Man kann diesem gut gemachten und bis zuletzt spannenden Tatort aus Wien nur zweierlei vorwerfen: Erstens hängt er sich wieder mal an den 3096 Tage von 2006 (aus Natascha Kampusch wird ­Melanie Pölzl), zweitens geht's sich am Ende viel zu gut aus; zumindest für die morbiden Wiener Verhältnisse. Vorher aber fliegen die Fetzen. ­Eine Leiche verschwindet vom Obduktionstisch. Ein Auto wird manipuliert. Der Herr Chefinspektor geht einem Kollegen an die Gurgel. Eine alte Tat-Akte bleibt für die Ermittler gesperrt und ist dann, als sie doch auftaucht, so käselöchrig wie der US-Regierungsbericht zu 9/11.

Für die in trauter Zwietracht ermittelnden Moritz und Bibi (Harald Krassnitzer, Adele Neuhauser) ist völlig klar: Wir rennen gegen eine Verschwörung höchst ­einfluss­reicher Kreise an. Wir haben keine Chance, aber nutzen wollen wir sie doch. Nur wie? Vordergründig geht es um Mädchenentführungen und Kinderpornografie sowie um politisch veranlasste Vertuschungsversuche innerhalb des Polizeiapparats. Unterschwellig schiebt sich ein drittes Motiv in die Geschichte, die Frage nach dem Gehorsam eines Polizeibeamten und dessen Übertretung. Nur Letztere hilft, die faulen Stellen im Staate Österreich aufzudecken. Im Tatort klappt's. Im ­wirk­lichen Leben leider ... dh

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