Ein Tatort als One-Man-Show. ­Devid Striesow, der neue Kommissar in Saarbrücken, darf alles außer ernst sein. Er gibt den Hans-guck-in-die-Luft, der stets zu spät merkt, was gespielt wird. Er gibt Simplicius, den Knaben von der heiligen Einfalt. Er darf keck wie Huck Finn sein und ­seine polizeiliche Inspiration aus ­Yoga-Übungen schöpfen. Hartnäckig wie ein Kind verfolgt er im Baumarkt den Erwerb einer Klobürste; selbstvergessen wie Parzival kennt er bald nur noch ein Ziel: Melinda retten!

Melinda ist ein kleines Mädchen, das einer ungewissen, möglicherweise aber tödlichen Gefahr ausgesetzt ist, dabei kein Wort Deutsch spricht und Vertrauen nur zu ihm, Striesow, findet. Doch bleibt die Krimihandlung wie nebenher hingetupft. Die obskuren Nordafrikaner, die immerzu böse gucken und ein ­ominöses Therapiezentrum unterhalten, passen als Bösewichter perfekt ins ­Jugendtheater. Einer wie Striesow muss bemuttert werden wie Harold und Maude. Das übernehmen mit sehenswerter Fürsorge die alte Frau Müller (entzückend: Silvia Bervingas) und Elisabeth Brück als Striesows taffe Kollegin. Für Striesow gilt: Willkommen in der Münster-Liga bei Axel Prahl und Jan Josef Liefers. dh

Foto: SR/Manuela Meyer