Jackie

KINOSTART: 26.01.2017 • Drama • USA (2016) • 100 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Jackie
Produktionsdatum
2016
Produktionsland
USA
Filmstudio
LD Entertainment, Protozoa Pictures, Fabula, Bliss Media
Budget
9.000.000 USD
Einspielergebnis
25.017.560 USD
Laufzeit
100 Minuten
Regie
Pablo Larraín
Music
Mica Levi
Kamera
Stéphanie Branchu, Stéphane Fontaine, William J. Gray
von Florian Blaschke

Hyannis Port, 1963. Auf dem Sommersitz der Familie Kennedy treffen sich, nur eine Woche nach der Ermordung des US-Präsidenten John F. Kennedy in Dallas, seine Witwe Jackie (Natalie Portman) und Charles Collingwood (Billy Crudup), ein Reporter des Time Magazines. Sie sitzen auf der Veranda und versuchen, jeder für sich, Revue passieren zu lassen, mehr noch: zu begreifen, was geschehen ist.

Müsste man eine Liste mit bedeutenden Ereignissen des 20. Jahrhunderts zusammenstellen, dieses Attentat auf den US-Präsidenten, es dürfte darin ganz sicher nicht fehlen. Und nicht erst einmal hat sich Hollywood dieser nicht nur für Amerika so prägenden Geschichte angenommen. Doch Regisseur Pablo Larrain (Post Mortem, No!) stürzt sich gerade nicht auf das Ereignis selbst oder den charismatischen Präsidenten. Er widmet sich der First Lady, der schilldernden, von vielen so bewunderten Jackie Kennedy.

Dieser Film, er ist der eindrucksvolle Beweis, wie sich mit unspektakulären Mitteln ein eindrückliches Werk erschaffen lässt. Ein Werk der kunstvollen Schnitte, der Glaubwürdigkeit in Szenen und Kostümen, und vor allem einer fast schon unheimlich präsenten, kraftvollen, bewegenden Natalie Portman. Jackie erzählt die Geschichte einer Frau, die nach dem Attentat auf ihren Mann fast ständig von Menschen umgeben, aber auf brutale Weise einsam ist, die alleine und im Stich gelassen wird.

Der Traum von Camelot

Jackie erzählt aber auch die privaten, die intimen Momente, die Gespräche hinter den Kulissen, die Planungen für die Beerdigung, die Jackie Kennedy zu einem Spektakel machte, er erzählt von einsamen Nächten in einem verlassenen Weißen Haus, vom Alkohol, von der Leere und den verzweifelten Versuchen, diese Leere zu füllen. Zum Beispiel mit diesem letzen Lied aus dem Musical Camelot, das John F. Kennedy und seine Frau oft gehört haben und in dem es heißt: "Lass nie in Vergessenheit geraten, dass für einen kurzen, glanzvollen Moment Camelot existierte." Doch dieses Camelot, dieser Traum, starb am 22. November 1963 auf den Straßen von Dallas.
 
Und der Film erzählt von einer Frau, zerrissen zwischen Trauer und Trotz, zwischen Selbstzweifeln und Eitelkeit, zwischen Verpflichtungen und Snobismus. Er schneidet intelligent zwischen Aufnahmen der CBS aus dem Weißen Haus von 1961, in denen eine unsicher und fast schon naiv wirkende Jackie Kennedy den Reporter Charles Collingwood durch die Räume führt, und eben jenem Gespräch zwischen der gerade zur Witwe gewordenen Frau und Theodore White hin und her, in dem sie aufgewühlt, aber stolz wirkt und mit dem sie versucht, die Geschichte nach ihrer Vorstellung schreiben zu lassen, nach ihren Idealen, in dem sie immer wieder Dinge sagt, die nie gedruckt wurden. Es ist die Erzählung einer Entwicklung, eine Art Film gewordener Bildungsroman, der die Entwicklung auslässt, die Bildung.

"Ich wollte nie berühmt sein. Ich bin bloß eine Kennedy geworden"

Und selbst in den tiefsten Momenten der Trauer wirkt es, als würde diese Jackie Kennedy die Aufmerksamkeit, die mit diesem tragischen Verkust verbunden ist, brauchen, sie sogar genießen, auch wenn sie irgendwann sagt: "Ich wollte nie berühmt sein. Ich bin bloß eine Kennedy geworden."

Einzig der Soundtrack, der zum Teil weniger musikalischer als klangmalerischer Art ist, nimmt in manchen Szenen penetrante Züge an und zerstört die ansonsten dichten Szenen und die intime Erzählweise, die den Figuren unglaublich nahe kommt – auch wenn sie einige der Konflikte in Jackie Kennedys Leben – mit der Familie, ihren Mann, dem Amt – komplett ausspart.

Insofern mag Jackie ein unspektakulärer Film sein, der selbst trotz der Starbesetzung zurückhaltend wirkt, aber das macht ihn nicht weniger intensiv. "Wenn der Mensch nach einem Sinn sucht, kommt die Zeit, wo er begreift, dass es keine Antworten gibt", sagt der Priester zu Jackie. Und nach dieser Erkenntnis funktioniert auch der Film. Er will keine Antworten geben, er will ein Portrait zeichnen – von einem Ereignis, einer Epoche, einer Idee, vor allem aber von einer Frau. Und das gelingt ihm, in seiner Art durchaus amerikanisch, eindrücklich, auch weil er, obwohl er keine Antworten liefern kann und will, eine Spur Hoffnung in sich trägt. Kein plumpes Happy End, aber einen Schimmer von eben jenem Camelot, das mit John F. Kennedy untergegangen ist.

Darsteller

Auf der Karriereleiter geht's aufwärts: Billy Crudup.  
Billy Crudup
Multitalent: Greta Gerwig
Greta Gerwig
Spielte oft leidende, kaputte Typen: John Hurt.
John Hurt
Schauspielerin Natalie Portman wurde am 9. Juni 1981 in Jerusalem geboren.
Natalie Portman
Peter Sarsgaard
Weitere Darsteller
Richard E. Grant Caspar Phillipson Beth Grant John Carroll Lynch Max Casella Sara Verhagen Hélène Kuhn Deborah Findlay Corey Johnson Aidan O'Hare Ralph Brown David Caves Penny Downie Georgie Glen Julie Judd Peter Hudson John Paval Bill Dunn Vivienne Vernes Craig Sechler Rebecca Compton Bryan Ashby David DeBoy Stéphane Höhn Serge Onteniente Sunnie Pelant Aiden Weinberg Brody Weinberg Roland Pidoux Emmanuel Herault William Beaux d'Albenas Nicolas Guigou David Friszman Chloé Berthier Eric Soubelet Gaspard Koenig Mathilde Ripley Barbara Foliot Albain Venzo Frédérique Adler Patrick Hamel Benjamin Loeh Jeff Moore Marla Aaron Wapner Nathan Ferguson Lindsay Dyan Epp Yann Bean Eric Supensky John Mitchell Alejandro Chamorro Dan Mendel Don Whatley Stephanie Cookie Carson Chaz Riddle Sarah Middlemiss Kahil Dotay Loretta Burnette George Kardulias Kayla Anderson Chrisdine King Grégoire Foessel Denise Basile Stephen L. Kolb Rick Burk Jay Bush II Robert E Thompson Dawn Lucajko Richard Allen Cramer Maya Nalli Ken Starcevic Ian McCleary Justin Schweiger Lee Harvey Oswald Matt C Ritter

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