Schrieb trotz Berufsverbots für die UFA: Erich 
Kästner  
Schrieb trotz Berufsverbots für die UFA: Erich 
Kästner  

Das verlorene Gesicht

KINOSTART: 01.01.1970 • Filmdokumentation • Deutschland (1986)
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Produktionsdatum
1986
Produktionsland
Deutschland
März 1945. Aus dem brennenden Berlin bricht eine seltsame Expedition auf: 60 Männer der UFA, Kameraleute, Masken- und Bühnenbildner, Schauspieler transportieren auf Lastwagen die komplette Ausrüstung für eine Spielfilmproduktion nach Mayrhofen in Tirol. Ihr selbst gestellter Auftrag: ein Bergfilm für den Endsieg.

Ein Mitglied dieses Unternehmens ist auch der Schriftsteller Erich Kästner. 1933 wurden seine Bücher verbrannt. Der "Asphaltliterat", der er in den Augen der Nazis war, durfte seitdem in Deutschland kein Buch mehr veröffentlichen. Auch bei der UFA, bei der ihm Freunde eine Arbeitsmöglichkeit verschafften - 1942 schreibt Kästner unter dem Pseudonym Bertold Bürger das Drehbuch zum UFA-Jubiläumsfilm über den Lügenbaron Münchhausen - hat er Beschäftigungsverbot. Doch im Frühjahr 1945 wird er von seinen Freunden bei der UFA mit gefälschten Papieren als Drehbuchautor ins rettende Tirol geschmuggelt. Der Titel des Films, der niemals gedreht werden sollte: "Das verlorene Gesicht". Ohne einen Meter Rohfilm in den Kassetten agieren Schauspieler und Produktionsstab in der Tiroler Bergwelt. Der Bluff funktioniert. Alle Bemühungen der Nazis, die UFA-Leute doch noch an die Front zu schicken, scheitern an der "kriegswichtigen Filmproduktion". In stenografischen Notizen hat Kästner die Tragikomödie vom Überleben im Zusammenbruch festgehalten. Erst 1960 veröffentlichte er Teile seines Tagebuchs unter dem Titel "Notabene 45", eine Satire auf das Ende des Dritten Reiches als einer schlechten Inszenierung. Heinrich Breloer ist dem Bericht Kästners nachgegangen und hat mit den Hauptdarstellern dieser Filmgroteske, Hannelore Schroth und Ulrich Haupt, den Menschen in Mayrhofen und Lotte Enderle, der Lebensgefährtin Kästners, die Geschichte rekonstruiert. Kästners bittere Prognose über die damaligen Nazis in Mayrhofen - "solche Leute werden gebraucht, sie sind immer die ersten" - erwies sich als nur zu richtig. Ein ehemaliger SS-Mann war lange Zeit Bürgermeister des Kurortes. Von den in Mayrhofen vergrabenen Filmdosen und versteckten Kameras fand sich hingegen keine Spur - bis auf ein kurioses Relikt: eine alte Kiste mit dem Signet der UFA. 

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