Morticia Gomez (links) fühlt ihrer Tochter Wednesday auf den Zahn.
Sie ist zurück! Die aus Cartoons, Film und Fernsehen bekannte Addams Family taucht nun in einer Animationskomödie auf.

Die Addams Family

KINOSTART: 24.10.2019 • Animation • USA (2019) • 88 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
The Addams Family
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
Cinesite Animation, Nitrogen Studios Canada, Bron Studios, Metro-Goldwyn-Mayer, Creative Wealth Media Finance, The Jackal Group
Budget
40.000.000 USD
Einspielergebnis
204.394.183 USD
Laufzeit
88 Minuten
Regie
Conrad Vernon, Greg Tiernan
Music
Jeff Danna, Mychael Danna

Filmkritik

Verkehrte Welt
von Christopher Diekhaus

Im Jahr 1938 machten die amerikanischen Leser erstmals Bekanntschaft mit einer Familie, die so ganz anders war als sie selbst: Für Cartoons, die im "New Yorker" erschienen, erschuf Charles Addams eine eigenwillige, dem Morbiden zugewandte Sippe, mit der er das Bild der perfekten Familie persiflieren wollte – "Die Addams Family". Mitte der 60er-Jahre verfilmte das US-Fernsehen erstmals die Abenteuer von Morticia, Gomez und Co., in den 90-ern folgten zwei Spielfilme. Nun kehrt die kultige Familie zurück – als Animationsfilm.

Greg Tiernan und Conrad Vernon, die zuletzt zusammen den derben Trickspaß "Sausage Party - Es geht um die Wurst" (2016) inszenierten, orientieren sich visuell an den Cartoon-Wurzeln der "Addams Family". Ihr Film will nicht fotorealistisch sein, sondern kommt optisch spürbar gröber daher und erinnert gar an den deutschen Expressionismus, der einst frühe Horrorfilme wie "Das Cabinet des Dr. Caligari" beeinflusste. Immer wieder sieht man das Geschehen aus ungewöhnlichen, verkanteten Perspektiven, die den windschiefen Charakter des Hauptschauplatzes betonen.

Dieser zentrale Handlungsort ist ein altes Gemäuer, das zum neuen Zuhause der frisch vermählten Morticia und Gomez Addams wird, nachdem diese bei ihrer Hochzeit vor einem wütenden Mob flüchten mussten. Ihre Umwelt, so hat es den Anschein, kann mit ihrem exzentrischen Wesen nicht viel anfangen. Überall sind sie als Freaks verschrien. Und so beschließen die beiden, fortan ein komplett isoliertes Leben zu führen. Gemeinsam mit ihrem unterwegs aufgegabelten neuen Butler Lurch und ihrem treuen Begleiter, dem eiskalten Händchen, beziehen sie eine verlassene Irrenanstalt, deren gruselige Note ganz nach ihrem Geschmack ist.

Wo ist der Esprit?

13 Jahre später erfreuen sich Morticia und Gomez noch immer an ihrem schaurigen Heim, geraten aber plötzlich an mehreren Fronten ins Schwitzen. Sohnemann Pugsley steht kurz vor seiner Säbel-Mazurka, einem wichtigen Familienritus; Tochter Wednesday interessiert sich zunehmend für das, was außerhalb der Mauern ihres Anwesens vor sich geht. Und noch dazu bekommt es der skurrile Clan mit der windigen Reality-TV-Moderatorin Margaux Needler zu tun, die in der Nähe eine Planstadt hochziehen lässt. Das in die Jahre gekommene, gespenstische Haus der Addams passt da natürlich überhaupt nicht in Bild.

"Die Addams Family" hat zweifelsohne eine löbliche Botschaft, will den Wert von Individualität herausstreichen und hebt hervor, dass merkwürdige Eigenarten keineswegs verwerflich sind. Schade ist allerdings, dass diese Einsichten in eine erschreckend uninspirierte, holzschnittartige Geschichte gepackt werden. Dicke Pinselstriche bestimmen die Gegensätze zwischen der Addams-Welt und Margaux Needlers bunter Retortensiedlung mit dem plakativen Namen "Assimilation".

Vor allem in der zweiten Hälfte klappert das Drehbuch eher lieblos die vorhersehbaren Konflikte ab. Und staunen darf man darüber, wie sich im arg beliebig anmutenden Finale alle Zwistigkeiten in Wohlgefallen auflösen. Von den Figuren, die eigentlich viel schrägen Charme versprühen sollten, bleibt fast nur Tochter Wednesday länger in Erinnerung. Ihre seltsame Ausdrucksweise, ihre Melancholie und ihre Sehnsucht nach einem Ausbruch aus dem Familiendasein ergeben ein halbwegs reizvolles Charakterbild.

Zu den Besonderheiten des Animationsstreifens gehört sein makabrer Humor, der sicherlich für kleine Kinder wenig zugänglich ist. Komik bezieht der Film in erster Linie aus der verkehrten Welt, die er entwirft. Dinge, die für gewöhnlich angsteinflößend und negativ sind, sind im Addams-Kosmos rundum erstrebenswert. Doch auch diese Gags nutzen sich mit der Zeit ein wenig ab. Vielleicht gelingt es in der nach dem erfolgreichen US-Start bereits angekündigten Fortsetzung ja, die Pointen etwas zu variieren, die im Kern spannenden Protagonisten stärker auszuarbeiten und sie in eine angemessen verrückte Handlung zu stecken. Verdient hätten sie es allemal.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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