Die Mundari leben symbiotisch mit ihren großhornigen Rindern zusammen.
Naturfotograf Markus Mauthe und Regisseur Thomas Thielsch begeben sich in ihrem Dokumentarfilm "An den Rändern der Welt" auf die Spuren bedrohter Völker.

An den Rändern der Welt

KINOSTART: 01.11.2018 • Dokumentarfilm • D (2018) • 92 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
An den Rändern der Welt
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
D
Laufzeit
92 Minuten

Filmkritik

Paradise lost
Von Gabriele Summen

Markus Mauthe und Thomas Tielsch geben dem Zuschauer in dem Dokumentarfilm "An den Rändern der Welt" ein Gefühl für die Bedeutung des Verlusts indigener Volksstämme.

"Was können wir tun, um die Schönheit und Vielfalt der Erde zu erhalten?" Diese Frage treibt den bekannten deutschen Naturfotografen und Greenpeace-Aktivisten Markus Mauthe seit 30 Jahren um. Er hält Vorträge über seine Reisen und versucht mit atemberaubenden Bildern, möglichst viele Menschen mit seiner Begeisterung für intakte Natur und bedrohte Volksstämme anzustecken. Begleitet von Dokumentarfilmer Thomas Tielsch hat er drei Jahre für sein Buchprojekt "Lost" indigene Völker "An den Rändern der Welt" aufgesucht. Der Zuschauer wird Zeuge der aussterbenden, ganzheitlichen Lebensweise von Volksstämmen, die durch die wirtschaftlichen Interessen ihres jeweiligen Staates oder multinationaler Konzerne bedroht sind. Abholzung, pestizidverseuchte Riesenplantagen, Staudämme, Überfischung und nicht zuletzt Klimawandel heißen ihre Henker.

Die Reise beginnt mit unglaublichen Bildern der Volksgruppe der Mundari. Sie leben in enger symbiotischer Verbindung mit ihren großhornigen Rindern im Südsudan, einer Weltregion, in der seit Jahrzehnten bewaffnete Konflikte schwelen. Doch die Gemeinschaft dieser stolzen Menschen, die sogar ihre Kinder nach ihren Tieren benennen, ist völlig intakt. Sehr abrupt und dramaturgisch ungeschickt springt der Film zum nächsten bedrohten Volksstamm, die ebenfalls im Südsudan lebenden Suri, die sich vor den Unruhen auf einen kleinen Bergzug, das sogenannte Boma-Plateau, zurückgezogen haben.

Ein großes Plus des Dokumentarfilms wird hier deutlich: Tielsch und Mauthe gelingt es, die zurückgezogen lebenden Volksgruppen nicht als edle, aber befremdliche Wilde zu zeigen, sondern diese lebensklugen Menschen auch ernsthaft zu Wort kommen lassen. So erzählt der Anführer der Suri, wie er den Wald in "einen Teil für die Natur, einen für die Gärten" aufgeteilt hat. Die Ausbreitung der Gärten habe er gestoppt, denn ihm sei bewusst, dass der Wald die Wolken anzieht, die seinem Volk Regen, Wasser und damit Nahrung bringen. Eine ruhig vorgetragene Lektion in Sachen Nachhaltigkeit, die dem Zuschauer bewusst macht, dass mit dem Verlust dieser Volksstämme auch unschätzbar kostbares Wissen verloren geht.

Immer wieder zeigen Tielsch und sein Team, wie unsere dominante Zivilisation aus autarken Volksstämmen abhängige Randfiguren unserer Gesellschaft produziert. So wie die Mursi im Süden Äthiopiens: Ein gestauter Fluss nahm ihnen ihren Lebensraum, nun sehen sie sich gezwungen, gegen Geld mit ihrem traditionellen Schmuck für Fotos von Touristen zu posieren. Oder die Seenomaden Malaysias, die Bajau, die einst nur auf dem Wasser lebten, und durch Überfischung gezwungen wurden, sesshaft zu werden. Aus Verzweiflung jagen sie nun häufig mit Dynamit. Dies zerstört ihren plastikverseuchten Lebensraum auf längere Sicht vollends.

