Das wird schon mit der Freundschaft: Der obercoole Lenny (Elyas M'Barek) schultert nicht nur den todkranken Teenager David (Philip Noah Schwarz), sondern kümmert sich auch um dessen Glück.
Elyas M'Barek kümmert sich als Partyproll um "Dieses bescheuerte Herz" eines todkranken Teenagers.

Dieses bescheuerte Herz

KINOSTART: 21.12.2017 • Drama • D (2017) • 106 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Dieses bescheuerte Herz
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Laufzeit
106 Minuten

Filmkritik

Alle werden glücklich
Von Andreas Fischer

Ein schnöseliger Partytyp hilft einem herzkranken Jungen dabei, sich seine letzten Wünsche zu erfüllen: Der eine wird ein besserer Mensch, der andere glücklich. Ach wie schön, dass "Fack Ju Göhte"-Star Elyas M'Barek dem Kino kurz vor Weihnachten ein paar besinnliche Momente beschert, obwohl "Dieses bescheuerte Herz" wenig originell auf der Klaviatur des Wohlfühlkinos rumklimpert.

Da landet der Sportflitzer nach ein paar Filmminuten im Pool. Und Lenny (Elyas M'Barek)? Der torkelt ins väterliche Haus, legt sich hin und schläft seinen Partyrausch aus. Feiern und schlafen, das kann der Münchner Schickeria-Schnösel am besten. Aber das darf natürlich nicht so bleiben in Marc Rothemunds "Dieses bescheuerte Herz".

Also dreht Papa (Uwe Preuss) den Geldhahn zu, tauscht die Schlösser aus und krempelt das Leben seines missratenen Filius' mal so richtig um. Lenny soll sich fortan nämlich um den herzkranken Teenager David (Philip Noah Schwarz) kümmern: Der ist 15, ein schüchterner Bub mit einer überfürsorglichen Mutter (Nadine Wrietz), der aufgrund seiner Krankheit nicht wirklich viel weiß von dem, was andere als normales Leben kennen.

Jeder Tag könnte sein letzter sein, zusammen mit Lenny aber könnte er wenigstens noch all die coolen Dinge erledigen, die Teenager erledigen müssen. FC Bayern-Bettwäsche kaufen, Sportwagen fahren, ein Mädchen küssen. "Lust For Life" hat Iggy Pop das mal genannt. Aber so cool wird's dann doch nicht. Überhaupt nicht: Man schüttelt nach einer Viertelstunde einfach nur den Kopf.

Zu einem Feierbiest fiktionalisiert worden

Wer jetzt eine Läuterungskomödie erwartet, einen Film, der durch Klischees watet, der liegt nicht falsch. Zwar ist Marc Rothemunds Inszenierung relativ unaufgeregt, man kann sogar erahnen, um welche Themen es in der gleichnamigen autobiografischen Romanvorlage von Daniel Meyer und Lars Amend geht. Aber das Drehbuch von Maggie Peren ("Mädchen, Mädchen", "Napola – Elite für den Führer") und Andi Rogenhagen erzählt die Geschichte ihrer ungewöhnlichen Freundschaft viel zu sehr aus Lennys Sicht.

Der widerspenstige Hallodri sträubt sich nach Kräften gegen seine Zähmung und nimmt die ganze Sache ziemlich lässig auf die ohnehin leichte Schulter. Pointen sind das Ziel, und sie werden von Elyas M'Barek souverän abgeliefert. Abnehmen kann man ihm allerdings seine minutiös durchgeplante Läuterung nicht. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Lenny vom Drehbuch zu einem Feierbiest fiktionalisiert wurde, das zwangsweise auf den rechten Weg geführt werden muss. Lars Amend hingegen, sein Vorbild aus dem echten Leben, ist aus einer tiefen inneren Überzeugung Wünscheerfüller für den todkranken Daniel Meyer geworden.

Dass zum Schluss trotzdem alles gut wird, dass alle glücklich sind, mag im echten Leben harte Arbeit gewesen sein. Im Kino ist das vor allem die logische Folge eines konfektionierten Unterhaltungsfilms. Dass David cooler ist, seine Mutter entspannter, der Arzt lockerer und Lenny natürlich ein besserer Mensch, der sogar wieder studiert, ist keine Überraschung. Das aber wusste man schon, als man nach einer Viertelstunde mit dem Kopf schüttelte.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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