Die Dokumentation begleitet zwei Bud-Spencer-Superfans, die sich – noch zu dessen Lebzeiten – auf die Suche nach dem italienischen Kino-Koloss machen.

Man unterschätzt Bud Spencer schnell. Das mag mit den Sendeplätzen zu tun haben, die ihm mittlerweile zugeteilt werden. An einem beliebigen Sonntagnachmittag bei kabel eins läuft kein Arthouse, kein pompöses Hollywood, kein Neues Deutsches Kino. Da läuft Schabernack, den man bereits zigmal über sich hat ergehen lassen. Unweigerlich. Doch hinter Bud Spencer, der vor gut einem Jahr im Alter von 86 Jahren verstarb, steckt mehr. Ein Tausendsassa, über den jeder nur Gutes zu berichten weiß. Und vor allem ein Kult, der gerade in Deutschland keine Grenzen zu kennen scheint. Der stolze Neapolitaner hatte riesigen Erfolg. So war "Vier Fäuste für ein Halleluja" (1971) der erfolgreichste Kinofilm der 1970er-Jahre in Westdeutschland, spielte mehr ein als "Star Wars" und James Bond. Mit gut zwölf Millionen Zuschauern liegt er heute noch auf Platz sechs der ewigen Rangliste. Die Dokumentation "Sie nannten ihn Spencer" geht dem Phänomen Bud Spencer nach.

Dabei ist die Bezeichnung Dokumentation nur halb richtig. Als Roadmovie will man den Film auch verstanden wissen. Denn es wird nicht nur erörtert, woher Bud Spencer kam, was passieren musste, dass aus einem Olympioniken des italienischen Schwimmteams ein Komödien-Schauspieler wurde und wie Filmkritiker und -wissenschaftler das "Nilpferd" einordnen. "Sie nannten ihn Spencer" verfolgt auch zwei deutsche Bud-"Ultras", die "nach dem Menschen hinter der Kultfigur" Ausschau halten.

Dabei handelt es sich um Marcus Zölch, 32, aus Augsburg, der seine Sammel-Obsession zur Spencer-Filmwelt selbst "total durchgeknallt" findet. Der wohl nicht ganz zufällig deutlich Richtung Bud-Spencer-Sozius Terence Hill gestylte Marketing-Manager habe "wie jeder andere auch" die Spencer/Hill-Filme in seiner Kindheit geliebt. Von größerer Bedeutung wurden sie aber erst im Jahr 2000 für ihn, als er mit einem Genickbruch das Bett hüten musste und über einen Spiegel an der Decke nichts anderes machte, als die Haudrauf-Streifen zu schauen. Er habe durch die Filme das erste Mal wieder lachen können und die Botschaft, dass "alles halb so wild ist", verinnerlicht. Zölch stand nach einem Jahr wieder auf dem Fußballplatz.

Jorgo Papasoglou, 37, aus Berlin, macht das Gespann perfekt. Bud Spencer sei für ihn ein "langjähriger, sehr guter Freund", ohne dass er ihn jemals traf. Der Bürokaufmann ist von Geburt an blind, war also auf fremde Hilfe angewiesen, um sich ebenso optisch an sein Idol anzupassen. Er tritt auch als Beweis dafür in Erscheinung, dass gerade die zotige deutsche Tonfassung der Filme hierzulande ganz immens zum Kult beiträgt. Passenderweise wird der Kinozuschauer auch in diesen Film mit den Worten: "Hallo ihr Schamottriesen" begrüßt, das auch noch aus der Kehle von Terence-Hill-Stimme Thomas Danneberg, was sicherlich für viel Freude in den deutschen Lichtspielhäusern sorgen wird.

"Da muss viel mehr Glut in die Zwiebel rein!", fordert Hill/Danneberg gleich zu Beginn. Womit sich der Film aber schwertut. Die Einführung der beiden Protagonisten dauert eine knappe halbe Stunde. Es zieht sich, bis der dramaturgisch herausgearbeitete Entschluss gefasst ist, gemeinsam den seinerzeit noch lebenden Helden aufzusuchen, nachdem Marcus und Jorgo bei Einzel-Versuchen gescheitert waren. Was vor allem an den vielen Auflockerungsmanövern des österreichischen Filmemachers Karl-Martin Pold liegt, der sein Debüt mit unzähligen, aber vortrefflich gesetzten Filmszenen spickt, mit sehr vielen Gesprächspartnern und mit schicken Animationen. Der Spencer/Hill-Fan wird regelrecht bombardiert.

Das wird sie nicht weiter stören; die Gefahr ist größer, dass man der beiden Superfans und deren zitatsicheren Albereien recht schnell müde wird. Durch die zwar stimmige, doch sehr dichte Aufmachung des Filmes vergisst man die besondere Verbindung von Marcus und Jorgo zu Bud Spencer bereits nach wenigen Minuten. Auch wenn man sie anfangs ins Herz geschlossen hat, verliert sich ihre Daseinsberechtigung doch innerhalb der über zwei Stunden Filmlänge zusehends.

Es sei ein Film "von Fans für Fans", betonte Pold beim Münchner Filmfest, wo "Sie nannten ihn Spencer" Premiere feierte. Für ein Treffen mit Ikonen wie den Filmmusikkomponisten Oliver Onions, mit dem offenbar immer noch katzenhaften Terence Hill und all den bis dahin namenlosen Schurken, die einst Dutzende Doppelbackpfeifen verabreicht bekamen, beißt man da aber gerne auf die Zähne.

Quelle: teleschau – der Mediendienst