In einem sagenumwobenen Spukhaus entdecken die Freunde ein geheimnisvolles Buch.
Nicht nur eine unheimliche Vogelscheuche versetzt die Protagonisten von "Scary Stories to Tell in the Dark" in Angst und Schrecken.

Scary Stories to Tell in the Dark

KINOSTART: 31.10.2019 • Horror • USA (2019) • 107 MINUTEN
Lesermeinung
prisma-Redaktion
Originaltitel
Scary Stories to Tell in the Dark
Produktionsdatum
2019
Produktionsland
USA
Filmstudio
1212 Entertainment, Double Dare You, Entertainment One, CBS Films, Rolling Hills, Hivemind, Starlight Culture Entertainment Group
Budget
25.000.000 USD
Einspielergebnis
104.545.505 USD
Laufzeit
107 Minuten
Regie
André Øvredal
Music
Marco Beltrami, Анна Друбич
Kamera
Roman Osin, George Kraychyk

Filmkritik

Außenseiter in Not
von Christopher Diekhaus

Ausgerechnet an Halloween bekommt es eine Außenseiterclique mit einem Fluch zu tun. Trotz vieler vertrauter Elemente liefern Regisseur André Øvredal und Produzent Guillermo del Toro einen sympathischen Gänsehautstreifen ab.

Junge Menschen, die mit einer bösen Macht konfrontiert werden; Außenseiter, denen ein fieser Provinzprolet das Leben zur Hölle macht, und ein nostalgisches Flair, das die Geschehnisse umweht: Im ersten Moment könnte man meinen, "Scary Stories to Tell in the Dark" sei ein billiger Abklatsch, der im Fahrwasser der ungemein erfolgreichen Stephen-King-Adaption "Es" auf den Weg gebracht wurde. Tatsächlich steht mit Oscar-Preisträger Guillermo del Toro ("Shape of Water - Das Flüstern des Wassers") aber ein ausgewiesener Leinwandmagier als Produzent hinter dem Schauerstück, dessen Wurzeln in der gleichnamigen Gruselreihe des US-Schriftstellers Alvin Schwartz liegen. Gemeinsam mit dem genreerprobten Regisseur André Øvredal ("The Autopsy of Jane Doe") präsentiert der horrorbegeisterte Mexikaner del Toro einen stimmungsvollen Retro-Schocker samt liebenswerten Hauptfiguren.

Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist die junge Nachwuchsautorin Stella (Zoe Margaret Colletti), die in der Kleinstadt Mill Valley lebt. Am Halloween-Abend des Jahres 1968 gerät sie zusammen mit ihren Freunden Auggie (Gabriel Rush) und Chuck (Austin Zajur) ins Visier des streitsüchtigen Mobbers Tommy (Austin Abrams). Gerade rechtzeitig findet das Trio Zuflucht im Wagen des geheimnisvollen Ramón (Michael Garza), der sich im Autokino einen Film ansieht. Nachdem Tommy und sein Trupp unverrichteter Dinge abgezogen sind, beschließen Stella und die drei Jungs, ein sagenumwobenes Spukgebäude am Ortsrand zu besuchen. Dort stoßen sie auf eine geheime Kammer, in der sich ein Buch mit schauerlichen Geschichten befindet. Nach einem kurzen Zwischenfall zieht es die verängstigten Teenager nach Hause. Im Gepäck hat Horrorfan Stella allerdings das ominöse Manuskript, das mit einem Fluch belegt ist und schon bald ein gefährliches Eigenleben entwickelt.

Mitfiebern leicht gemacht

"Scary Stories to Tell in the Dark" ist der beste Beweis, dass es nicht immer innovative Geschichten braucht, um das Publikum zu unterhalten. Viele Handlungsmotive sind aus ähnlichen Filmen bekannt. Mitunter wirkt das Ganze sogar wie ein Spaziergang durch das Genre. Und doch schaffen es Regisseur Øvredal und seine kreativen Mitstreiter, die vertrauten Elemente so anzuordnen, dass eine knisternde Atmosphäre entsteht. Ebenso charmant wie gelungen ist schon die Montage zum Auftakt, die die wichtigsten Figuren vorstellt und vom hypnotischen Sechziger-Jahre-Song "Season of the Witch" begleitet wird.

Auch wenn es einige dröhnende Buh-Effekte gibt und manch skurrile Schreckgestalt durchs Bild läuft, wirkt der Grusel weniger aufdringlich als in vielen aktuellen Horrorwerken. Besonders eine Sache hat "Scary Stories to Tell in the Dark" zahlreichen filmischen Artgenossen voraus: Man zittert gerne und ernsthaft mit den Protagonisten mit. Einerseits, weil ihr Outsider-Status sie sympathisch macht. Andererseits, weil die Chemie zwischen den unverbrauchten Jungdarstellern einfach stimmt. Ein gutes Casting ist manchmal fast die halbe Miete.

Die Nostalgie-Welle, die gerade das Grusel- und Mystery-Kino seit einigen Jahren befallen hat, darf man sicher kritisch sehen. Hier geht der verspielte Zug in die Vergangenheit aber über das Vordergründige und Zitierende hinaus. Vor allem in einigen obskuren Requisiten – etwa einem altmodischen Abspielgerät – zeigt sich der Einfluss des Produzenten del Toro, der für seine Liebe zu eigenwilliger Ausstattung bekannt ist. Alles andere als oberflächlich ist zudem der Umgang mit gesellschaftlichen und politischen Ereignissen der abgebildeten Epoche. Richard Nixons Wahlkampf findet am Rande mehrfach Erwähnung; der ausufernde Vietnam-Krieg spielt mit Blick auf den Durchreisenden Ramón eine Rolle in der Handlung. Und auch der amerikanische Rassismus der 60er-Jahre wird nicht ausgespart. "Scary Stories to Tell in the Dark" ist keine Horroroffenbarung, kombiniert aber recht überzeugend klassischen Gruselcharme mit etwas Anspruch.

Quelle: teleschau – der Mediendienst

Weitere Darsteller
Zoe Colletti Dean Norris Michael Garza Gabriel Rush Gil Bellows Natalie Ganzhorn Austin Abrams Austin Zajur Kathleen Pollard Lorraine Toussaint Deborah Pollitt Victoria Fodor Marie Ward Mark Steger Javier Botet Troy James Will Corno Kyle Labine David Tompa Karen Glave Stephanie Belding Hume Baugh Jane Moffat Will Carr Amanda Smith Brandon Knox Rodrigo Fernandez-Stoll Anna Fraser Alex Spencer Matthew Smith Daniel Gravelle Colton Gobbo Ajanae Stephenson Divan Meyer Lyndon B. Johnson Richard Nixon Walter Cronkite Jimmy Moneta

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