Sie lieben und sie hassen sich: dem Agenten und Frauenhelden Valerian (Dane DeHaan) und Laureline (Cara Delevingne).

Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten

KINOSTART: 20.07.2017 • Science Fiction • Frankreich (2017) • 136 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Valerian and the City of a Thousand Planets
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
Frankreich
Budget
177.200.000 USD
Einspielergebnis
225.973.340 USD
Laufzeit
136 Minuten
Regie

Filmkritik

Bessons bunte Welt der Kack-Replikatoren
Von Maximilian Haase

Meisterregisseur Luc Besson vollendet mit der Comic-Umsetzung "Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten" ein filmisches Herzensprojekt, wie es bunter und spektakulärer kaum sein könnte.

Ein Weltraum-Märchen mit kühnen Helden und fantasievollen Aliens? Eine Space-Opera voller Bombast, Action und Emotionen? Wer auch immer ein derartiges Projekt angeht, scheint angesichts der Übermacht von "Star Wars" zum Scheitern verurteilt. Zuletzt erfahren mussten das die Wachowskis mit ihrem grandios vergeigten Abklatsch "Jupiter Ascending" (2015). Kann es also gutgehen, wenn sich ein weiterer Starregisseur an einer Weltall-Fantasy-Story versucht? Es kann - sofern es sich dabei um Luc Besson handelt, der seinen Lebenstraum verwirklicht. Mit "Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten" verfilmt der Schöpfer ikonischer SciFi-Werke wie "Das fünfte Element" jene französische 60er-Comicreihe, aus der sich George Lucas für "Star Wars" großzügig bediente. Herausgekommen ist ein betäubend buntes, charmantes und schrilles Abenteuer ohne sinnvolle Story, aber voller liebenswerter Figuren in einer faszinierenden Fantasy-Welt.

Gigantische Raumschiffe schweben durch ein ethnisch diverses Weltall, das von einer Förderation regiert und von bösen Mächten bedroht wird; auf vielfältigsten Planeten leben abgefahrene Wesen, die in einer riesigen Multikulti-Metropole zusammentreffen, Handel treiben und sich amüsieren: Dass uns die Welt, die "Valerian" vorstellt, so bekannt vorkommt, wundert nicht. Schließlich ließ sich der junge George Lucas Mitte der 70-er für "Star Wars" von genau jener 22-bändigen Comicreihe inspirieren, die nun Besson als Vorlage diente. Bereits von 20 Jahren schöpfte der französische Filmemacher in "Das fünfte Element" aus dem ergiebigen Kosmos der "Valerian"-Erfinder Jean-Claude Mézières und Pierre Christin; seit jeher war die cineastische Adaption der berauschenden Comics Bessons Lebensaufgabe.

Dass der 58-jährige Regisseur sein Herzensprojekt erst jetzt umsetzte, lag vor allem an dessen technischer Machbarkeit: Erst nach James Camerons "Avatar - Aufbruch nach Pandora", so Besson, habe er gewusst, dass die Verfilmung nun realisierbar sei. Und erst nach seinem SciFi-Erfolg "Lucy" hatte der exzentrische Pariser das Geld beisammen, um sein "Baby", wie er es nennt, mit 180 Millionen Dollar und ohne Einfluss von außen zu finanzieren. Man merkt es "Valerian" an: Aus dem wilden, märchenhaften Epos spricht in jedem Detail die realitätgewordene, sprühende Fantasie eines Kindgebliebenen, der sich (fast) ohne technische Grenzen und dröge Markterwägungen austoben durfte. Perfekt geraten ist "Valerian" sicher nicht – aber was gibt es schon Schöneres, als einem begeisterten Träumer beim Spielen zuzuschauen?

Randvoll gepackte Story

Und er spielt gewaltig – mit Special Effects ebenso wie mit Anspielungen auf die SciFi-Geschichte. Ach ja, eine randvoll gepackte Story, die trotz aller Mühe eher zu vernachlässigen ist, gibt es auch noch: Nachdem Besson die mulitlateralen Beziehungen der zukünftigen Jahrhunderte mit Bowies "Space Oddity" im Vorspann Revue passieren lässt, befinden wir uns im 28. Jahrhundert: Auf ihrem völlig überzeichneten Friedefreudeeierkuchen-Planeten Gül werden die Pearls, die frappant an "Avatar" erinnern, von einer bösen Macht aus ihrem heilen Hippie-Dasein gerissen und vertrieben. Und mit ihnen die süßen Tierchen, die alles, was man ihnen zu fressen gibt, vielfach in einer Art Kack-Replikator wieder ausscheiden. Das letzte überlebende Exemplar jener Transmulatoren genannten Wesen befindet sich auf einem riesigen virtuellen Marktplatz.

Es zu finden ist der Auftrag von Bessons liebevoll gezeichneten Hauptfiguren – dem Agenten und Frauenhelden Valerian, gespielt vom herausragenden "neuen DiCaprio" (Besson) Dane DeHaan, und seiner sarkastischen Kollegin Laureline, bezaubernd missmutig verkörpert von Cara Delevingne. Kaum ist die Mission beendet und das süße Felltier wieder im Besitz der Förderation, sollen die beiden, die sich laufend necken, ärgern und natürlich in Wirklichkeit lieben, die Megacity-Raumstation Alpha retten. Dort, wo hunderte Spezies zusammenleben, bedroht ein Virus den multiethnischen Alien-Meltingpot. Während Valerian und Laureline dessen Ursprung suchen, tauchen die letzten verbliebenen Pearls auf. Um ihren verlorenen Planeten neu zu erschaffen, wollen die inzwischen korrumpierten Hippie-Wesen den letzten Kack-Replikator respektive Transmulator durch eine Entführung zurückerpressen.

Ein bisschen mehr Witz und Drogen

Was nach einer abgedrehten Reise durch einen wirren Referenzen-Dschungel klingt, ist genau das: eine hoffnungslos überbordende Geschichte zwischen "Total Recall" und "Blade Runner", zwischen "Star Wars" und "Avatar". Doch trotz nerviger Sanfte-Wesen-gegen-böse-Menschheit-Konstruktion, trotz überkommener Macho-gege-taffe-Frau-Dynamik und trotz völlig unnachvollziehbarer Handlungssprünge: Wenn es Luc Bessons lebenslanges Herzensprojekt war, eine schrille, charmant bevölkerte Welt zu schaffen, in die man am liebsten eintauchen würde, dann ist ihm das mit "Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten" gelungen. "Star Wars", so die Lehre aus dem Opus Magnum des Meisters, hätte ruhig ein bisschen mehr Witz und Drogen vertragen können.

Quelle: teleschau – der mediendienst

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