Als Samantha (Zoey Deutch) aufwacht, liegt eigentlich der perfekte Tag vor ihr. Es ist 6.50 Uhr am 12. Februar, Valentinstag, und an dem will sie zum ersten Mal mit ihrem Freund Rob (Kian Lawley) schlafen. Doch bevor das passieren kann, wartet erst einmal die Highschool auf sie und ihre besten Freundinnen Lindsay (Halston Sage), Ally (Cynthy Wu) und Elody (Medalion Rahimi), mit all den Ritualen, die zum Valentinstag dazugehören: Rosen werden verschenkt, es folgt eine Einladung zur Party von Kent McFuller (Logan Miller), mit dem Sam einmal gut befreundet war, dazwischen wird ein wenig über die Außenseiter abgelästert, über Anna Cartullo (Liv Hewson) etwa, eine lesbische Mitschülerin, oder über Juliet Sykes (Elena Kampouris), einen "Freak", wie die Mädchen sagen, eine, die in die Klapse gehört.

Doch es kommt alles anders. Schon der Einstieg in den Film, Sätze wie "Vielleicht gibt es für dich ein Morgen. Vielleicht gibt es 3000. Oder zehn. Aber wenn du wie ich bist, sieht so dein letzter Tag aus", machen klar: Das hier wird nicht gut ausgehen. Und so ist es auch.

Nicht nur, dass Rob auf der vielleicht wichtigsten Party des Jahres ein paar Drinks zu viel hatte, ausgerechnet an diesem Abend taucht auch jene Juliet dort auf. Lindsay und sie geraten aneinander, die Situation eskaliert, und sowohl Juliet als auch Sams Clique verlassen wütend das Haus. Und dann, auf dem Nachhauseweg passiert es: Gerade als die Uhr auf Sams Handy auf 00.39 springt, kommt der Wagen von der Straße ab und überschlägt sich. Und Sam liegt wieder in ihrem Bett, es ist 6.50 Uhr und ihr Handy zeigt als Datum den 12. Februar an.

Komplexes Teenager-Drama

Denkt sie zunächst noch, das alles sei ein böser Traum, wird ihr spätestens in der Schule klar, dass es anders ist. Viele Dinge wiederholen sich, es folgt die Einladung zur Party, der selbe Streit mit Juliet, der selbe Unfall. Und wieder ist es 6.50 Uhr am Valentinstag. Was folgt, hätte eine simple Teenie-Klamotte werden können mit einem erwartbaren Plot, Sam gefangen in einer Zeitschleife, bis sie einige Dinge in den Griff bekommt, doch Regisseurin Ry Russo-Young hat es geschafft, das zu verhindern. Sie hat Lauren Olivers Roman "Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei" als komplexes Drama inszeniert, und das auch dank der Darsteller.

Denn selbst die Rollen in einem US-Teenager-Drama, in denen durchaus Stereotype wie die Highschool-Zicke oder jene Außenseiter-Rollen vorkommen, kann man, das beweisen beispielsweise Zoey Deutch oder Liv Hewson, mit Tiefgang ausstatten, mit Mimik über ein hübsches Lächeln hinaus, mit Zweifeln im Gesicht, Überraschung in den Augen, mit Sympathien, wo vorher nur Verachtung war und all den Zwischentönen und der gesamten Bandbreite, die dazu gehört.

Und dann wäre da noch die Art und Weise, wie Russo-Young diesen eigentlich immer gleichen Tag erzählt, wie sie von den Veränderungen erzählt, die Sam durchmacht, von der scheinbaren Hoffnungslosigkeit. Denn selbst, wenn Sam ihre Freunde überredet, nicht zu dieser Party zu gehen, wacht sie am nächsten, nein: an diesem Morgen in ihrem Bett auf. Ohne Autounfall, aber mindestens ebenso verzweifelt. Und irgendwann beschließt sie dann: "Wenn ich diesen Tag schon immer und immer wieder erleben muss, dann soll es ein besonderer Tag werden, und das nicht nur für mich."

Bittersüßes Ende mit Moral

An diesem Punkt wird aus "Wenn du stirbst ..." eine Art Coming-of-age-Version von "Und täglich grüßt das Murmeltier". Auch als solche ist dieser Film nicht frei von Pathos und Kitsch, ist dieser Film nicht frei von der ein oder anderen Plattitüde, von Klischees. Die Menschen ein wenig zu hübsch, die Häuser zu luxuriös, die Umgebung im Nordosten der USA etwas zu monumental. Doch es sind vor allem die Dialoge, die Russo-Young ihrem Film zumutet und die sie nicht abwürgt, sondern ausspielen lässt, die ihn so sehenswert machen. Und es sind die Momente, in denen die manchmal vielleicht doch erwartbare Haltung durchbrochen wird von äußerst guten Einfällen, von Wendungen, von den Ideen, die in dieser Geschichte stecken.

Und selbst das bittersüße Ende mit seiner Moral (denn die muss es natürlich geben) wirkt nicht belehrend, selbst an diesem Ende wirken die Charaktere im Rückblick zu vielschichtig für einfache Urteile. Diese Entwicklung, die fast alle Rollen während der knapp 100 Minuten durchmachen, ist sehenswert, aus vielen verschiedenen Gründen. Dass dabei nicht immer alles logisch zugeht, ist zu verkraften.

Am Ende bleibt "Und wenn du stirbst ..." zwar ein Teenager-Drama, aber ein überdurchschnittliches. Einen Oscar wird dieser Film sicherlich nicht bekommen, aber ein Publikum hat er mehr als verdient. Und geht man mit der richtigen Haltung und Erwartung ins Kino, wird man ganz sicher nicht enttäuscht. Im Gegenteil.