Vatersuche und Brüderliebe: Pixar erzählt mit "Onward: Keine halben Sachen" eine klassische Heldenreise vor tragischem Hintergrund und lässt zwei nerdige Elfen den verlorenen Zauber ihrer Familie wiederfinden.

Ein bisschen Magie schadet nichts, aber deswegen muss man ja nicht gleich die Technologie verteufeln: "Onward – Keine halben Sachen" bedient sich einfach bei beiden Welten, verbindet die guten alten Zeiten mit dem Fortschritt. Damit trifft der neue Pixar-Animationsfilm, der seine Premiere bei der diesjährigen Berlinale feierte, einen Nerv unserer Zeit, in der kaum ein Mensch Schritt halten kann mit dem Tempo technologischer Entwicklungen, in der aber auch die Sehnsucht nach Handarbeit wächst. Es ist ein hübscher zweiter Boden, den Regisseur Dan Scanlon da in seine unterhaltsame Mischung aus Fantasy-Märchen und Coming-of-Age-Geschichte eingebaut hat.

Im Mittelpunkt stehen zwei Brüder, Ian und Barley, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer auf Moderne getrimmten Märchenwelt leben. Sie sind Elfen, haben aber ihre magischen Fähigkeiten im Laufe der Jahrhunderte verloren. Genau wie all die Feen, Trolle, Zauberer und sonstigen Fabelwesen, die in New Mushroomtown leben. Sie alle sind irgendwann bequem geworden und haben ihre Gesellschaft technologisiert. Die Magie ging verloren, dafür gibt es aber mobiles Internet und einen Polizei-Zentaur, der früher mal 100 Kilometer pro Stunde schnell laufen konnte, mittlerweile aber lieber Auto fährt. Mit feiner Ironie und witzigen Übertreibungen baut "Onward" eine perfekte Brücke zwischen Märchenwelt und Realität, lässt mit räudigen Einhörnern und aggressiven Rocker-Feen aber auch einige Erwartungen ins Leere laufen.

An seinem 16. Geburtstag bekommt Ian ein Geschenk, das ihm sein vor seiner Geburt verstorbener Vater hinterlassen hat: Mit Zauberstab und magischer Formel könnte er seinen Vater für einen Tag aus dem Jenseits zurückholen. Leider geht dabei etwas schief. Papa erscheint zwar, aber nur von der Hüfte abwärts. Um ihn ganz sehen zu können, müssen die beiden ungleichen Brüder in einer epischen Mission einen besonderen Zauberstein finden.

Weil sie dafür nur 24 Stunden Zeit haben, ist "Onward" einerseits ein ziemlich vollgepacktes Actionabenteuer, mehr noch als ein atemloses Fantasymärchen ist der Film aber eine berührende Geschichte über Verlust und Unsicherheit und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Auf einer klassischen Heldenreise vor tragischem Hintergrund müssen Ian und Barley nicht nur ihren halben Papa komplettieren, sondern sich selbst als Familie.

Das klappt aber nicht so gut, weil sie aneinander vorbeileben. Metal-Head und Rollenspiel-Fan Barley engagiert sich für den Erhalt antiker Bauten und ist damit eine der wenigen Stimmen in der entzauberten Märchenwelt, für die Vergangenheit keine Komfortbremse ist, sondern die Möglichkeit zur Rückbesinnung bietet. Mit seiner Strategie des Innehaltens und umfassenden analogen Fähigkeiten ist er der perfekte Begleiter für seinen nerdigen kleinen Bruder, der mit altmodischen Landkarten nichts anfangen kann, sondern lieber auf Google Maps vertraut, weil sie dann schneller ans Ziel kommen.

Dass es eher um den Weg geht, daran lässt "Onward" in bester Pixar-Tradition keinen Zweifel. Aber Dan Scanlon erzählt davon sehr berührend und ausgesprochen ehrlich: Er hat selbst als kleiner Junge den Vater verloren und verarbeitet nun seine persönlichen Erfahrungen. Das macht seinen Film so entwaffnend herzlich, dass man sich der Tränen am Schluss überhaupt nicht schämen muss.


Quelle: teleschau – der mediendienst GmbH