Vergangenheitsbewältigung in Israel, 1953. Die Mutter der 15-jährigen Aviya hat den Holocaust zwar überlebt, ist aber seit Jahren in psychiatrischer Behandlung. Aviya scheint ihre furchtbare Kindheit "bewältigt" zu haben und wohnt mit weiteren Kindern bzw. Waisen von Holocaust-Opfern in einem Jugendcamp. Im Schatten eines Maulbeerbaums werden die Erlebnisse des Krieges und der Ereignisse danach kommentiert und verarbeitet.

Zwei autobiographische Romane von Gila Almagor, einer der bekanntesten Schauspielerinnen Israels, wurden zu Drehbüchern und danach verfilmt. Der erste Film, "Aviyas Sommer", war ein Riesenerfolg und wurde in Berlin mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet. "Unter dem Maulbeerbaum" - die Fortsetzung - konnte die hoch gesteckten Erwartungen allerdings nicht ganz erfüllen. Trotz guter Schauspielerleistungen und authentischer Dialoge wirkt das Drama ein wenig überfrachtet und bleibt oft an der Oberfläche, obwohl das Thema Tiefgang geradezu herausfordert. Sehenswert für alle, die sich auch für die Vergangenheitsbewältigung der Opfer des Holocaust interessieren, auch wenn vieles in dieser Verfilmung nicht nachvollziehbar ist. Sicher lesenswert: die Vorlagen von Gila Almagor.