Wenigstens im Kino feiert das deutsche Schulsystem noch Erfolge: Nachdem die ersten beiden Teile der Pennäler-Komödie "Fack ju Göhte" (2013, 2015) zusammen über 15 Millionen Zuschauer in die Kinos lockten, vergingen wieder nur zwei Jahre, bis nun der nächste und letzte Film der schon jetzt zum Kult avancierten Filmreihe für Furore sorgen darf.

Die Zeit bis zum Kinostart wurde dabei so erträglich – und gewinnbringend – wie möglich gestaltet: Immerhin können Interessierte zum Beispiel die Klassenzimmer-Kulisse in der Bavaria Filmstadt in München bewundern. Zum "Final Fack" gibt es sogar eine App, mittels der Fans Sprüche der Protagonisten anhören können. Vielleicht nicht wirklich weiterführend, aber mit einem enormen Unterhaltungswert. – Und genau das ist eben auch das Erfolgsgeheimnis der Reihe. Mithilfe von pointierten Sprüchen, Überraschungseffekten und überspitzter Figurenzeichnung verhalfen schon die ersten beiden "Fack ju Göhte"-Filme jungen Schauspielern wie Jella Haase oder Max von der Groeben zu Bekanntheit. An der Seite von Elyas M'Barek wurden sie selbst zu Stars.

Abwasserfachmann und Altenpfleger

Nach einer abenteuerlichen Exkursion im zweiten "Fack ju Göhte"-Teil kehren die Macher nun wieder zum Ursprung in die Klassenräume zurück. Und dort warten im wahrsten Sinne des Wortes große Aufgaben: Chaos-Lehrer Zeki Müller (M'Barek) möchte, dass seine Problemschüler der Goethe-Gesamtschule auch noch das Abitur schaffen. Die sind aber nach einem Besuch im Berufsinformationszentrum mehr als unmotiviert. Ihre Berufsaussichten als Abwasserfachmann und Altenpfleger wecken wenig Begeisterung.

Aggressionen und Enttäuschung lassen sie natürlich an ihrem Klassenlehrer und nebenbei auch an der ganzen Schule aus. Ausgerechnet während eines Kontrollbesuchs des Ministeriums verteilen die Wassersprinkler rein zufällig gleichmäßig massenweise rote Farbe im gesamten Schulgebäude. Der Gesamtschule droht die Schließung. Das Einzige, was jetzt noch helfen könnte, ist eine spektakuläre Rettungsaktion ...

Absolut absurde Szenen

Die Messlatte für den dritten Teil war hoch. Vielleicht wirkt gerade deshalb das Auf und Ab aus Motivation und Eskalation auf Dauer eher anstrengend. Wer sich allerdings auf absolut absurde Szenen und Witz unter der Gürtellinie gefreut hat, der wird auch diesmal nicht enttäuscht. Den Film beherrscht weiterhin das "Alles ist möglich"-Gefühl, und zwar nicht nur in Hinsicht des Abiturs für die Problemschüler, sondern auch filmisch: Kein Streich ist zu absurd, kein Einfall zu groß, um ihn nicht umzusetzen.

Trotzdem schleicht sich zwischendurch das Gefühl beim Zuschauer ein, dass einfach zu viele Ideen im "Final Fack" Platz finden sollten. Eine Menge Handlungsstränge folgen in rasantem Tempo aufeinander. Zwischen Lehrprobe, Schulrettung, Abitur und zwei suizidgefährdeten Jugendlichen findet sich das Publikum kaum noch zurecht. Der Wille, auch eine Moral unterzubringen und das Thema Mobbing ernsthaft zu behandeln, ist aller Ehren wert. Doch scheitert der Einfall daran, dass eben auch dies nur eine Episode von vielen bleibt.

Der Abschluss stimmt den Zuschauer dann allerdings versöhnlich, denn hier werden alle Fragen beantwortet. Während Chantal (Jella Haase) am Anfang des Films noch den Berufswunsch "Influencer" formulierte und allerhand Fanastereien umgingen, finden sich die ehemaligen Problemschüler am Ende in Ausbildungen oder ernstzunehmenden Jobs wieder.

Sandra Hüller überzeugt

Sehr überzeugend schlägt sich vor allem die aus "Toni Erdmann" bekannte Sandra Hüller in ihrer Rolle als Lehrerin Biggi Enzberger. Sie ersetzt Lissi Schnabelstedt (Karoline Herfurth). Die Schöpfer der Komödie um Regisseur un Autor Bora Dagtekin verkniffen es sich glücklicherweise, eine Romanze zwischen Biggi und Zeki Müller zu erzählen. Dass Zeki eine ebenso durchgeknallte und in jeder Hinsicht ebenbürdige Lehrerfigur an die Seite gestellt wurde, erhöht die Tragkraft der Story enorm.

Bora Dagtekin ließ sich auch im letzten Teil seiner Erfolgsreihe wieder einiges einfallen, um die Besucher im Kino zu überraschen: Beispielsweise sind die Fußballstars David Alaba, Joshua Kimmich und Mats Hummels vom FC Bayern München mit von der Partie. Auch wenn sich Chantal danach fragt: "Wer war das?", löst der durchaus charmante Auftritt bei Kinobesuchern sicherlich Freude aus. Doch am Ende werden die Fans wohl ziemlich bedröppelt nach Hause gehen, denn einer weiteren Fortsetzung mit der Schul-Klasse erteilte der Regisseur bereits eine klare Absage: Es sei kein weiterer Teil geplant. "Eigentlich wollten wir nach dem zweiten Teil aufhören, aber weil der mit 7,6 Millionen Zuschauern noch erfolgreicher war als der erste Teil, sollen die Fans nun miterleben, wie alles zu einem richtigen Ende kommt - wer die Schule packt und wer endgültig im sozialen Aus landet", ließ sich der 38-jährige Filmemacher zitieren.

Quelle: teleschau – der Mediendienst