Der italienische Bauingenieur Pier Luigi Nervi (1891-1979) gilt bis heute als genialer Gestalter von Beton, davon zeugen Bauten wie etwa das Pirelli-Hochhaus in Mailand, der Hauptsitz der UNESCO in Paris, das Haus der Arbeit in Turin, der Große Sportpalast in Rom oder die Audienzhalle des Papstes im Vatikan. Was jedoch nur wenige wissen: Schon antike Denkmäler wurden mit dem flüssigen Stein, den einst die Römer erfanden, gebaut, man denke nur an den Tempel des Merkur aus dem 1. Jahrhundert vor Christus in Baiae bei Neapel.

Architektur-Filmemacher Heinz Emigholz ("Goff in der Wüste") ist einer der wenigen Künstler, die den Grenzbereich zwischen Kunst und Film immer wieder aufs Neue erforschen. In seinem gesamten Werk hat er sich mit den Möglichkeiten und Gestaltungsebenen von Film und Bildfläche in Raum und Zeit auseinandergesetzt. Für seine Serie vom Architekturfilmen reist er seit Jahren zu den Häusern und Bauwerken namhafter Architekten und fängt diese in seinen essayistischen Dokumentarfilmen mit der Kamera ein. Nie zuvor wurde die Raumwirkung von Architektur in so ausdrucksstarken zweidimensionalen Filmbildern festgehalten. Für "Parabeton" hat Emigholz 17 erhaltene Bauwerke von Pier Luigi Nervi in Frankreich und Italien besucht. Dabei setzt er Nervis kühne Konstruktionen zu den bahnbrechenden römischen Erfindungen von vor 2000 Jahren in Beziehung. Mit dem Rückbezug des Konstruktionskerns der Moderne auf die Betonbauten der Antike bildet "Parabeton" das Finale der Serie von Architekturfilmen, an der Heinz Emigholz seit 1992 arbeitet.

Foto: Filmgalerie 451