So reist man heute: Ralph und Vanellope staunen, als sie zum ersten Mal das Internet betreten.
Mit "Chaos im Netz" kehrt der sympathische Videospiel-Held Ralph zurück - und muss sich mit dem Neuland Internet auseinandersetzen.

Chaos im Netz

KINOSTART: 24.01.2019 • Animationsfilm • USA (2018) • 113 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Ralph Breaks the Internet
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
USA
Budget
175.000.000 USD
Einspielergebnis
473.835.027 USD
Laufzeit
113 Minuten

Filmkritik

Ralph im Neuland
Von Anne Funk

Mit "Chaos im Netz" bringt Disney die Fortsetzung des erfolgreichen Animationsabenteuers "Ralph reichts" ins Kino. Der Film balanciert gekonnt zwischen Hommage und Selbstironie.

Im Jahr 2012 hatte Ralph genug: genug davon, ein Bösewicht zu sein, genug davon, ausgegrenzt zu werden, genug davon, keine Freunde zu haben. Das änderte sich in "Ralph reichts", dem ersten Teil des Disney-Märchens über den Protagonisten des alten Arcade-Spiels "Fix It Felix Jr." Nun kehrt Ralph zurück – doch während der sympathische Held sein Leben in geregelten Bahnen genießt, ist seine Freundin Vanellope von Schweetz alles andere als zufrieden.

Die Rennfahrerin aus dem Spiel "Sugar Rush" ist es nun, die genug von allem hat: von ihrem Spiel, von den immergleichen Rennstrecken – Tag ein, Tag aus derselbe Ablauf. Als aber das Spiel abgeschaltet werden soll, gerät die sonst so quirlige Vanellope in eine tiefe Lebenskrise. Da "Chaos im Netz" vor allem eine Geschichte über Freundschaft ist, nimmt Ralph die Dinge in die Hand und macht sich zusammen mit seiner kleinen Freundin auf ins Neuland Internet. Möglich macht das die Neuanschaffung von Spielhallen-Besitzer Mr. Litwak: ein W-Lan-Router.

"Chaos im Netz" ist eine der wenigen Fortsetzungen eines Animationsfilms aus dem Hause Disney – und es ist wohl nicht vermessen zu behaupten, dass es auch die erfolgreichste werden wird. Bereits vor dem Deutschlandstart konnte das Sequel mehr als 435 Millionen US-Dollar einspielen – eine Summe, die weder "Fantasia 2000" (1999) noch "Bernard und Bianca im Känguruland" (1990) erreichen konnten. Dass sich die Fortsetzung finanziell für Disney gelohnt hast, steht außer Frage. Doch auch inhaltlich ist das 2.0-Abenteuer von Ralph eine logische Konsequenz des ersten Teils. Und die wussten die Regisseure Rich Moore und Phil Johnston mit Bravour umzusetzen.

Disney kann auch selbstironisch

Wie man es vom Micky-Maus-Konzern gewohnt ist, wurde "Chaos im Netz" mit viel Liebe zum Detail und zum Animations- Handwerk erschaffen. Seien es die Augen der Suchmaschine KnowsMore, die trotz Computertechnik per Hand animiert wurden, oder die Darstellung von 8-Bit-Games-Helden, Gastauftritten aus Marvel-Streifen und alten Disney-Filmen. Es liegt so nahe, aus dem Vollen der Disney-Vergangenheit zu schöpfen: Wenn Vanellope sich in die Garderobe sämtlicher Disney-Prinzessinnen verirrt, gehört das wohl zu den lustigsten Szenen, die Disneys Kreative bisher erschaffen haben.

Dabei ist vor allem die perfekte Balance zwischen Selbstironie und Hommage hervorzuheben. Von den royalen Schönheiten wird Vanellope belehrt, wenn sie nur einen besonderen Herzenswunsch habe und dabei sehnsüchtig auf Wasser starre, würde auch sie ihr persönliches Lied singen können – wie es Schneewittchen, Arielle und Co. bereits vor ihr taten. Dass Vanellopes Song schlussendlich "A Place Called Slaughter House" (zu Deutsch: "Ein Ort namens Schlachthaus") heißt, statt einem weißen Täubchen eine graue Straßen-Taube mit nur einem Bein auf ihrer Hand landet und das Wasser, auf das sie starrt, eine dreckige Pfütze auf dem Asphalt ist, zeugt eben genau von dieser Balance.

Wollte man seiner Großmutter erklären, was das Internet genau ist – man würde es wohl genau so versuchen: eine Mega-City, größer als New York. Massen an Menschen in Form von Avataren, die sich durch das unermessliche Angebot der Websites wühlen, sich im Social District vergnügen, Web-Berühmtheiten Herzen zuwerfen oder auf der Homepage von Disney testen, welche Prinzessin ihre beste Freundin ist. Auch die dunkle Seite des Internets hat ihren Platz: Wenn Ralph zufällig auf die Kommentare unter seinen selbst produzierten Videos stößt, bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Ob wegen der fiesen Kommentare oder weil man sich der Tatsache bewusst wird, wie sehr sich gerade hier die digitale Realität widerspiegelt – es ist wohl von beidem etwas.

"Chaos im Netz" ist perfekte Disney-Unterhaltung für jede Altersgruppe. Dank ironischer und kritischer Zwischentöne, Anspielungen auf Popkultur und gut platzierter Gags werden sich auch Erwachsene gut aufgehoben fühlen. Ein Tipp, den Marvel-Fans schon lange beherzigen, sei noch angebracht: Unbedingt beim Abspann sitzen bleiben, auch hier hat sich Disney noch ein (Pfannkuchen-)Schmankerl gegönnt.


Quelle: teleschau – der Mediendienst

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