Charlize Theron pfeift als Marlo auf das perfekte Leben und den perfekten Körper.
Ein Hoch auf alle Mütter: "Tully" zeigt, was Frauen wirklich leisten, wenn sie Kinder zur Welt bringen.

Tully

KINOSTART: 31.05.2018 • USA (2018) • 96 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Tully
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Einspielergebnis
7.180.060 USD
Laufzeit
96 Minuten
Mit dem Baby kommt der Blues
Von Andreas Fischer

Am schönsten ist das Kino immer dann, wenn es sich mit dem Leben der normalen Menschen beschäftigt. Die wahren Superhelden ringen nicht im Universum mit Titanen, sie hoffen, lieben, zweifeln, kämpfen in ganz normalen Mietshäusern, in mit benutztem Geschirr vollgestellten Küchen, in unaufgeräumten Badezimmern. Sie haben normale Jobs, oder keine, sie kaufen im Supermarkt die Cornflakes der Hausmarke, und sie haben Kinder, die quengeln. Manchmal werden sie trotzdem zum dritten Mal Mutter. So wie Marlo (Charlize Theron), die in Jason Reitmans ("Juno", "Up in the Air") neuem Film "Tully" eigentlich nichts zu lachen hat, sich aber mit fatalistischem Humor und einer Nachtnanny unbequemem Lebenswahrheiten stellt.

Es ist der Reiz des Alltags, der die bisherigen gemeinsamen Filme von Regisseur Jason Reitman und Drehbuchautorin Diablo Cody so faszinierend machte. In "Juno" ließen sie Ellen Page als Teenager schwanger werden, in "Young Adult" fluchte und soff sich eine zickige 37-Jährige, gespielt von Charlize Theron, durch eine sehr spätpubertäre Phase. Theron ist wieder dabei, auch diesmal spielt sie mit Marlo eine Frau, die vom Leben überfordert ist. Allerdings bleibt sie dabei diesmal (meistens) nüchtern.

Marlo ist zu Beginn des Films hochschwanger, wuppt aber den Haushalt so gut sie kann. Ihr Mann Drew (Ron Livingston) ist ein fürsorglicher und liebenswerter Partner, wenngleich er nur die grundlegenden Aufgaben eines Vaters übernimmt. Ansonsten ist er vor allem mit seinem Mittelstands-Job beschäftigt. Um alles andere kümmert sich Marlo, vor allem um ihre Tochter Sarah (Lia Frankland) und ihren Sohn Jonah (Asher Miles Fallica), der aufgrund einer neurologischen Störung etwas mehr Aufmerksamkeit braucht als andere Kinder.

Es ist ein Höllenjob, den Marlo mit viel Stolz und noch mehr Liebe erledigt. Auch wenn sie mit Nerven und Kräften am Ende ist: Das Angebot ihres wohlhabenden Bruders (Mark Duplass), eine Nachtnanny zu bezahlen, lehnt sie strikt ab. Zunächst. Irgendwann aber ruft sie Tully (Mackenzie Davis) doch an: Die junge Frau kommt immer, wenn es Nacht wird und kümmert sich um das Neugeborene. Marlo kann ausschlafen und ihre Akkus aufladen - zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft, die Marlo aus ihrem Baby-Blues zurück ins Leben holt.

Mit ruhigem Ton und der Komik der Verzweiflung erzählt Diablo Cody in ihrem Drehbuch vom ganz normalen Windelwahnsinn, vom Leben einer Mutter, deren Brüste vom Stillen gezeichnet sind und deren Mutterglück von Zweifeln begleitet wird. Es ist schmerzhaft ehrlich, was da in schnoddriger Beiläufigkeit auf der Leinwand passiert - von Jason Reitman präzise inszeniert, der nah dran ist und trotzdem respektvoll Distanz wahrt. "Tully" ist eine Ode an alle Mütter, subtil und empathisch wie das Kino nur dann sein kann, wenn es sich die Mühe macht, bei normalen Menschen vorbeizuschauen.

Darsteller
Charlize Theron wurde am 7. August 1975 in Benoni (Südafrika) geboren.
Charlize Theron
Lesermeinung
Mittlerweile etabliert: Diane Lane
Diane Lane
Lesermeinung
Yale-Absolvent Ron Livingston.
Ron Livingston
Lesermeinung
Weitere Darsteller

Neu im kino

Rex Gildo - Der letzte Tanz
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Im Westen nichts Neues
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Juan Romero (Elyas M'Barek) lassen seine Zweifel keine Ruhe. Er ist das filmische Pendant zu Juan Moreno und eine der beiden Hauptfiguren in Michael "Bully" Herbigs neuem Film "Tausend Zeilen", der den Fall Relotius satirisch aufarbeitet.
Tausend Zeilen
Drama, Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Mittagsstunde
2022
Don't Worry Darling
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Moonage Daydream
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Ticket ins Paradies
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Lieber Kurt
Komödie • 2022
Orphan: First Kill
Horror • 2022
prisma-Redaktion
Das Leben ein Tanz
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Alle für Ella
Komödie • 2022
Das Glücksrad
Drama • 2021
prisma-Redaktion
Freibad
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Kein Blockbuster-Stoff, trotzdem ein echtes Kino-Erlebnis: Mit "Three Thousand Years of Longing" präsentiert George Miller seinen zehnten Spielfilm.
Three Thousand Years of Longing
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Die Känguru-Verschwörung
Satire • 2022
prisma-Redaktion
After Forever
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Beast – Jäger ohne Gnade
Horror • 2022
prisma-Redaktion
Mein Lotta-Leben – Alles Tschaka mit Alpaka!
Kinderfilm • 2022
prisma-Redaktion
Jagdsaison
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Der Gesang der Flusskrebse
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Der Engländer, der in den Bus stieg und bis ans Ende der Welt fuhr
2021
prisma-Redaktion
Nope
2022
prisma-Redaktion
Der junge Häuptling Winnetou
Abenteuerfilm • 2021
Nicht ganz koscher – Eine göttliche Komödie
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Bullet Train
Actionkomödie • 2022
prisma-Redaktion
Guglhupfgeschwader
2022
prisma-Redaktion
Hatching
Fantasy • 2022
prisma-Redaktion
Der perfekte Chef
Komödie • 2021
prisma-Redaktion
DC League of Super-Pets
Animationsfilm • 2022
prisma-Redaktion
Bibi & Tina – Einfach anders
Abenteuerfilm • 2022
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS