Zain (Zain Al Rafeea) verklagt vor Gericht seine Eltern, weil sie nicht für ihn sorgen können.
Ein Film, der unter die Haut geht: "Capernaum - Stadt der Hoffnung"

Capernaum - Stadt der Hoffnung

KINOSTART: 17.01.2019 • Drama • RL (2018) • 126 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Capharnaüm
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
RL
Filmstudio
Boo Pictures, Mooz Films, Les Films des Tournelles, Open City Films, KNM, Synchronicity Films, Louverture Films, The Bridge Production
Budget
4.000.000 USD
Einspielergebnis
64.978.931 USD
Laufzeit
126 Minuten
Music
Khaled Mouzannar
Kamera
Christopher Aoun

Filmkritik

Eltern vor Gericht
von Claudia Nitsche

Eine Regisseurin aus dem Libanon stillt ihr Bedürfnis, das versteckte Gesicht Beiruts zu zeigen. Respekt vor Nadine Labaki, die hier den Scheinwerfer anmacht und die Kamera mitten im Leben aufstellt.

Die existenzielle Not, die man in "Capernaum – Stadt der Hoffnung" entdeckt, findet man in vielen Städten, überall auf der Welt. Was aber bei diesem sehr berührenden Drama zu beachten ist, ist der Untertitel. "Hoffnung", die man greifen kann. Äußerst wichtig bei einem hochemotionalen Film wie diesem ...

Ein Film über einen Zwölfjährigen zu sehen, der unfassbar erwachsen wirkt, der entschlossen ums Überleben kämpft – und dann nach Hause zu gehen und zu sagen: Was für ein toller Film – das funktioniert nicht. Denn dieses Drama wurde auf den Straßen gedreht, und es wirkt so wahrhaftig und real, weil die Laiendarsteller durchaus Parallelen mit ihren Rollen aufweisen. Da fehlten Papiere, da konnten Babys nicht zu ihrer Mutter und das, was man seinen Kindern zu essen gibt, wenn nichts anderes da ist, entspricht dem Alltag, in den die Darsteller nach den Dreharbeiten zurückgehen.

Die Realität spürt man in diesem unaufgeregt gefilmten Werk, in dem ein kleiner Junge seine Eltern verklagt. Der Zuschauer findet sich im Gerichtssaal wieder. Zain (Zain Al Refeea) wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt und verklagt im Gegenzug seine Eltern, weil sie ihn in diese Welt gesetzt haben – obwohl sie doch wussten, dass sie nicht für ihn sorgen können. Dieser dramaturgische Kniff hilft Labaki, ihre Geschichte in Rückblenden zu erzählen, ähnlich wie bei "Slumdog Millionär". Doch hier schockt anfangs jedes Bild.

Die Zustände in Zains Familie sind dramatisch. Er selbst würde gerne zur Schule gehen, statt zu arbeiten, noch schlimmer trifft es seine Schwester Sahar (Haita Izam), weil sie ein Mädchen ist. Die Mutter (Kawthar Al Haddad) und der Vater (Fadi Kamel Youssef) kommen zu Wort, der Zuschauer sieht viel vom Armenviertel in Beirut und wie man dort als illegaler Immigrant lebt.

Auch wenn Zain von zu Hause wegläuft und der Film lange vom Leben dort draußen erzählt, geht es um die Beschützerrolle, die der Junge völlig selbstverständlich ausübt. Der junge, hagere Darsteller stammt aus Syrien und konnte bis vor Kurzem keine Schule besuchen, 2012 war seine Familie in den Libanon geflüchtet. Inzwischen, und das sind die guten Nachrichten, von denen Nadine Labaki spricht, lebt er mit seiner Familie in Norwegen, hat Papiere und darf in die Schule.

Für ihn und die Darstellerin der alleinerziehenden jungen Mutter aus Eritrea konnte das Filmteam das Leben im Libanon legalisieren. Mit ihrem Film wollte Labaki den Menschen einen Raum geben, "in dem sie ihr Leid und das Unrecht hinausschreien dürfen und Gehör finden". So gab es keine Schonung, sondern absolute Aufrichtigkeit. "Es war entscheidend, dass die Darsteller die Bedingungen, die wir zeigen, kannten. Das gibt ihnen die Legitimation, über ihre Anliegen zu sprechen", erklärt die Regisseurin. Sogar der Richter ist im wirklichen Leben Richter.

Nur Labaki, die die Anwältin spielt, ist, wenn man so will, nicht echt. Ein Fakt, den die Regisseurin im Nachhinein bereute. Ihr Film wurde bereits in Cannes vom Publikum gefeiert und mit dem Preis der Jury ausgezeichnet. Er war für einen Golden Globe nominiert und ist Libanons Beitrag als bester fremdsprachiger Film bei den Oscars. Auch das sind gute Nachrichten.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Nadine Labaki
Weitere Darsteller
Zain Al Rafeea Yordanos Shifera Boluwatife Treasure Bankole Kawsar Al Haddad Fadi Kamel Yousef Cedra Izzam Alaa Chouchnieh Elias Khoury Nour el Husseini Joseph Jimbazian Samira Chalhoub Farah Hasno

Neu im kino

Klara und die Sonne (2026)
Klara und die Sonne
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
By Any Means (2026)
By Any Means
Thriller • 2026
prisma-Redaktion
Die Blutgräfin (2026)
Die Blutgräfin
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Der perfekte Urlaub (2026)
Der perfekte Urlaub
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Clayface (2026)
Clayface
Horror • 2026
prisma-Redaktion
Ali G: Who Iz I? (2026)
Ali G: Who Iz I?
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte (2026)
Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Street Fighter (2026)
Street Fighter
Action • 2026
prisma-Redaktion
Whalefall (2026)
Whalefall
Thriller • 2026
Sinn und Sinnlichkeit (2026)
Sinn und Sinnlichkeit
Drama • 2026
prisma-Redaktion
The Social Reckoning (2026)
The Social Reckoning
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Alte Liebe (2026)
Alte Liebe
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Lügen über meine Mutter (2026)
Lügen über meine Mutter
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Digger (2026)
Digger
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Verity – Dunkle Geheimnisse (2026)
Verity – Dunkle Geheimnisse
Mystery • 2026
prisma-Redaktion
Corpus Delicti (2026)
Corpus Delicti
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Emil und die Detektive (2026)
Emil und die Detektive
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Eiserne Wildnis – Heart of the Beast (2026)
Eiserne Wildnis – Heart of the Beast
Abenteuer • 2026
prisma-Redaktion
Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise (2026)
Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise
Familie • 2026
prisma-Redaktion
Adams Acht (2026)
Adams Acht
Drama • 2026
prisma-Redaktion
Coyote vs. ACME (2026)
Coyote vs. ACME
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern (2026)
Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern
Liebesfilm • 2026
prisma-Redaktion
Bad Apples (2026)
Bad Apples
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Oasis: Don't Look Back in Anger (2026)
Oasis: Don't Look Back in Anger
Dokumentarfilm • 2026
prisma-Redaktion
Vaterland (2026)
Vaterland
Drama • 2026
prisma-Redaktion
That's Why the Lady Is A Champ (2025)
That's Why the Lady Is A Champ
Historie • 2025
prisma-Redaktion
Das gewisse Etwas (2026)
Das gewisse Etwas
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
Das Ende der Sterne (2026)
Das Ende der Sterne
Science Fiction • 2026
prisma-Redaktion
Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos (2026)
Oh la la 2 – Neue Tests, neues Chaos
Komödie • 2026
prisma-Redaktion
One Night Only (2026)
One Night Only
Komödie • 2026
prisma-Redaktion