Abwärts heißt dieser winterkalte Polizeiruf aus Magdeburg, und es gibt wenig, das den Sturzflug ins Verderben aufhalten würde. Einmal fallen sich der Sozialarbeiter Peter Ruhler und sein Schützling Lukas (Peter Jordan, Lukas Schust) in die Arme und lassen den Tränen freien Lauf. Obwohl der Zuschauer weiß, dass es für eine Rettung zu spät ist, wünscht man den beiden einen Moment lang, dass sie davonkommen aus Taten und Untaten, in denen sie schicksalhaft verstrickt sind. Dieser Film in Schnee und Eis fällt so düster aus, dass ein mordsmäßiger Fausthieb als willkommene Erleichterung, ja als komödiantisches Element in all dem Elend dient. Hauptkommissar Drexler (Sylvester Groth) ist es, der diesen Hieb ausführt. Er rächt seine Tochter, die von ihrem Mann geschlagen worden war. Aber das ist ein Nebengleis.

In einer Straßenbahn ist es zu einem Streit um einen Laptop gekommen. Der Streit artet in eine dieser Vernichtungsorgien aus, an deren Ende ein Toter im Dreck liegt und kaum jemand etwas gesehen haben will. Gleichwohl lassen sich die Ermittlungen bald auf den Jungen Lukas und den Ex-Kosovo-Soldaten Ruhler zuspitzen. Hauptkommissarin Brasch (Claudia Michelsen) und Drexler tauchen in zerrüttete Familienverhältnisse, erleben Metastasen von Verantwortungsflucht und Feigheit. Kann es Schlimmeres geben? Schlimmeres vielleicht nicht, aber das von vielerlei Feindlichkeit infizierte Binnenklima der Polizei und die privaten Verhältnisse beider Kommissare spiegeln die seelischen Zerstörungen jener Leute, mit denen sie es zu tun haben. Hat am Ende Brasch mit ihrer Beurteilung der Täterfrage recht? Oder Drexler? Das bleibt offen. Aber beide, Michelsen wie Groth, machen ihre Sache großartig. Auch das ist ein Trost am Magdeburger Kältepol. dh

Foto: MDR/Oliver Feist