Abgesehen von Sofia Boutella treten hauptsächlich echte Tanzprofis an.
Skandalregisseur Gaspar Noé entführt mit "Climax" auf einen drogengeschwängerten Höllentrip

Climax

KINOSTART: 06.12.2018 • Thriller • F (2018) • 93 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Climax
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
F
Filmstudio
Rectangle Productions, Wild Bunch, Les Cinémas de la Zone, Eskwad, KNM, Vice Studios, ARTE France Cinéma, Artémis Productions, VOO & Be tv, Shelter Prod
Budget
3.000.000 USD
Einspielergebnis
1.088.907 USD
Laufzeit
93 Minuten
Regie
Gaspar Noé
Music
Thomas Bangalter
Kamera
Benoît Debie

Filmkritik

Keine Macht den Drogen!
von Christopher Diekhaus

Skandalregisseur Gaspar Noé entführt den Zuschauer einmal mehr auf einen audiovisuell markanten Film-Trip, der allerdings zwischen rauschhaft und ermüdend pendelt.

Wer im Kino nicht herausgefordert oder vor den Kopf gestoßen werden will, sollte tunlichst einen Bogen um die Werke des Bilderstürmers Gaspar Noé machen. Spätestens mit dem provokanten Vergewaltigungsdrama "Irreversibel" erwarb sich der gebürtige Argentinier den Ruf eines Skandalregisseurs, der auf der Leinwand mit großer Freude Grenzen überschreitet. Nach seinem von der Kritik eher verhalten aufgenommenen 3D-Sexdrama "Love" meldet sich der Unruhestifter nun mit einem Tanzfilm zurück, aus dem etwa zur Hälfte ein drogengeschwängerter Höllentrip wird.

Dass "Climax" von einem eigenwilligen kreativen Kopf entwickelt wurde, zeigt schon der unkonventionelle Einstieg. An den Anfang stellt Noé das Ende – Aufnahmen einer blutenden Frau, die durch den Schnee kriecht – es folgt der die Abspanntitel. Gängige Sehgewohnheiten werden gezielt torpediert, was umgehend eine irritierende Stimmung erzeugt. Im Anschluss nähert sich der Film seinen Protagonisten durch Videointerviews an und lässt die jungen Tänzerinnen und Tänzer in starren Einstellungen fast zehn Minuten lang über die Bedeutung ihrer Profession und ihre größten Ängste reden. Zur Sprache kommt in mehreren Passagen auch die Frage, ob man wirklich zu allem bereit sei.

Nur wenig später begegnet der Zuschauer den Interviewten, die zu einer bald auf Tournee gehenden Tanzgruppe gehören, in einem abgelegenen Übungszentrum wieder. Nach harten Proben soll der letzte Abend mit einer fröhlichen Abschlussparty ausklingen. Doch dann kommt alles anders. Im Laufe des munteren Beisammenseins wird den Anwesenden plötzlich klar, dass irgendjemand die Sangria mit einem Rauschmittel, höchstwahrscheinlich LSD, versetzt hat. Unterschwellige Aggressionen und versteckte Sehnsüchte brechen daraufhin immer drastischer hervor.

Ähnlich wie in Luca Guadagninos Klassiker-Neuinterpretation "Suspiria" entfalten vor allem die ausgeklügelten, pulsierenden Tanz-Choreografien eine enorme Wucht. Schon die rund fünfminütige Performance vor Beginn der Feierlichkeiten fällt derart kraftvoll und vibrierend aus, dass man gänzlich mitgerissen wird. Die Bewegungen und das Zusammenspiel der Körper erzählen eine aufregende Geschichte, die dann jedoch von einem etwas ermüdenden Party-Smalltalk abgelöst wird. Zu ausführlich widmet sich der Regisseur im Folgenden den abstoßenden, frauenfeindlichen Sex-Fantasien zweier Teilnehmer. Und ein wenig zu offensichtlich bereitet der Film einige der späteren Eskalationen vor.

