stolperstein" in einen 
höchst vertrackten Fall: Leonard Lansink und Marie 
Zielcke

 
In alter Freundschaft
Kriminalfilm
1997
Tatort
Krimi
1997
Tatort
Krimi
1998
Schon wieder ein Mord und Barbara Rudnik am Ort 
des Geschehens 
Gefährliche Wahrheit
TV-Krimi
1998
Solo für Klarinette
Thriller
1998
Ich scheine etwas falsch gemacht zu haben! Ben Becker (mit Jeanette Hain) nachdenklich
Sturmzeit
Literaturverfilmung
1999
Diesen Mann bildest du dir nur ein! Helmut Berger 
und Barbara Rudnik
Doppeltes Dreieck
Thriller
1999
Ich hole dich hier raus! Barbara Rudnik als
Kriminalpsychologin Ingrid Berger
Mädchenhandel - Das schmutzige Geschäft mit der Lust
Thriller
1999
Musstest du jetzt auch noch Krebs kriegen? Klaus J. Behrendt und Ute Willing
Mein Leben gehört mir
Beziehungsdrama
1999
Schnee in der Neujahrsnacht
Tragikomödie
2000
Das Geheimnis - Auf der Spur des Mörders
Thriller
2000
Komm, süßer Tod
Komödie
2000
Wenn wir nicht tolle Männer sind! Peter Sattmann, 
Dominique Horwitz und Uwe Ochsenknecht (v.l.)
Küss mich, Tiger!
Komödie
2000
Nicht heulen, Husky
Liebesdrama
2001
Alles wird gut! Urjeton Osmani und Ioannis Tsialas 
(v.l.)
Ghettokids
Sozialdrama
2001
Polizeiruf 110
Krimi
2001
Tatort
Krimi
2001
Wieder verliebt: Barbara Rudnick als Jette
Verdammte Gefühle
Liebesdrama
2002
Im Schatten der Macht
Politdrama
2002
Neu in Krummenwalde! Barbara Rudnik als Mutter Beate
Liebling, bring die Hühner ins Bett
Komödie
2002
Ermittlungen im Stadion: Reeding (Dennenesch
Zoudé, M.) und Dreyer (Barbara Rudnik)
Polizeiruf 110
Krimi
2002
Tödliches Vertrauen
Thriller
2003
Das war mein Lieblings-Teddy! Barbara Rudnik
Tod im Park
Thriller
2004
Wo ist denn die Leiche? Ottfried Fischer (M.) ermittelt
Der Bulle von Tölz
Krimi
2004
Barbara Rudnik scheint sich in Sitchet Louis verguckt zu haben
Oktoberfest
Drama
2004
Sehnsucht nach Liebe
Liebesfilm
2004
Der Typ ist nicht astrein... Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär ermitteln
Tatort
Krimi
2005
Die Leibwächterin
Politthriller
2005
Betrügt mich der Bastard? Barbara Rudnik mit
Film-Ehemann August Zirner
Die Mandantin
Psychothriller
2005
Wen wird er nehmen? Marvie Hörbiger, Barbara
Rudnik und Karoline Eichhorn sind gespannt
Drei Schwestern Made in Germany
Nachkriegsdrama
2005
Wer tut bloß so etwas? Barbara Rudnik (Foto mit
Harald Schrott) ist ratlos
Solo für Schwarz
Thriller
2005
Zwei Wochen für uns
Ehekomödie
2006
Ermitteln in Triest: Henry Hübchen und Carolina Vera
Commissario Laurenti
Kriminalfilm
2006
Hier schau doch! Filmtochter Sophia Thomalla hilft
Henry Hübchen
Commissario Laurenti
Kriminalfilm
2006
Was will der hier? Barbara Rudnik und Dominik Raacke
Der fremde Gast
Thriller
2006
Ich passe schon auf dich auf, Kleiner! Barbara
Rudnik und Franz Kroß
Solo für Schwarz
Thriller
2007
Komische Geschichte! Henry Hübchen als Commissario
Laurenti
Commissario Laurenti
Kriminalfilm
2007
Keinohrhasen
Komödie
2007
Ich werde den Täter schon finden! Barbara Rudnik
als Hannah Schwarz
Solo für Schwarz
Thriller
2008
Halt, oder ich schieße! Gangsterbraut Branka (Inga
Busch) hat das Straßenkind Irina (Luise Berndt) in
ihrer Gewalt
Commissario Laurenti
Thriller
2009
Der Stinkstiefel
Komödie
2010
Lüg weiter, Liebling
Komödie
2010
Jetzt muss ich auch noch die Russin beschützen!
Hinnerk Schönemann mit Irina Potapenko
Mörder auf Amrum
Thriller

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