Eintritt zahlen, um sich gepflegt erschrecken zu lassen: Was hierzulande fast ausschließlich in Geisterbahnen von Jahrmärkten und Freizeitparks geschieht, ist in Nordamerika ein allerorten boomendes Geschäft. Kommerziell betriebene Horrorhäuser schießen dort wie Pilze aus dem Boden, locken mit den vermeintlich härtesten Erfahrungen und ziehen vor allem rund um Halloween enorme Besuchermassen an. Dieses Phänomen nutzt das Regiegespann Scott Beck und Bryan Woods in seinem neuen Film "Halloween Haunt" als Aufhänger für einen deftigen Überlebenskampf, der sicher keinen Originalitätspreis verdient, aber doch einige nervenaufreibende Momente bereithält.

Am Abend des Halloween-Festes will sich die Studentin Harper (Katie Stevens) am liebsten so tief wie möglich in ihrer Wohnheimbude verkriechen. Denn groß ist ihre Angst vor ihrem gewalttätigen Freund, den sie gerade mehr oder weniger abgeschossen hat. Ihre Mitbewohnerinnen bearbeiten sie allerdings so lange, bis sich Harper einen Ruck gibt und sie zu einer Kostümparty begleitet.

Im Club lernen die Frauen zwei Männer kennen und lassen sich irgendwann zum Besuch einer Gruselhausattraktion überreden. Als sie mitten in der Pampa ein Auto abzuhängen versuchen, das sie zu verfolgen scheint, landen sie bei einer alten, zu einem Schreckensparcours umfunktionierten Lagerhalle. Am Eingang müssen die Adrenalinjunkies ihre Mobiltelefone abgeben und einen Haftungsausschluss unterzeichnen. Dann kann das Vergnügen losgehen. Das Labyrinth erweist sich jedoch als mörderischer Hinterhalt.

Simpel, aber effektiv

Nachdem Scott Beck und Bryan Woods zuletzt als Drehbuchautoren am cleveren Endzeitstreifen "A Quiet Place" beteiligt waren, wenden sie sich in ihrer gemeinsamen Regiearbeit nun lustvoll dem Groben zu. Ihre Prämisse ist alles andere als neu: Junge Menschen laufen irgendwo im Nirgendwo in ihr Verderben. Charakterzeichnung wird dabei kleingeschrieben, auch wenn zumindest Harper eine – allerdings etwas aufgesetzt wirkende – traumatische Hintergrundgeschichte bekommt. Vom Plot darf man nicht mehr erwarten, als dass die Spuktouristen verzweifelt um ihr Leben rennen und nacheinander in den Beton des unheimlichen Lagerhauses beißen. Wie so oft in Abzählthrillern dieser Art ist es mit der Logik nicht weit her.

Trotz des simplen Strickmusters lässt "Halloween Haunt" den Puls des Zuschauers aber ein ums andere Mal nach oben schnellen. Die Protagonisten mögen sich naiv verhalten; die schnörkellose, effektive Inszenierung des Regiegespanns nutzt den beengten Raum des Horrorhauses allerdings geschickt, um ein handfestes Gefühl der Beklemmung zu erzeugen. Und auch die Gestaltung des ranzigen, schwer überschaubaren Settings, dessen Räumlichkeiten mit tödlichen Fallen und perfiden Rätselaufgaben aufwarten, trägt zum Nervenkitzel bei.

Beck und Woods spielen mit ihrem bisweilen wenig zimperlichen Reißer ungefähr in der Liga des diesjährigen Knobel-Schockers "Escape Room", der aus wenig Handlung überraschend viel Spannung zog. Das in die Länge gezogene Finale von "Halloween Haunt" stößt dann aber doch sauer auf. Der Nachklapp ist komplett überflüssig, da er hastig hingerotzt wird und keinerlei Mehrwert bietet. Das Gespür für den richtigen, wirkungsvollsten Schlusspunkt geht den Filmemachern hier leider völlig ab.

Quelle: teleschau – der Mediendienst