Mit Einsetzen des Drogentaumels gerät die sehr agile, häufig in langen Plansequenzen umherschwebende Kamera zunehmend aus dem Gleichgewicht. Ohne Rücksicht auf Verluste überträgt Noé die Rauscherfahrung auf die Bilder, die immer wackeliger und instabiler werden und sogar mehrfach auf dem Kopf stehen. Flackernde Lichter, schummrige Gänge, Gewalteruptionen, die treibende elektronische Musikuntermalung und das panische Geschrei der aufgeputschten Partygäste tragen dazu bei, dass sich eine horrorartige Atmosphäre breitmacht.

Obwohl es diverse verstörende Momente gibt, erschüttern längst nicht alle Exzesse in gleichem Maße. Mehr als einmal schleicht sich trotz des fiebrigen Höllenabstiegs ein Gefühl der Monotonie ein. Überdies bleiben einem die nur skizzenhaft entworfenen Figuren – abgesehen von Sofia Boutella ("Hotel Artemis") treten fast nur echte Tanzprofis ohne größere Schauspielerfahrung auf – doch ein wenig fremd.

Mit eingeschobenen Texttafeln gaukelt "Climax" philosophischen Tiefgang vor. Und gelegentliche Hinweise auf das Erstarken nationalistischer Haltungen suggerieren politische Relevanz. Tatsächlich breitet der Regisseur aber nur wenige substanzielle Gedanken aus und begnügt sich weitestgehend damit, die These "Der Mensch ist ein Tier" auf knallige audiovisuelle Weise zu untermauern.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller
Sofia Boutella Romain Guillermic Souheila Yacoub Kiddy Smile Claude-Emmanuelle Gajan-Maull Giselle Palmer Taylor Kastle Thea Carla Schøtt Sharleen Temple Lea Vlamos Alaïa Alsafir Kendall Mugler Lakdhar Dridi Adrien Sissoko Mamadou Bathily Alou Sidibé Ashley Biscette Mounia Nassangar Tiphanie Au Sarah Belala Alexandre Moreau Naab  Strauss Serpent Vince Galliot Cumant

Neu im kino

Emil und die Detektive (2026)
Emil und die Detektive
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Eiserne Wildnis – Heart of the Beast (2026)
Eiserne Wildnis – Heart of the Beast
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise (2026)
Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Adams Acht (2026)
Adams Acht
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Coyote vs. ACME (2026)
Coyote vs. ACME
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern (2026)
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
Bad Apples (2026)
Bad Apples
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Oasis: Don't Look Back in Anger (2026)
Oasis: Don't Look Back in Anger
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Vaterland (2026)
Vaterland
Drama • 2026
prisma-Redaktion
That's Why the Lady Is A Champ (2025)
That's Why the Lady Is A Champ
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Das gewisse Etwas (2026)
Das gewisse Etwas
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Das Ende der Sterne (2026)
Das Ende der Sterne
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos (2026)
Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
One Night Only (2026)
One Night Only
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Marsupilami (2026)
Marsupilami
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Insidious: Out of the Further (2026)
Insidious: Out of the Further
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Spaziergang nach Syrakus (2026)
Spaziergang nach Syrakus
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Im Spiegel meiner Mutter (2026)
Im Spiegel meiner Mutter
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Steckerlfischfiasko (2026)
Steckerlfischfiasko
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
The End of Oak Street (2026)
The End of Oak Street
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
You, Me & Italy (2026)
You, Me & Italy
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
Paw Patrol: Der Dino Film (2026)
Paw Patrol: Der Dino Film
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Nightborn (2026)
Nightborn
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Spider-Man: Brand New Day (2026)
Spider-Man: Brand New Day
Science Fiction • 2026
Die Odyssee (2026)
Die Odyssee
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
So klingt das Leben (2025)
So klingt das Leben
Drama • 2025
prisma-Redaktion
Was haben wir gelacht (2026)
Was haben wir gelacht
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Vaiana (2026)
Vaiana
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Virginia Woolf's Night & Day (2026)
Virginia Woolf's Night & Day
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Etwas ganz Besonderes (2026)
Etwas ganz Besonderes
Drama • 2026
prisma-Redaktion