Diesen Tatort, "Brüder" heißt er, könnte man genauso gut verreißen. Es gäbe mehr als zwei oder drei Gründe dafür. Aber will man? Die Autoren Wilfried Huismann und Dagmar Gabler greifen armtief in die Kiste der Vorurteile, wenn sie einen libanesischen Immigrantenclan zeigen, wie er aus einem würdig getäfelten Bremer Gerichtssaal ein Affentheater macht. Wenn sie Polizisten zeigen, die einen gestrauchelten Kollegen erst in gelernter Betonsolidarität ummanteln, um ihn später, als er Hilfe nötig hätte, zu verstoßen. Das Wort Kamerad ist ein relativer Begriff. Der Reihe nach. Ein Polizeieinsatz, bei dem es um Schreie in einem Transportauto geht, mündet in Blutvergießen. Eine Polizistin wird schwer verletzt. Ihr Kollege David (Christoph Letkowski) sucht sein Heil in der Flucht. Warum? Er ist einem Geist begegnet, einem Gewalt-Charismatiker namens Hassan, und hat Schiss bekommen.

Gleichgültig, ob der Realität oder einer Comic-Fantasie entsprungen, strahlt dieser Hassan, Clanführer der Libanesen, eine Bedrohlichkeit aus, die diesseits des Bildschirms spürbar wird. Gespielt wird er vom Dänen Dar Salim, bekannt aus "Borgen" und "Game of Thrones". Die Bremer Ermittler Lürsen und Stedefreund (Sabine Postel, Oliver Mommsen) gehen auf ihre tadellose Art vor, die man auch langweilig nennen könnte. Und doch hat dieser Fall etwas Erregendes, Niederdrückendes. Die scheinbare Machtlosigkeit der Ordnungskräfte gegen eine ungeniert auftrumpfende Verbrecherbande lässt sie als David im Kampf gegen Goliath erscheinen. Man ahnt, so könnte es sein. dh

Foto: Radio Bremen/Jörg Landsberg