Vincent Lindon

Archetyp des modernen Mannes: Vincent Lindon, hier
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Archetyp des modernen Mannes: Vincent Lindon, hier in "Fred"
Vincent Lindon
Geboren: 15.07.1959 in Bologne-sur-Mer, Pas-de-Calais, Frankreich

In unserem Nachbarland Frankreich ist er ein großer Star und spielte mehrfach unter Regisseuren wie Claude Sautet, Claude Lelouch, Colin Serreau oder Jean-Jacques Beineix: Vincent Lindon. Er gilt als der Archetyp des modernen Mannes, der weder seine Ängste noch seine Verletzlichkeit versteckt, und den er in verschiedenen Figuren mit Identitätskonflikt variiert: hin und her gerissene oder entschlossene Männer. Zunächst sah allerdings nicht viel nach einer großen Karriere auf der Leinwand aus, denn der Industriellen-Sohn ist der Neffe von Jérome Lindon, Gründer des französische Verlagshauses Editions de Minuit. Somit wäre für Lindon auch der Weg frei gewesen in den Journalismus oder in die Verlagsarbeit, doch schon recht schnell interessierte er sich für die große Leinwand.

Als Alain Resnais 1980 seine witzige Komödie "Mein Onkel aus Amerika" drehte, stand Lindon zwar noch nicht vor der Kamera, war aber hinter den Kulissen als Assistent des Kostümbildners tätig. Später war er eine Zeitlang Regieassistent für Michel Colucci, der als Komiker und Schauspieler Coluche bekannt wurde und 1986 bei einem Motorrad-Unfall starb. Lindon, der zwischenzeitlich ein Jahr in den USA lebte und an den Universitäten von Boston und New York studierte, ist auch ein großer Musikfreund und arbeitete einige Zeit für die die Zeitung "Le Matin". Doch er kann sein großes Interesse für die Schauspielerei nicht unterdrücken und schreibt sich an der Europäischen Schauspielschule Florent in Paris ein. Durch seinen Lehrer Francis Huster bekommt er Kontakt zum Regisseur Paul Boujenah, der ihm 1983 seine erste Rolle anbietet: Die des Inspektors in dem Actiondrama "Der Falke".

Nun war der Grundstein zur Karriere gelegt, schon bald folgen Nebenrollen in einigen der herausragenden Filme der Achtzigerjahre: So etwa in Bertrand Bliers "Geschichte eines Lächelns" (1984), in Jean-Jacques Beineix' Aufsehen erregendem Liebesdrama "Betty Blue - 37,2 Grad am Morgen" (1985) mit Béatrice Dalle, an der Seite von Alain Delon in José Pinheiros Actioner "Der Panther" (1985), mit Sigourney Weaver und Michael Caine in Bob Swaims Politthriller "Half Moon Street" (1986) oder in Claude Sautets Tragikomödie "Einige Tage mit mir" (1988) mit Sandrine Bonnaire, mit der Lindon später immer wieder vor der Kamera stand.

Seinen großen Durchbruch erlebte Lindon allerdings erst mit seiner Rolle des Musikers Edouard in Claude Pinoteau sonst recht hölzernen Liebesfilm "Die Studentin" (1988), in dem sich die attraktive Valentine alias Sophie Marceau in ihn verliebt. Für diese Rolle wurde er mit dem in Frankreich sehr begehrten Jean Gabin-Preis ausgezeichnet. Nun folgen immer größere Rollen, etwa die eines Restaurantbesitzers in Claude Lelouchs Episodenfilm "So sind die Tage und der Mond" (1990), in Diane Kurys' nostalgischer Tragikomödie "Ein Sommer an der See" (ebenfalls 1990) gab er gekonnt den Liebhaber von Nathalie Baye, in Jacques Derays realistischem Politdrama "Rückkehr eines Toten" (1991) spielte er an neben Frankreichs Kinolegende Yves Montand den Anarchisten Netchaiev, und erneut unter der Regie von Claude Lelouch sah man ihn - wieder mit Béatrice Dalle in dem Liebesfilm "Die schönste Geschichte der Welt" (1991).

Lindon, der von 1990 bis 1995 mit Prinzessin Caroline von Monaco liiert war, schlüpfte nun immer mehr in tragende Hauptrollen wie etwa die des jungen Anwaltes Victor in Coline Serreaus bissiger Satire "Die Krise" (1992, César-Nominierung als bester Hauptdarsteller), Claude Lelouch verpflichtete ihn erneut für seine Krimikomödie "Alles für die Liebe" (1993), eine Minirolle war allerdings die eines total Betrunkenen in Mathieu Kassovitz' gefeiertem Drama "Hass" (1994). Danach brillierte Vincent Lindon in Pierre Jolivets eindringlicher Low-Budget-Tragikomödie "Fred" als titelgebender arbeitsloser Kranführer, der in den Pariser Vorstädten in einen Strudel aus Gewalt und Mord gezogen wird. Im Jahr darauf folgte Benoît Jacquots eindrucksvoll inszenierter Tragikomödie "Der siebte Himmel", in der Lindon mit Sandrine Kiberlain vor der Kamera stand. Diese Begegnung sollte für Lindon schicksalshaft werden, denn die beiden verliebten sich und heirateten 1998. Im Februar 2000 wurde ihre Tochter Suzanne geboren, inzwischen leben die Eheleute allerdings getrennt.

Mit Isabelle Huppert stand Vincent Lindon 1998 für Benoît Jacquots düsteres Melodram "Schule des Begehrens" (1998) vor der Kamera, mit seinem guten Patrick Timsit, den Lindon "seinen Zwilling" nennt, da er zur selben Stunde, am selben Tag und im selben Jahr geboren ist, spielte er in der stargespickten Komödie "Paparazzi - Fotos um jeden Preis", für die er auch am Drehbuch mitarbeitete. Wieder mit Pierre Jolivet drehte er 1999 die Tragikomödie "Alles für die Firma", 2003 die Komödie "Filles uniques", in dem seine Frau Sandrine Kiberlain die Hauptrolle übernahm, und schließlich 2007 das Drama "Kann das Liebe sein?", in dem einmal mehr Sandrine Bonnaire seine Partnerin war.

Weitere Filme mit Vincent Lindon: "Die Abrechnung" (1984), "Letzter Sommer in Tanger" (1986), "Leidenschaftliche Begegnung - A Man in Love" (1987), "Gaspard et Robinson" (1990), "Vite strozzate", "Besuch vom andern Stern" (1996), "Meine schöne Schwiegermutter" (1998), "Pas de scandale" (1999), "Mercredi folle journée", "Chaos" (beide 2001), "Vendredi soir", "Le coût de la vie" (beide 2002), "Das Zauberflugzeug" (2005), "Wenn wir zusammen sind", "Ohne Schuld" (beide 2008), "Welcome", "Mademoiselle Chambon" (beide 2009).

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