Der die Zeichen liest

KINOSTART: 19.01.2017 • Drama • Russische Föderation (2016)
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
(M)uchenik
Produktionsdatum
2016
Produktionsland
Russische Föderation

Der zurückhaltende Schüler Benjamin (Petr Skvortsov) hat sich bisher nicht in den Vordergrund gedrängt, doch seit er zu Christentum konvertiert ist, verhält er sich anders. So will er zum Beispiel nicht am Schulunterricht teilnehmen, da er sich durch den Anblick seiner leicht bekleideten Mitschülerinnen in seinen religiösen Gefühlen verletzt sieht.

Doch es bleibt nicht bei solch vermeintlich harmlosen Aktionen. Schon bald merkt Benjamin, dass er jede seiner Taten mit der Bibel belegen kann, und so nehmen seine Aktionen immer groteskere und extremere Züge an. Er rebelliert, und niemand bekommt ihn unter Kontrolle.

So erreicht er, dass Kondome aus dem Biounterricht verschwinden und Mädchen nur noch im Badeanzug zum Schwimmunterricht erscheinen. Nur Biologielehrerin Elena (Victoria Isakova) stellt sich gegen ihn.

Fundamentalismus statt Pubertät

Der Film des russischen Regisseurs Kirill Serebrennikov, der auf dem deutschen Theaterstück "Märtyrer" basiert, schildert eindrucksvoll den Wandel eines Jugendlichen, dessen Weltbild sich verändert hat. Statt gegen die Eltern zu rebellieren und lange zu feiern, driftet er auf eine fundamentalistische Schiene ab.

Dabei gelingt es dem Drama dank immer wieder eingeblendeter Bibelzitate, zu zeigen, dass es auch im Christentum radikale Ansichten gibt. Dadurch wirkt Benjamins Argumentation beängstigend real, auch wenn sie zum Ende hin nahezu unrealistische Ausmaße annimmt, als sich seine Wut auf alle Andersdenkenden in übertriebene Gewalt umwandelt. 

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