Als sie über einen aus dem Labor geflüchteten Yeti stolpert, beginnt für die in sich gekehrte Yi ein großes Abenteuer. Der neue Film aus dem Hause DreamWorks punktet mit sympathischen Figuren, reicht an die besten Arbeiten der Animationsschmiede aber nicht heran.

Nach dem Ende der vielgelobten "Drachenzähmen leicht gemacht"-Reihe, das im Februar 2019 in den deutschen Kinos zu bestaunen war, kommt nun die nächste Arbeit der preisgekrönten Produktionsfirma DreamWorks Animation auf die Leinwände. "Everest – Ein Yeti will hoch hinaus" entstand in Kooperation mit dem in China beheimateten Pearl Studio, einem Unternehmen, das einst als Oriental DreamWorks für amerikanisch-asiatische Gemeinschaftsprojekte gegründet wurde.

Menschlicher Dreh- und Angelpunkt des Films ist die Teenagerin Yi (deutsche Stimme: Nilam Farooq), die sich nach dem Tod ihres Vaters von ihrer Umwelt abgeschottet hat. Ihre Mutter (Nana Spier) und ihre Oma (Marianne Groß) machen sich große Sorgen, da Yi meistens eigene Wege geht und am Familienleben nur noch selten teilnimmt. Dass sie mit vielen unterschiedlichen Aushilfsarbeiten Geld für eine Reise sammelt, ahnen die beiden freilich nicht. Am liebsten zieht sich die Einzelgängerin in ein gemütliches Versteck auf dem Dach ihres Wohnhauses zurück, wo sie eines Tages einem großen, flauschigen Yeti begegnet, der aus einem geheimen Forschungslabor ausgebrochen ist.

Nach einer kurzen Abtastphase tauft Yi das ursprünglich aus dem Himalaya stammende Wesen auf den Namen Everest und beschließt, den Yeti zu seiner Familie zurückzubringen. Den Trip quer durch China tritt sie allerdings nicht allein mit dem weißen Wollknäuel an. Zur Seite stehen ihr auch der stark auf sein Aussehen bedachte Jin (Julien Bam), ein Freund aus Kindertagen, und dessen verspielter Cousin Peng (Moritz Hübscher). Unterwegs muss sich das Quartett vor den Handlangern des zwielichtigen Abenteurers Mr. Burnish (Bodo Wolf) in Acht nehmen, aus dessen Einrichtung Everest geflohen ist.

Das größte Pfund, mit dem der Animationsspaß wuchern kann, sind zweifelsohne seine recht charmant gezeichneten Figuren. Schön ist nicht nur, dass mit Yi ein Mädchen im Zentrum der Geschichte steht, sondern noch dazu eine Jugendliche, die ihren eigenen Kopf hat, sich unkonventionell gibt und durchsetzungsfähig auftritt. Ihr emotionaler Konflikt – die Trauer über den Verlust des Vaters – wirkt zwar etwas formelhaft, gibt ihr aber dennoch eine spannende verletzliche Seite. Everest, der nicht sprechen kann, trägt eine kindliche Neugier in sich und überrascht seine Helfer mit magischen Fähigkeiten, die im Finale eine bedeutende Rolle spielen. Den Nebencharakteren schenkt das Drehbuch weniger Aufmerksamkeit, gewährt einigen von ihnen allerdings eine Entwicklung, die man nicht unbedingt kommen sieht.

Obwohl man Yi und ihren Begleitern die Daumen drückt, fehlt der Handlung der besondere Pfiff. Mitunter klappert der Film seine Stationen etwas uninspiriert ab. Und besonders gegen Ende erlaubt er sich einige überhastete Schritte. Die Tiefe und den Facettenreichtum des kürzlich gestarteten Pixar-Streifens "A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando" erreicht "Everest – Ein Yeti will hoch hinaus" daher nicht. Auch die erzählerische Qualität manch anderer DreamWorks-Arbeit – man denke etwa an den ersten Teil der "Drachenzähmen leicht gemacht"-Trilogie – ist dann doch ein gutes Stück entfernt.

Zu einem Ärgernis verkommt das Ganze aber nicht. Immerhin haben Jill Culton ("Jagdfieber") und Koregisseur Todd Wilderman hübsch animierte Großstadt- und Landschaftsbilder sowie eine Reihe netter Gags im Gepäck, die besonders beim Kinderpublikum funktionieren dürften. Auch wenn der große Wurf dieses Mal ausbleibt – solide, kurzweilige Familienunterhaltung bietet das Yeti-Abenteuer allemal. Als positive Randnotiz sei übrigens erwähnt, dass für viele Sprechrollen in der englischen Originalfassung Darsteller mit asiatischen Wurzeln engagiert wurden. Dadurch tragen die Macher der Verortung ihrer Geschichte gebührend Rechnung.


Quelle: teleschau – der Mediendienst