Nomaden der Lüfte - Das Geheimnis der Zugvögel

KINOSTART: 04.04.2002 • Dokumentarfilm • Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien (2001)
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Le peuple migrateur
Produktionsdatum
2001
Produktionsland
Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien
Kraniche fliegen in V-Formation. Die Kamera ist mitten im Vogelschwarm, schwebt scheinbar schwerelos mit den großen Vögeln durch die Lüfte. Ein Rotkelchen huscht durchs Gebüsch direkt vor der Optik des Kameramannes. Streifengänse fliegen in luftigen Höhen über die Chinesische Mauer hinweg. Graugänse heben ab, der Zuschauer ist unmittelbar dabei, fliegt mit über wunderbare Panoramen, durch faszinierende Landschaften, begleitet die Tiere über weite Strecken ihres oftmals strapaziösen Fluges in wärmere Gefilde bzw. zurück zu ihren Brutgebieten.

"Das Geheimnis der Zugvögel" lautet der Untertitel dieses bunten Bilderreigens. Hier wird zwar nicht das Rätsel um die großen Vogelwanderungen streng ornithologisch gelöst, dennoch - auch für den Laien - faszinierend bebildert. Schon mit dem Dokumentarfilm "Mikrokosmos - Das Volk der Gräser" tauchte Produzent und Filmemacher Jacques Perrin in ungeahnte Welten, zeigte nie gesehenen Bilder eines nahezu unbekannten Kosmos. Und ähnlich geht es dem Betrachter auch diesmal. Das Leben der Vögel wird hier nicht nacherzählt, aber etwas entmystifiziert, deutlicher, greifbarer gemacht. Mit aufwändigen Flugapparaten begleitete man die unterschiedlichsten Vogelarten bei ihren alljährlichen Flugreisen quer über Kontinente, scheute weder Kosten noch Mühen und erntete zum Dank brillante, Atem beraubende Aufnahmen aus der Welt unserer gefiederten Gefährten, schuf mit einer kleinen Rahmenhandlung über einen Jungen, der eine Graugans aus einem Netz befreit und am Ende des Films schon die Rückkehr der Gänse erwartet, ein filmisches Bravourstück, das vielleicht dem ein oder anderen Zuschauer doch mehr Achtung vor andersartigem Leben abringen kann. Der einzige Wehrmutstropfen dieses Hochgenusses: Die Musik ist sicherlich Geschmacksache, aber es ist nicht verständlich, warum einige gezeigte Vogelarten genannt werden und andere nicht oder warum man plötzlich vom europäischen Festland in den Dschungel Amazoniens taucht, auch wenn die gezeigten Bilder immer von Hauch einer bezaubernden Magie umgeben sind. Wem der Film gefallen sollte, dem sei wärmsten das dazu erschienene, gleichnamige Buch (Gerstenberg Verlag, 54,- €) empfohlen. Es lohnt sich ebenfalls.

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