Am Anfang stand der Traum von der harmlosen und völlig ungefährlichen Schlaftablette: Contergan wurde rezeptfrei an Millionen von Frauen - darunter auch viele Schwangere - abgegeben. Doch aus dem Wunsch- wurde ein Albtraum: 5000 Kinder wurden mit schwersten Missbildungen geboren, nur die Hälfte überlebte. Weltweit sind 12000 Contergan-Opfer registriert. Eines dieser Opfer ist der Kölner Filmemacher Niko von Glasow, der an seinen kurzen Arme selbst als längst erwachsenes "Contergankind" zu erkennen ist. Für seinen Dokumentarfilm ging der Regisseur auf die Suche nach elf durch Contergan geschädigte Menschen, die wie er bereit waren, sich nackt fotografieren zu lassen...

Nicht erst durch die Ausstrahlung von Adolf Winkelmanns Fernseh-Zweiteiler "Contergan" ("Contergan - Eine einzige Tablette", "Contergan - Der Prozess") ist der Skandal um die Opfer des Grünenthal-Medikaments erneut in die Öffentlichkeit gerückt worden. Schon zuvor befasste sich etwa Dokumentarfilmer Walter Harrich in seiner Regiearbeit "Der Contergan-Skandal" mit der Tatsache, dass der Contergan-Wirkstoff Thalidomid weiterhin weltweit verabreicht wird. Einen ganz anderen Ansatz verfolgt hier Regisseur Niko von Glasow, der bei seiner Suche nach elf Aktmodellen faszinierende Persönlichkeiten entdeckte, die in so anspruchsvollen Berufsfeldern wie Politik, Medien, Sport, Astrophysik oder Schauspiel arbeiten und gelernt haben, mit ihrer Behinderung eine beeindruckende "Normalität" zu leben. Dafür gab's 2009 den deutschen Filmpreis als bester Dokumentarfilm.

Foto: Ventura