Zwischenmenschliche Begegnungen hat Trond (Stellan Skarsgård) lange Zeit vermieden.
Die Verfilmung von Per Pettersons Roman "Pferde stehlen" dreht sich vor allem um die Macht von Erinnerungen und die Wirkung tragischer Ereignisse.

Pferde stehlen

KINOSTART: 21.11.2019 • Drama • N/S/DK (2019) • 122 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Ut og stjæle hester
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
N/S/DK
Laufzeit
122 Minuten

Filmkritik

Wenn das Damals ins Heute eindringt
Von Christopher Diekhaus

Zurückgenommen, aber eindringlich spielt Stellan Skarsgård in der Bestsellerverfilmung "Pferde stehlen" einen vereinsamten Witwer, den plötzlich seine Erinnerungen einholen.

Welche Kraft besitzen Erinnerungen? Wie soll man mit ihnen umgehen? Auf welche Weise bestimmen sie unser Selbstbild? Und wie prägen Erfahrungen den Lebensweg eines Menschen? Die spannenden Fragen, die Per Petterson in seinem Roman "Pferde stehlen" aufwirft, bestimmen auch dessen Leinwandadaption. Hans Petter Moland ("Hard Powder") führte bei der Literaturverfilmung Regie und arbeitete bereits zum fünften Mal mit Charakterkopf Stellan Skarsgård zusammen. Der Schwede ist die perfekte Wahl für den zurückgezogen lebenden Protagonisten Trond, dem der charismatische Schauspieler von Anfang an eine glaubhafte Note verleiht.

Nach dem Tod seiner Frau will der Witwer nur noch seine Ruhe haben und verkriecht sich kurz vor dem Jahrtausendwechsel in seinem Haus in der norwegischen Einöde. Als eines Abends Lars (Bjørn Floberg) unvermittelt auftaucht, wird Trond auf einmal mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Schließlich erkennt er im Gegenüber den Bruder eines Freundes aus Jugendtagen. Der ereignisreiche Sommer 1948 drängt sich daraufhin mit aller Macht in das Bewusstsein des Einzelgängers. Damals verbrachte der junge Trond (Jon Ranes) mit seinem Vater (Tobias Santelmann) ein paar Wochen in der Wildnis und wurde Zeuge von schmerzhaften und tragischen Ereignissen.

Den im Roman angelegten permanenten Wechsel zwischen den Zeitebenen überträgt der ebenfalls für das Drehbuch verantwortliche Regisseur auch in den Film. "Pferde stehlen" springt ständig von der Gegenwart in den Sommer 1948 zurück und unternimmt weitere Schlenker in die Jahre 1943 und 1956. Immer wieder schaltet sich die Hauptfigur als übergeordneter Erzähler ein, um das Geschehen zu bewerten.

Dem thematischen Reichtum der Literaturvorlage – es geht um die Liebe, ein kompliziertes Vater-Sohn-Verhältnis, den Schrecken des Zweiten Weltkriegs, Trauer und Verlust – wird Molands Filmversion nicht durchgehend gerecht. Einige Passagen besitzen eine enorme Intensität, erschaffen eine bedrohlich-geheimnisvolle Aura. Andere Episoden hingegen – vor allem der Ausflug in die Nazi-Zeit – wirken arg gehetzt, scheinen notdürftig in das Handlungsgerüst eingezwängt und entfalten daher keine Ausdruckskraft.

"Pferde stehlen" hat mit strukturellen Problemen zu kämpfen, vertieft nicht alle relevanten Aspekte in gebührendem Maße, wartet aber auch mit einigen ordentlichen Pluspunkten auf. Neben der zurückgenommenen, dennoch tiefschürfenden Darbietung Stellan Skarsgårds, der die Last greifbar macht, die auf Trond drückt, stechen die wuchtig-atmosphärischen Naturaufnahmen und der eindringliche Toneinsatz hervor. Umgebungsgeräusche verstärkt Regisseur Moland manchmal so sehr, dass der Betrachter regelrecht in die Szenerie hineingesogen wird. Diese Form der Überhöhung – ebenso wie die gelegentlich eingestreuten Zeitlupenbilder – nutzt der Regisseur nicht zuletzt, um den subjektiven Prozess des Erinnerns zu illustrieren und seinem grüblerischen Drama einen leicht entrückten Anstrich zu verpassen.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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