WR steht für die Initialen des Psychoanalytikers Wilhelm Reich und dessen These, dass gesellschaftliche Befreiung nur eine Folge von sexueller Befreiung sein kann. So geht es in der ersten Hälfte dokumentarisch um das Leben des Wissenschaftlers, seine mitunter recht kruden Theorien und deren Verteufelung von Stalinisten und konservativem Bürgertum gleichermaßen. Die zweite Hälfte ist der Versuch eines Fallbeispiels: Die sexuell befreite Serbin Milena trifft auf den russischen Eiskunstläufer Vladimir Ilyich (eine Anspielung auf Lenin), der offenbar in seinem stalinistischen Dogmatismus feststeckt und nur mal einen wegstecken muss, um befreiter zu sein...

Zweifellos ein spannendes Zeitdokument: Die Filme des Serben Dušan Makevejev ("Coca-Cola Kid") waren im eigenen Land (damals Jugoslawien) fast alle verboten. Hier strukturierte er den Film wie eine surrealistische Collage, zeigt scheinbar dokumentarische Fragmente, vermischt diese mit viel sagenden Spielszenen und offenbart so (ähnlich wie Buñuel das spießige Bürgertum) die Pervertierung der sozialistischen Utopie durch Stalin und dessen Totalitarismus. Dabei verteufelt er die gesellschaftliche Unterdrückung durch sexuelle Disziplinierung. Heute erschließt sich dieser Kontext nur schwer, wirkt das Ganze eher wie ein bizarrer Sex-Streifen aus den Anfängen der Pornographie, dessen Botschaft sich recht plakativ darauf beschränkt, sich via Kopulation auch politisch frei zu kämpfen. Schön wär’s ja!

Foto: Freunde d. dt. Kinemathek