Juliette Binoche spielt die Künstlerin Isabelle, von deren Arbeit wir nichts erfahren, aber umso mehr von ihrem Männerstress.
"Meine schöne innere Sonne", der Eröffnungsfilm des Münchner Filmfests 2017, will von Liebe erzählen und kreist doch fast nur um Sex - und Selbstmitleid.

Meine schöne innere Sonne – Isabelle und ihre Liebhaber

KINOSTART: 14.12.2017 • Komödie • F / B (2017) • 95 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Un Beau Soleil Intérieur
Produktionsdatum
2017
Produktionsland
F / B
Filmstudio
Ad Vitam Production, Curiosa Films, Versus Production, Playtime
Budget
2.978.000 USD
Einspielergebnis
4.192.590 USD
Laufzeit
95 Minuten
Regie
Claire Denis
Music
Stuart Staples, Tindersticks
Kamera
Christine Tamalet, Agnès Godard

Filmkritik

Herzlose Elite
von Andreas Günther

Juliette Binoche ist in dem Film "Meine schöne innere Sonne" als Künstlerin Isabelle zu sehen, die auf der Suche nach wahrer Liebe ist. Dumm nur, dass davon nichts zu sehen ist. Stattdessen gibt es bloß, Sex, Dekolletés und Selbstmitleid

In einem Diskoschuppen mit Glitzerkugel irgendwo in der Provinz hängt die Künstlerin Isabelle (Juliette Binoche) mit ihren Galeristenfreunden ab. Dann taucht Sylvain (Paul Blain) auf. Sie schaut ihm ins markige Gesicht. Er guckt auf ihre Brust. Sie erhebt sich und beginnt mit geschlossenen Augen zu tanzen. Ein melancholisch-verträumtes Instrumentalstück genügt, um die beiden schwofend sich aufeinander zubewegen zu lassen. Es fällt dem Kino relativ leicht, magische Momente der Begegnung einzufangen. Die große Kunst beginnt erst dann, wenn Zusammenleben zu zeigen ist. Da kommt "Meine schöne innere Sonne" nie an. Außer den äußerlichen Reizen fällt Regisseurin Claire Denis und Christine Angot, mit der sie das Drehbuch verfasst hat, nur noch das Gejammer darüber ein, dass romantische Träumereien unerfüllt bleiben.

Sylvain ist nur einer von vielen Kandidaten für das "große Abenteuer der Zweisamkeit", das Isabelle angeblich sucht. Immerfort spricht sie über "die Liebe" und "das Leben". Aber beides scheint sich nur im Bett für sie zu manifestieren, mit wechselndem Geschick. Wenn ihr wohl vermögendster Liebhaber, der Bankier Vincent (Xavier Beauvois), sie kurz nach beiderseitigem Höhepunkt fragt, ob sie bei ihrem Ex-Freund auch so schnell gekommen sei, ist sie tief verletzt. Sie bricht in Schluchzen und Tränen aus, wirkt wie apathisch durch den inneren Schmerz.

Umso größeren Eroberungsdrang legt sie bei einem jugendlichen Schauspieler (Nicolas Duvauchelle) an den Tag. Mit kaum unterdrückter Lüsternheit folgt sie dem Bericht über seine scheiternde Ehe, eine Entwicklung, die, wie er sagt, nur ihm bewusst sei. Der Sex mit ihm ist wunderbar! Nur neigt er bedauerlicherweise zum Grübeln: Vor der Kopulation sei ihm lieber als das Danach mit all den Schwierigkeiten. Isabelle versucht ihr Bestes, ihn zur Fortsetzung ihrer Affäre zu bewegen: Jedes "Danach" sei doch auch wieder ein "Davor", oder?

"Meine schöne innere Sonne" hätte ein großes Drama oder sogar eine große Komödie werden können – über eine Frau um die 50, die Sex für Liebe hält und also kräftig irrt und keine stabile Beziehung bildet, weil diese gar keinen gelebten Alltag erhält. Stattdessen macht sich der Film die Perspektive der Hauptfigur zu eigen und damit auch ihre Selbsttäuschungen und beschränkten Vorstellungen. Isabelle ist allen Ernstes als Idealistin porträtiert, die die Männer mit Ausflüchten und Fauxpas demütigen, auch ihr Ex-Gatte François (Laurent Grévil). Die Versöhnung mit ihm scheitert daran, dass er eine Geste wiederholt, die er offenbar aus einem Porno aufgeschnappt hat.

Indem das Drehbuch von den ganz großen Gefühlen schwätzt, hält es sie so abstrakt und fern, wie auch Isabelles künstlerische Arbeit und ihre Rolle als Mutter einer halbwüchsigen Tochter bleibt. Und redet sich pauschal mit der habituellen Herzlosigkeit der Pariser Kreativen- und Galeristenelite heraus, die als allgemeiner Weltschmerz gelten soll. Wer im Kino sitzen bleibt, erlebt irgendwann die Gastrolle von Gérard Depardieu als Wahrsager, der einen Anhänger über den Fotos von Isabelles Geliebten pendeln lässt. Nur hier kommt ein komödiantischer Ton auf. Doch er ist zugleich Ausdruck der unüberwindlichen Verlegenheit von "Meine schöne innere Sonne", mit dem gewählten Thema nicht zurechtzukommen.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Darsteller

Schauspielerisches Schwergewicht aus Frankreich: Gérard Depardieu.
Gérard Depardieu
Josiane Balasko
Superstar aus Frankreich: Juliette Binoche
Juliette Binoche
Interessant und vielschichtig: Valeria Bruni-Tedeschi
Valeria Bruni-Tedeschi
Weitere Darsteller
Xavier Beauvois Philippe Katerine Sandrine Dumas Nicolas Duvauchelle Alex Descas Laurent Grévill Bruno Podalydès Paul Blain Claire Tran Schemci Lauth Charles Pépin Tania de Montaigne Bertrand Burgalat Lucie Borleteau Walid Afkir Suzanne Osborne Roger Martínez

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