Wenn aus einer Wohngemeinschaft Liebe wird: Julian (Fahri Yardim) und Hannah (Sylvia Hoeks) verlieben sich.
Fahri Yardim und Sylvia Hoeks spielen im Drama "Whatever Happens" ein Paar, das sich nach sieben Jahren trennt.

Whatever Happens

KINOSTART: 30.11.2017 • Drama • D (2017) • 101 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Whatever Happens
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
D
Filmstudio
Jumpseat Filmproduktion, Viafilm, Telepool, FunDeMental Studios, ARRI Media
Laufzeit
101 Minuten
Regie
Niels Laupert
Music
Maximilian Stephan, Tim Althoff, Michael Kamm
Kamera
Markus Nestroy

Filmkritik

WG mit Folgen
von Timea Sternkopf

"Blade Runner"-Star Sylvia Hoeks und Fahri Yardim ergänzen sich wunderbar in dem Beziehungsdrama "Whatever Happens". Mit fortschreitender Dauer ermüdet aber nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch der Zuschauer.

Am Anfang von "Whatever Happens" steht das Ende: Hannah (Sylvia Hoeks) und Julian (Fahri Yardim) räumen ihre alte Wohnung aus, es ist vorbei. Im Folgenden wird die Geschichte ihrer Liebe und ihrer Trennung auf zwei Zeitebenen erzählt. In Rückblicken schildert Regisseur und Drehbuchautor Niels Laupert ("Sieben Tage Sonntag") wie es zu der Wohnungsaufgabe kam und lässt Raum für Hoffnung. Der Film feierte auf dem Münchner Filmfest seine Premiere.

Um die triste Realität zweier Menschen, die eine Trennung durchmachen, durch filmische Fiktion aufzupeppen, verfrachtete Laupert den Umzug auf den Silvesterabend. Zumindest lässt es sich anders nicht erklären, wieso seine Protagonisten ausgerechnet an Silvester im Abendkleid und im Anzug ihre alte Wohnung streichen müssen. Jeder, der schon einmal umgezogen ist, hätte wohl einen anderen Tag und vor allem ein andres Outfit gewählt.

Im Kino ist alles möglich

Und wenn wir schon mal dabei sind: Welcher Berufseinsteiger kann sich eigentlich so eine hippe, loft-artige Altbauwohnung leisten, in der sich der Film fast ausschließlich abspielt? In München, der Stadt, in der doch bekannterweise Mieten so horrend sind, dass sich Studenten normalerweise mit überteuerten kleinen Zimmern in unsanierten Appartements aus den 60er-Jahren zufriedengeben müssen. Doch zum Glück ist im Kino alles möglich.

Julian und Hannah lernten sich bei der Wohnungsbesichtigung eben dieser Traumwohnung kennen. Julian wollte mit Freunden eine WG gründen und Hannah mit ihrem Freund einziehen, der jobbedingt durch häufige Abwesenheit glänzt und auch diesen Termin nicht wahrnehmen konnte. Kurzerhand geben sich die beiden Wohnungssuchenden als Pärchen aus. Tatsächlich bekommen sie vom Vermieter die Zusage. Die beiden Fremden gründen nun ungewollt und unbedacht eine Wohngemeinschaft. Es kommt, wie es kommen muss: Die anfänglichen Zankereien weichen einer unwiderstehlichen Anziehungskraft Julian und Hannah verlieben sich. Und bald ist Hannah schwanger.

Die Inszenierung und das Drehbuch mag einige Schwächen aufweisen, doch die beiden Protagonisten entschädigen für die etwas schleppende Erzählweise. Erfreulich ist vor allem, dass bei der Auswahl der Hauptdarsteller die Herkunft überhaupt nicht thematisiert wird: Der Hamburger Fahri Yardim wurde entgegen der üblichen Praxis mal nicht als Türke besetzt. Und Sylvia Hoeks, die zuletzt neben Harrison Ford und Ryan Gosling in "Blade Runner 2049" zu sehen war, hat einen so charmanten Akzent, dass man sich mit Julian zusammen in die hübsche Holländerin verliebt. Mit fortschreitender Geschichte jedoch, kühlt nicht nur diese Liebe ab, sondern auch die Stimmung im Kinosaal ab.

Frust, schlechtes Gewissen und Bitterkeit

Dabei sieht am Anfang alles ganz vielversprechend aus: Lauperts Film schafft den natürlichen Wandel von Komödie zu ernstem Beziehungsdrama. "Whatever Happens" zeigt den Weg zweier Menschen, die zu früh in ihrer Beziehung Eltern werden und die neue Herausforderung "Job und Kind" meistern müssen. Die traditionellen Rollen von Mutter und Vater werden dabei auf den Kopf gestellt und ein modernes Familiengefüge präsentiert, in dem Hannah arbeiten geht und Julian seinen coolen Job als Fotograf an den Nagel hängt, um sich um Kind und Haushalt zu kümmern. Revolutionär mag das zwar heute nicht mehr sein, aber trotzdem ist es im ersten Moment erfrischend, dass es nicht immer die klassische Rollenverteilung sein muss, die im Kino wie auch im wahren Leben sonst deutlich öfter vorgelebt wird.

Hannah liebt ihren Job und sie liebt auch ihre Familie. Was anfangs wunderbar funktioniert, endet in Frust, schlechtem Gewissen und Bitterkeit. Und damit endet leider auch der Hauch an weiblicher Emanzipation im Film. Hannah wird zunehmend als egoistische Karrierefrau dargestellt. Wäre es Julian gewesen, der mehr Zeit auf Geschäftsreisen als auf Kindergeburtstagen verbringt, hätte Laupert nicht genug Stoff für ein Drama zusammenbekommen. Eine Frau, die ihre Familie für den Job vernachlässigt, ist Grund genug für einen Konflikt. Schade, dass Laupert sich dann doch nicht durchringen konnte, dieses Thema entspannter zu beleuchten und nun doch mit dem Finger auf die "Rabenmutter" zeigt.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Alexander Beyer
Alexander Beyer
Spielend die Krankheit überwinden? Amelie Kiefer
als Anna
Amelie Kiefer
Schauspieler Fahri Yardim.
Fahri Yardim
Weitere Darsteller
Sylvia Hoeks David Zimmerschied Victoria Mayer Torben Liebrecht Eckhard Preuß Franz Rügamer Paulina Hobratschk Bastian Hagen Helena Prison

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