Polizistin Yvonne (Adèle Haenel) will verhindern, dass der unschuldig verurteilte und vorzeitig freigelassene Antoine (Pio Marmaï) doch noch kriminell wird - und findet sich mit ihm in einem gestohlenen Auto wieder.
Die Komödie "Lieber Antoine als gar keinen Ärger" begeisterte im Herkunftsland Frankreich Zuschauer und Kritiker zugleich.

Lieber Antoine als gar keinen Ärger

KINOSTART: 24.10.2019 • Komödie • F (2018) • 109 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
En Liberté!
Produktionsdatum
2018
Produktionsland
F
Laufzeit
109 Minuten

Filmkritik

Die Wachsame
Von Andreas Günther

Wild und warmherzig, weise und sehr witzig: Die französische Komödie "Lieber Antoine als gar keinen Ärger" manövriert virtuos zwischen tiefschwarzem Humor, rühriger Romanze und Schulddrama. Als Schutzengel eines Kriminalitätsgefährdeten gerät die superbe Adèle Haenel dabei in haarsträubende Bedrängnisse.

Der unschuldig verurteilte und deshalb vorzeitig entlassene Antoine (Pio Marmaï) sitzt mit seiner Frau Agnès (Audrey Tautou) im Restaurant. Er wirkt seltsam, geht mit der Ankündigung hinaus, Zigaretten holen zu wollen. Draußen schnappt er sich dann einen Müllsack, reißt Löcher für die Augen und den Mund hinein, stülpt ihn sich über und überfällt brüllend einen Tabakladen. An einem Brunnen raucht er die erbeuteten Zigaretten, der Qualm strömt ihm auch aus den Augenlöchern. Im Gesicht von Polizistin Yvonne (Adèle Haenel), die Antoine gefolgt war, schlägt Entsetzen um in Belustigung und Belustigung in Entsetzen. Mit dieser Balance von Brutalität und Humor sorgt Pierre Salvadoris Film "Lieber Antoine als gar keinen Ärger" für eine Schaukelpartie der Gefühle und gibt unerwarteterweise auch der Liebe eine Chance.

Alles beginnt damit, dass Yvonne feststellen muss, dass ihr im Einsatz getöteter Kollege und Ehemann keineswegs der Held war, als den sie ihn ihrem Sohn in den Gutenachtgeschichten präsentiert. Vielmehr war er korrupt und hat ein Doppelleben als Krimineller geführt. Die Missetaten ihres Mannes bereiten Yvonne nun ein schlechtes Gewissen. Als Erstes holt sie Antoine aus dem Gefängnis. Der ehemalige Goldschmied musste als Sündenbock für den Überfall auf ein Juweliergeschäft herhalten, den Yvonnes Mann verübt hatte.

Anfangs will Yvonne einfach sichergehen, dass Antoine mit seiner Frau Agnès wieder glücklich wird. Aber offenbar hat die Gesellschaft richtiger Krimineller auf Antoine so sehr abgefärbt, dass er nicht nur Tabakläden überfällt, sondern auch Luxusautos knackt, Discobesucher besinnungslos prügelt – und nun selbst ein Schmuckgeschäft ausrauben will. Yvonne, die Antoine erzählt, sie sei eine Prostituierte, versucht, das Schlimmste zu verhindern. Doch jede Bemühung bringt sie selbst ein Stück weiter auf die Seite der Gesetzlosigkeit.

Mit dem Herzen sehen

Die Lügengeschichten über Yvonnes heldenhaften Gatten, die sich durch "Lieber Antoine als gar keinen Ärger" ziehen, sind Festivals des schwarzen Humors, die Wiederbegegnung zwischen Antoine und Agnès gerade durch das Streben nach Perfektion rührend und Yvonnes Verlangen nach Erlösung von fremder Schuld mitreißend.

Der ironische deutsche Filmtitel "Lieber Antoine als gar keinen Ärger" gibt ganz gut die Vertracktheit der Geschichte wieder, die Regisseur Salvadori erzählt. Der französische Originaltitel "En liberté!", also: "In Freiheit!", ist jedoch näher am Kern des Films. Denn es geht auch um die Freiheit der Akteure. Die Darsteller zeigen dies überragend. Für Antoine ist die Freiheit klaustrophobisch, weil sie ihn manisch zum Verbrechen zwingt und damit zur Verzweiflung treibt. Yvonne nimmt sich die Freiheit, der Wahrheit ins Auge zu sehen und außer Dienst über Antoine zu wachen.

Weil Yvonne sein Unglück bald mit dem ganzen Herzen sieht, bedarf es schon eines inszenierten Polizeieinsatzes auf dem Jahrmarkt, damit sie die Gefühle entdeckt, die ihr Kollege Louis (Damien Bonnard) für sie hegt. In den Stärken und Schwächen dieser Wachsamkeit, der Adèle Haenel tiefe Ergriffenheit schenkt, ohne den leichten Ton einzubüßen, stecken Wildheit und Warmherzigkeit, Weisheit und Witz von "Lieber Antoine als gar keinen Ärger".

Quelle: teleschau – der Mediendienst

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