Sechs Fremde glauben, an einem Live-Spiel teilzunehmen, finden sich aber plötzlich in einer Falle wieder: In "Escape Room" wird aus Spaß ziemlich schnell tödlicher Ernst.

Seit Jahren boomen in Deutschland sogenannte Escape Rooms, mehr als 500 soll es hierzulande schon geben. Das Prinzip der Spiele ist einfach: Die Teilnehmer lassen sich in ein Zimmer sperren und müssen sich innerhalb einer vorgegebenen Zeit durch das Lösen von Knobelaufgaben befreien. Für Menschen mit Platzangst klingt das nach dem reinsten Horrorszenario. Dieses beängstigende Potenzial der Live-Spiele hat jetzt auch Hollywood für sich entdeckt: Im Thriller "Escape Room", der sechs Fremde in einem alten, leerstehenden Bürogebäude zusammenbringt, wird aus dem Spiel tödlicher Ernst.

Nachdem sie eine geheimnisvolle Box mit der Einladung zu einem Spiel erhalten haben, treffen Zoey (Taylor Russell), Amanda (Deborah Ann Woll), Danny (Nik Dodani), Ben (Logan Miller), Jason (Jay Ellis) und Mike (Tyler Labine) in einem Wartezimmer erstmals aufeinander. Als Ben den Raum kurzzeitig verlassen will, hält er plötzlich den Türgriff in der Hand. Und den Anwesenden wird sofort klar, dass der Wettkampf um die Erfolgsprämie von 10.000 Dollar bereits begonnen hat. Nur wenig später wird es dann ernst: Der Escape Room entpuppt sich als mörderische Falle.

Die Prämisse um eine Gruppe eingeschlossener Menschen gehört zum Standardrepertoire des Spannungskinos, bringt aber auch leider sehr häufig einfallslose Möchtegern-Schocker hervor. Wie in vielen derartigen Filmen marschieren auch in "Escape Room" stereotype Protagonisten auf, denen das Drehbuch keine komplexen Persönlichkeiten zugesteht. Immer mal wieder reißen Regisseur Adam Robitel ("Insidious: The Last Key") und die Autoren Maria Melnik ("American Gods") und Bragi F. Schut ("Der letzte Tempelritter") Hintergrundgeschichten an; emotionalen Mehrwert haben die Charakterschnipsel jedoch nicht. Sind sie vor allem zweckmäßig. Denn irgendwann begreifen die Figuren, dass sie keineswegs zufällig Teil des tödlichen Spiels geworden sind.

Dramaturgisch nicht besonders clever ist die Einführung in das Geschehen. In den ersten Minuten werden nur drei der sechs Protagonisten etwas genauer vorgestellt. Wer später am längsten überleben wird, lässt sich so recht leicht erraten. Ein wenig plump und überambitioniert fällt zudem das Finale aus. Hier schlagen die Macher in Holzhammermanier gesellschaftskritische Töne an und treffen eher lieblos Vorbereitungen für eine mögliche Fortsetzung.

Erstaunlicherweise schmälern diese Holprigkeiten den Unterhaltungswert allerdings nur bedingt. Anders als man es aus vielen Horrorthrillern gewohnt ist, versuchen Zoey und ihre Mitstreiter durchaus, ihren Kopf zu benutzen. Statt endlos ermüdende Streitereien loszutreten, setzt das Skript auf sporadische Aggressionsausbrüche und lässt die Spieler überraschend oft nach einem gemeinsamen Weg aus der Misere suchen.

Die nicht gerade bahnbrechenden, aber doch amüsanten Rätsel werden mit nervenaufreibenden körperlichen Herausforderungen kombiniert. Besonders eindrucksvoll ist das akribisch ausgearbeitete, abwechslungsreiche Szenenbild von Edward Thomas. Da geht es für die Spieler schon mal in eine verschneite Berglandschaft oder in eine auf dem Kopf stehende Billard-Bar, in der die durchtrainierte Amanda vollen Einsatz bringen muss. Bei dieser Konkurrenz kann wohl jeder der 500 deutschen Escape Rooms einpacken.


Quelle: teleschau – der Mediendienst