Das Leben in Angola wird für Ryszard Kapuscinski immer bedrohlicher. Doch er macht weiter.
Aus Ryszard Kapuscinskis Buch "Another Day of Life" über Angola in den 70er-Jahren wurde ein Animationsfilm, der neue Wege geht.

Another Day Of Life

KINOSTART: 04.04.2019 • Animation • E / PL / B / D / H (2018) • 85 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Another Day Of Life
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
E / PL / B / D / H
Budget
5.000.000 USD
Einspielergebnis
134.801 USD
Laufzeit
85 Minuten
Music

Filmkritik

Im Angesicht des Krieges
Von Claudia Nitsche

Drei Monate reiste der polnische Reporter Ryszard Kapuscinski 1975 durch das kriegszerstörte Angola. Über seine Erlebnisse schrieb er später den Roman "Another Day of Life". Er erzählt von einer Zeit, in der ein Land wie Polen genau einen Auslandsreporter hatte – und das war Kapuscinski. Der brutale Bürgerkrieg und was er mit den Menschen gemacht hat, beeindruckte den viel gereisten Mann, der als einer der wichtigsten Journalisten des 20. Jahrhunderts gilt.

Raul de la Fuente und Damian Nenow machten aus Kapuscinskis Bericht einen Film im Stil einer Graphic Novel, vermischt mit realen Aufnahmen von Wegbegleitern des Journalisten. Ein neues künstlerisches Format. 200 Illustratoren und Zeichner haben an der animierten Doku gearbeitet. Dabei ging es den Regisseuren keineswegs darum, nur das Buch nachzuerzählen – einige der Handlungsstränge und Charaktere sind gar fiktiv. Andererseits sprachen sie mit Zeitzeugen, die direkt betroffen, also damals dabei waren. Nah an der Realität ist der Film auch, weil als Grundlage vorab gedrehte Filmsequenzen mit Schauspielern dienten.

Kaum zu glauben, dass die Filmemacher die betagten Zeitzeugen sogar an den Ort des Geschehens zurückbringen konnten. Sie fanden in Angola den Reporter Artur Queiroz und den im Buch oft erwähnten General Farrusco sowie die Schwester von Carlotta, konnten durch ihre Reise, die der von Kapuscinski glich, also mit denselben Leuten sprechen wie der Journalist 1975. Von der Hauptstadt Angolas aus tauchte dieser damals immer tiefer in die Machtkämpfe ein, und nach und nach – durch Menschen wie die Guerillera Carlotta und General Farrusco – bekamen der Krieg und das Land ein Gesicht. Es wurde für Kapuscinski schwieriger, sachlich zu bleiben, über die Ereignisse um sich herum zu berichten, weil er selbst Teil des Geschehens wurde.

Mit dabei: Die "echten" Männer

Leider bleibt der Charakter des Kriegsreporters in der filmischen Graphic Novel eine Blaupause. Besonders zu Beginn wirkt Ryszard Kapuscinski eitel und selbstverliebt. Wer nichts über den polnischen Auslandskorrespondenten weiß, wird beim Abspann überrascht sein, wie empathisch der Mann beschrieben wird. Der eigentlich zutiefst menschliche Autor wird als draufgängerischer Haudegen präsentiert, der gerne dorthin gebracht werden möchte, wo es knallt. Leichen pflastern seinen Weg, und die vorherrschende Farbe ist – wann immer der Staub sich legt – Rot.

Das gequälte Angola hat seinen eigenen Begriff gefunden für den Zustand, in dem es sich damals befand: "Confusao" ist ein Synthesewort, eine Bezeichnung für die Verwirrung, das Durcheinander, den Zustand der Anarchie. Das Schlimme war, dass eigentlich keiner die Kontrolle hatte, und daher war "Confusao" nicht mit Eifer beizukommen, sondern nur mit äußerster Vorsicht und Geduld und schon gar nicht von heute auf morgen. Solch subtile Beobachtungen finden wenig Platz in "Another Day Of Life". Dafür bleibt der Genremix aus Animationsfilm und Dokumaterial zu oberflächlich. Hier und da ein wenig Tiefe, optisch und inhaltlich, hätten sowohl das Land als auch der Autor verdient gehabt.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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