Annabelle hat ihr Glasgefängnis verlassen und sorgt im Haus der Warrens für gesteigerte Panik.
Mit dem Puppenhorrorfilm "Annabelle 3" kommt der siebte Teil des "Conjuring"-Erzähluniversums ins Kino.

Annabelle 3

KINOSTART: 04.07.2019 • Horror • USA (2019) • 106 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Annabelle Comes Home
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
Atomic Monster, The Safran Company, New Line Cinema
Budget
30.000.000 USD
Einspielergebnis
231.252.591 USD
Laufzeit
106 Minuten
Regie
Gary Dauberman
Music
Joseph Bishara
Kamera
Justin M. Lubin, Michael Burgess

Filmkritik

Annabelle lässt die Puppen tanzen
von Christopher Diekhaus

Im dritten Film über die unheimliche Puppe Annabelle kommt es im Haus des Geisterjäger-Ehepaares Warren zu grausigen Ereignissen. Bis der Schrecken um sich greift, lässt sich der Horrorstreifen allerdings Zeit.

Eindringliches Schauerkino oder anspruchslose Gelddruckmaschine? Im Fall des "Conjuring"-Erzähluniversums, das im April 2019 mit "Lloronas Fluch" auf sechs Teile anwuchs, tendiert man inzwischen eher zu Letzterem. Konnten der Reihenstart "Conjuring – Die Heimsuchung" (2013) und dessen Fortsetzung "Conjuring 2" (2016) weitgehend überzeugen, schlichen sich in viele der anderen zum Franchise gehörenden Werke öde Routinen und billige Schocktaktiken ein. "Annabelle 3" ist nicht nur der dritte Film über die titelgebende Horrorpuppe, sondern zugleich das siebte Kapitel im "Conjuring"-Kosmos – und bringt unter dem Strich nicht die Wende zum Besseren.

Auf dem Regiestuhl nahm erstmals Gary Dauberman Platz, der Kennern der Reihe bereits als Drehbuchautor der beiden vorangegangenen "Annabelle"-Streifen und des Klostergruslers "The Nun" ein Begriff sein dürfte. Die von ihm verfasste Geschichte beginnt mit den Geisterjägern Lorraine (Vera Farmiga) und Ed Warren (Patrick Wilson), deren schauerliche Fälle in "Conjuring – Die Heimsuchung" und "Conjuring 2" im Mittelpunkt standen. Als die Eheleute im Prolog des neuen Films in den Besitz der dämonischen Annabelle gelangen, sperren sie die gefährliche Puppe in ihrem Aufbewahrungsraum in eine geweihte Glasvitrine. Das Böse ist damit zunächst gebannt.

Anfang der 70er-Jahre begrüßen Lorraine und Ed in ihrem Haus die zuverlässige Mary Ellen (Madison Iseman), die für eine Nacht auf ihre Tochter Judy (Mckenna Grace) aufpassen soll. Über den unangekündigten Besuch ihrer Freundin Daniela (Katie Sarife) zeigt sich die Babysitterin wenig begeistert, gewährt ihr aber dennoch Zutritt zum Anwesen der Warrens. Während Mary Ellen und Judy draußen spielen, verschafft sich die neugierige Daniela trotz eines dicken Verbotsschilds Zutritt zu dem Zimmer, in dem die Eigentümer ihre verfluchten Sammlerstücke beherbergen. Auf ihrem Rundgang befreit sie Annabelle aus ihrem Glaskasten.

Anfangs könnte man fast meinen, Lorraine und Ed kämen tragende Rollen zu. Tatsächlich tauchen die Dämonologen allerdings nur im ersten Akt und ganz am Ende auf. Mit Mary Ellens Dienstantritt fallen die Warrens aus der Handlung heraus. Das Geschehen konzentriert sich von nun an auf die Erlebnisse, die der Babysitterin, Judy und Daniela widerfahren. Dank ordentlicher Schauspielleistungen lässt sich eine Bindung zu den Figuren aufbauen. Besonders tief geht sie jedoch nicht, da das Skript lediglich mit alibimäßigen Charakter-Versatzstücken hantiert. Judys Außenseiterdasein und Danielas Schuldgefühle nach dem Tod ihres Vaters hätten den Betrachter packen und berühren können. Dauberman belässt es allerdings bei oberflächlichen Einwürfen.

Ähnlich wie der zweite "Annabelle"-Film fällt auch dieser Puppenhorror glücklicherweise nicht mit der Tür ins Haus. Statt eine marktschreierische Geisterbahnfahrt loszutreten, bemüht sich der Film rund eine Stunde lang um den Aufbau einer schleichend-unbequemen Gruselatmosphäre. Ab und an bringt Regisseur Dauberman dabei gelungene Passagen in den Kasten. Ein wohliges Schaudern ruft etwa Danielas Streifzug durch den Sammlerraum hervor. Ein weiterer Pluspunkt ist zweifelsohne die verspielte, detailverliebte Retroausstattung, die ein kräftiges 70er-Jahre-Gefühl verströmt.

Das hübsche Szenenbild und die schmucken Impressionen entschädigen aber nur bedingt für das hysterische Gepolter, das nach und nach die Oberhand gewinnt. Ärgerlich sind nicht nur die leicht durchschaubaren, im Minutentakt auf den Betrachter einprasselnden Buh-Effekte. Der Spuk verliert auch deshalb an Unterhaltungswert, weil die finstere Puppe immer mehr aus dem Fokus gerät. Da Annabelle andere Geister wecken kann, geben sich plötzlich diverse Spukgestalten aus dem Warren-Keller die Ehre. Soll heißen: Irgendwann regiert pure Beliebigkeit. Rückblickend hat es den Anschein, als wollten die Macher durch die Einführung neuer Angstfiguren weitere Reihenableger vorbereiten. So viel zum Thema Gelddruckmaschine.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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