Eine kleine Erfolgsgeschichte hat der Film allerdings auch zu erzählen: Mit internationaler Hilfe konnte der in Brasilien lebende Volksstamm der Munduruku den Bau eines Megastaudamms in seinem traditionellen Lebensraum verhindern. Ursprünglich wollten Mauthe und Tielsch ihren Film "Hope" nennen, doch nachdem der Vorhang gefallen ist, wird jedem Zuschauer klar, dass nicht mehr viel Hoffnung vorhanden ist. Den "Fortschritt" kann man nur noch sehr vereinzelt aufhalten und ist soeben Augenzeuge verschwindender Paradiese geworden.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller

Neu im kino

Shattered – Gefährliche Affäre
Thriller • 2022
prisma-Redaktion
Guillermo del Toros Pinocchio
Animation • 2022
prisma-Redaktion
"Glass Onion: A Knives Out Mystery"
Komödie • 2022
Einfach mal was Schönes
Komödie • 2022
The Magic Flute – Das Vermächtnis der Zauberflöte
Musik • 2022
prisma-Redaktion
The Menu
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Mrs. Harris und ein Kleid von Dior
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Crimes of the future
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Es ist definitiv einer der Blockbuster des Jahres: Vier Jahre nach "Black Panther" startet das Sequel "Black Panther: Wakanda Forever" in den Kinos.
Black Panther: Wakanda Forever
Abenteuer, Action, Science-Fiction • 2022
prisma-Redaktion
Hui Buh und das Hexenschloss
Komödie • 2022
Wir sind dann wohl die Angehörigen
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Amsterdam
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
See How They Run
Mystery • 2022
prisma-Redaktion
Bros
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Rheingold
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Der Nachname
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Ist Teth-Adam alias Black Adam (Dwayne Johnson, Mitte groß) ein Helfer im Kampf gegen das Böse oder selbst eine Bedrohung?
Black Adam
Action, Fantasy, Science-Fiction • 2022
prisma-Redaktion
Lyle – Mein Freund, das Krokodil
Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Halloween Ends
Horror • 2022
"Nicht verrecken" erzählt von den Todesmärschen aus den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Ravensbrück 1945.
Nicht verrecken
Dokumentarfilm
Der Passfälscher
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Rimini
Drama • 2022
prisma-Redaktion
In einem Land, das es nicht mehr gibt
Drama • 2022
prisma-Redaktion
The Woman King
Action • 2022
prisma-Redaktion
Rex Gildo - Der letzte Tanz
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion
Im Westen nichts Neues
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Juan Romero (Elyas M'Barek) lassen seine Zweifel keine Ruhe. Er ist das filmische Pendant zu Juan Moreno und eine der beiden Hauptfiguren in Michael "Bully" Herbigs neuem Film "Tausend Zeilen", der den Fall Relotius satirisch aufarbeitet.
Tausend Zeilen
Drama, Komödie • 2022
prisma-Redaktion
Mittagsstunde
2022
Don't Worry Darling
Drama • 2022
prisma-Redaktion
Moonage Daydream
Dokumentarfilm • 2022
prisma-Redaktion

BELIEBTE STARS

Schauspieler Wolfgang Stumph, aufgenommen bei der MDR-Talkshow "Riverboat".
Wolfgang Stumph
Lesermeinung
Mickey Rourke, der James Dean für Anspruchslose.
Mickey Rourke
Lesermeinung
Ronald Zehrfeld in "Das unsichtbare Mädchen".
Ronald Zehrfeld
Lesermeinung
Lässiger Typ: Schauspieler Karl Urban.
Karl Urban
Lesermeinung
Klaus Kinski während einer Pressekonferenz anlässlich seines neuen Films "Kommando Leopard" im Hamburger Hotel "Atlantic".
Klaus Kinski
Lesermeinung
Oft in der Rolle des kantigen Querkopfs zu sehen: Ernest Borgnine
Ernest Borgnine
Lesermeinung
Beeindruckt mit natürlichem Spiel: Julia Brendler
Julia Brendler
Lesermeinung
Colin Firth wurde mit Filmen wie "Schokolade zum Frühstück" oder "The King's Speech" zum erfolgreichen Schauspieler.
Colin Firth
Lesermeinung
Emilia Clarke als Daenerys Targaryen in der Hit-Serie "Game of Thrones" (u.a. bei Sky zu sehen).
Emilia Clarke
Lesermeinung
Alan Rickman ist 2016 verstorben.
Alan Rickman
Lesermeinung
Beck (Peter Haber) muss den Mord an seiner Chefin aufklären.
Peter Haber
Lesermeinung
Oscar-Preisträger Eddie Redmayne.
Eddie Redmayne
Lesermeinung
Alter Hase im Showgeschäft: Toby Jones.
Toby Jones
Lesermeinung
Outete sich als Lesbe: Anne Heche.
Anne Heche
Lesermeinung
Tanzte sich als "Billy Elliot" in die Herzen der Zuschauer: Jamie Bell
Jamie Bell
Lesermeinung