Herr R. ist technischer Zeichner, hat Frau und Kind, eine Wohnung in einem kleinen Mietshaus mit Gartenanteil. Den Abend verbringt das Ehepaar vor dem Fernseher, das Wochenende mit Spaziergängen oder im Plausch mit den Schwiegereltern. Die Arbeit zu Hause und im Beruf füllt Herrn R. aus, Hobbies bieten Abwechslung, außerdem liebt er die Ruhe. Die Kollegen sind nett, der Chef ist zufrieden. Aber das Leben hat kleine Schönheitsfehler. Die erhoffte Verbesserung im Beruf lässt auf sich warten, der Sohn hat Schwierigkeiten in der Schule, Herr R. leidet unter Kopfschmerzen und wirkt überhaupt oft etwas geistesabwesend. Nur als ein Schulfreund zu Besuch kommt, lebt er auf. Dann, eines Abends erschlägt Herr R. seine Frau, eine Nachbarin, die gerade zu Besuch ist, und seinen Sohn mit einem schweren Leuchter. Er selbst erhängt sich am nächsten Morgen kurz vor dem Eintreffen der Kriminalpolizei im Betrieb auf der Toilette.

Rainer Werner Fassbinder inszenierte 1969 diese schonungslose Fallstudie eines Durchschnittsbürgers, der an der Banalität des Alltags zugrunde geht und schließlich zum Mörder wird. Mit diesem Werk entwarf Fassbinder ein erschreckend trostloses Gesellschaftsbild.

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