Churchill (Gary Oldman) findet in seiner Frau Clementine (Kristin Scott Thomas) immer wieder Halt und ein moralisches Korrektiv.
Im Winston-Churchill-Biopic "Die dunkelste Stunde" muss der "größte Brite des 20. Jahrhunderts" sein Land auf einen verlustreichen Kampf gegen Hitlers Barbarei einschwören.

Die dunkelste Stunde

KINOSTART: 18.01.2018 • Drama • GB (2017) • 126 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Darkest Hour
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
GB
Filmstudio
Working Title Films, Perfect World Pictures, Focus Features
Budget
30.000.000 USD
Einspielergebnis
23.326.287 USD
Laufzeit
126 Minuten
Regie
Joe Wright
Music
Dario Marianelli
Kamera
Bruno Delbonnel, Des Whelan, Jack English

Filmkritik

Blut, Schweiß und Tränen
von Andreas Fischer

Gary Oldman liefert in dem Biopic "Die dunkelste Stunde" eine oscarreife Vorstellung ab. Als britischer Premierminister Winston Churchill lässt er sein Land gegen die Hitler-Barbarei einschwören.

Winston Churchill war ein Mann, an dem sich viele Briten reiben konnten. Als er 1940 zum Premierminister des Vereinigten Königreichs ernannt wurde, war er keineswegs so beliebt, wie er im von historischer Patina getrübten Rückblick heute erscheinen mag. Ganz im Gegenteil. Knorrig, unbequem, exzentrisch – ein Politiker, der aneckte, aber erfüllt war von Pflichtbewusstsein. Und einer, der sich für seine Überzeugungen einsetzte, auch wenn sie nicht opportun waren. "Die dunkelste Stunde" ist der zweite Film innerhalb eines halben Jahres über den "größten Briten des 20. Jahrhunderts". Inszeniert hat ihn Joe Wright, der sich im Kino sehr elegant in vergangenen Zeiten bewegen kann ("Stolz & Vorurteil", "Abbitte").

Während "Churchill" (Regie: Jonathan Teplitzky) seinen Protagonisten bei den Vorbereitungen der Landung der Alliierten in der Normandie begleitete, zeigt ihn "Die dunkelste Stunde" nun zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Dass Churchill im Mai 1940 Premierminister wurde, passte nicht jedem Briten. Beliebt war der streitbare Politiker nicht, weder beim Volk noch im Londoner Politikbetrieb. Der König (Ben Mendelsohn) hatte gar Angst vor dem Mann, der mit seiner glänzenden Rhetorik durchaus einschüchternd wirken konnte.

Oscarreifes Spiel von Gary Oldman

Gespielt wird Churchill von Gary Oldman, den man sich eigentlich so gar nicht in dieser Rolle vorstellen kann. Weil aber die Make-up-Abteilung fantastische Arbeit leistete und Oscar-Favorit Oldman eine feine Balance findet zwischen der historischen Wucht seiner Figur und ihren menschlichen, zweifelnden Seiten, hat man nach wenigen Auftritten vergessen, dass da ein Schauspieler auf der Leinwand zu sehen ist.

Vielmehr sieht man einen Politiker, der im Gegensatz zu seinen Widersachern eine klare Haltung hat, die er auch gegen große Widerstände verteidigt. Während das politische Establishment in London die "Appeasement"-Politik fortsetzen wollte und immer noch auf eine Einigung mit Hitler-Deutschland hoffte, stellte sich Churchill mit aller Macht gegen die Barbarei.

Er wollte keineswegs zurückweichen, wohlwissend, dass diese Haltung eine große Opferbereitschaft seiner Landsleute erforderte. In einer seiner wichtigsten Reden schwor der begnadete Rhetoriker seine Landsleute auf einen Kampf voller "Blut, Schweiß und Tränen" ein und stellte damit die Frage, welchen Preis die Gesellschaft für die Freiheit zu zahlen bereit ist.

Ablenkung vom Wesentlichen

Die großen Momente des Films sind die, in denen Regisseur Joe Wright die präzisen Dialoge des Drehbuchs von Anthony McCarten in den Mittelpunkt seiner Inszenierung stellt. Denn neben Oldmans Churchill machen der Umgang mit der Sprache, die kernigen Reden und geschliffenen Wortgefechte "Die dunkelste Stunde" zu einem sehenswerten Film, viel mehr als die aufgeplusterte visuelle Opulenz. Die teilweise schwülstige Ikonisierung Churchills, zu der sich Joe Wright hinreißen ließ, hätte der Film jedenfalls nicht nötig gehabt. Sie lenkt nur ab vom Wesentlichen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

König der Nebenrollen: David Strathairn.
David Strathairn
Brillant und bescheiden: Gary Oldman.
Gary Oldman
Kristin Scott Thomas
Stephen Dillane
Weitere Darsteller
Ben Mendelsohn Lily James Ronald Pickup Nicholas Jones Samuel West David Schofield Richard Lumsden Malcolm Storry Hilton McRae Benjamin Whitrow Joe Armstrong Adrian Rawlins David Bamber Paul Leonard Eric MacLennan Philip Martin Brown Demetri Goritsas Jordan Waller Alex Clatworthy Mary Antony Bethany Muir Anna Burnett Jeremy Child Brian Pettifer Michael Gould Paul Ridley Robin Pearce Michael Bott Olivier Broche Mario Hacquard Pip Torrens Edmund Wiseman Hannah Steele Nia Gwynne Ade Dee Haastrup James Eeles Flora Nicholson Bronte Carmichael Roisin O'Neill John Locke Joanna Neary Richard Glover Tom Ashley Joshua Higgott Imogen King Miles Gallant Faye Marsay John Atterbury James Harkness Joshua James Charley Palmer Rothwell Patsy Ferran Sarah Flind Steffan Donnelly Kieran Buckeridge Johnny Otto Nick Howden-Steenstra

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